Wo Textilgeschichte erlebbar wird

Die Tuchfabrik ist 2020 ein Nebenschauplatz der Landesausstellung. Dafür wird die alte Spinnerei fit gemacht. Reichen das zur Verfügung stehende Geld und die Zeit aus?

Crimmitschau.

In 14 Monaten beginnt die Landesausstellung zur Sächsischen Industriekultur. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?

Das Projekt: Für die Schau wird die ehemalige Spinnerei umgebaut. "Die Planungen sind abgeschlossen, die Konzeption steht", sagt die Leiterin der Tuchfabrik, Jana Kämpfe. In der unteren Etage wird sich künftig der zentrale Bereich des Museums befinden. Dazu gehören Garderobe, Kasse, Empfang, Sitzmöglichkeiten, Toiletten und ein Besuchercafé - alles Dinge, die zu einem modernen Museum dazugehören. Das ist bisher nicht der Fall. Vom Empfangsbereich geht es künftig direkt in die ehemalige Krempelei und Wolferei. Die wird durch eine Glaswand abgetrennt. Die Abteilungen sind noch im Originalzustand vorhanden, wie auch die anderen Bereiche in der Tuchfabrik. "Das macht das Museum zu etwas Besonderem und in seiner Art einmalig in Europa. Hinzu kommt, dass die Technik auch noch funktionsfähig ist und den Besuchern schon jetzt bei Rundgängen durch das Haus vorgeführt wird", erklärt Kämpfe. Im ersten Obergeschoss soll künftig eine Dauerausstellung zum Thema Textil gezeigt werden, in der zweiten Etage können Besucher den alten Spinnsaal besichtigen. Das Dachgeschoss soll perspektivisch als Multifunktionsfläche genutzt werden. Ob alle Pläne bis 2020 umgesetzt werden können, ist noch unklar.


Die Finanzierung: Für das Vorhaben stehen aktuell 775.000 Euro zur Verfügung. Davon stellt der Freistaat 500.000 Euro bereit. Den Fördermittelbescheid überreichte 2017 Sachsens Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) der Kommune bei einem Besuch in der Textilfabrik. 125.000 Euro steuert die Stadt bei. "Die Gesamtsumme ist für die Umsetzung des ursprünglichen Konzeptes vorgesehen und reicht auch aus", machte der Crimmitschauer Oberbürgermeister André Raphael (CDU) am Mittwoch noch einmal deutlich. Gemeint ist damit das Erdgeschoss. Für den geplanten Fluchtweg, der in Form einer Treppe an der Außenfront des Gebäudes errichtet werden soll, sind noch einmal 150.000 Euro eingeplant. Davon erhält die Kommune 104.000 Euro durch die Kulturraumförderung. Geht es nach den Wünschen des Stadtoberhauptes, soll die Tuchfabrik Gebr. Pfau an der Leipziger Straße weit über die Landesausstellung hinaus ihre Bedeutung erhalten. "Dafür haben wir jetzt die Weichen gestellt", machte Raphael noch einmal deutlich. An der Umsetzung der Pläne, die Spinnerei bis zur Eröffnung der Landesausstellung fit gemacht zu haben, hat der Oberbürgermeister keine Zweifel. "Das schaffen wir auf alle Fälle."

Die Baumaßnahmen: Termine, wann die Aufträge vergeben werden und die Handwerker anrücken sollen, wollte André Raphael am Mittwoch nicht nennen. Dazu laufen momentan noch Vorberatungen. Erste Maßnahmen wie die Erneuerung der Fenster im Erdgeschoss wurden nach Kämpfes Worten schon realisiert. "Wir werden spätestens bis zum April 2020 mit den Baumaßnahmen fertig sein", antwortete der Rathauschef auf Fragen zum konkreten Zeitplan. Er machte deutlich, dass die Mitarbeiter aus dem Fachbereich Bau der Stadtverwaltung das Vorhaben in den nächsten Wochen begleiten und die Abstimmungen mit der Zweckverband-Geschäftsstelle koordinieren. Offen ist bisher, wie viele Gewerke auf der Baustelle insgesamt zum Einsatz kommen.

Das Marketing: Der Förderverein des Textilmuseums will in den nächsten Monaten kräftig die Werbetrommel für die Landesausstellung rühren. Dabei haben Vereinschef Tommy Bartels und der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Wolf schon einige Ideen. "Wir wollen mit einer vorgelagerten Ausstellung, die im Optimalfall schon ab Mitte des Jahres gezeigt werden soll, die Neugier auf die Landesausstellung wecken", sagt Ulrich Wolf. Der Förderverein denkt beispielsweise über eine Präsentation mit Informationen zu den letzten Landesausstellungen im Stadtzentrum nach. Dafür will Tommy Bartels auch Fördermittel aus dem Innenstadt-Verfügungsfonds beantragen. Zudem wurde eine eigene Facebook-Präsentation des Vereins im Internet erstellt. "Wir brauchen bei der Vermarktung auch die Unterstützung des Freistaates", sagte Tommy Bartels, der erst seit zwei Wochen an der Spitze des Fördervereins steht und am Mittwoch seinen ersten öffentlichen Auftritt als Vereinsvorsitzender in der Tuchfabrik - mit einiger Nervosität - meisterte.


Bisher vier Landesschauen

Die Leitausstellung wird im sogenannten Audi-Bau in der Audistraße 9 in Zwickau in einer ehemaligen Produktionshalle präsentiert. Thematische Begleitausstellungen finden neben Crimmitschau auch in Chemnitz, Freiberg sowie in Oelsnitz/E. statt.

Die 1. Sächsische Landesausstellung fand 1998 unter dem Motto "Zeit und Ewigkeit - 128 Tage" im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau statt. Torgau war 2004 Austragungsort der zweiten Schau, die unter dem Titel "Glaube und Macht - Sachsen im Europa der Reformationszeit" stand. Die Via Regia, eine Straße mit 800-jähriger Geschichte, war das zentrale Thema der 3. Sächsischen Landesausstellung 2011 in Görlitz. Nummer 4 wird am 25. April in Zwickau eröffnet und dauert bis zum 1. November. (fp)

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