Zerbrechliche Reiseträume

Familie Kühnel aus Zwickau hat ein besonderes Hobby. Sie sammeln Landschaftsbilder auf Porzellan. Eine Auswahl davon ist jetzt im Werdauer Museum zu sehen.

Werdau.

Eine Reise nach Italien ist heute kein Problem. Egal ob per Bahn, mit dem Auto oder per Flugzeug, in nur wenigen Stunden ist das Ziel im Süden erreichbar. Johann Wolfgang Goethe brauchte dafür einst viel länger. Er legte 1786 den Weg über die Alpen mit der Postkutsche zurück. Es dauerte mehrere Tage, bis Goethe sein Ziel im Süden erreichte. Seine Skizzen, Aufzeichnungen und Zeichnungen dienten im 18. Jahrhundert in der Porzellanindustrie als Vorlage für die Fertigung von "zerbrechlichen Reiseträumen". Tassen und Teller zierten Landschaften, Burgen und andere Ziele und sollten die Sehnsüchte des kleines Mannes nach "Dolce Vita" befriedigen. Eine Reise in den Süden konnten sich damals nur die Wohlhabenden leisten.

Rosemarie und Uwe Kühnel aus Reinsdorf besitzen eine ganze Sammlung von zerbrechlichen Urlaubsträumen aus der Zeit zwischen 1800 und 1900 und zeigen diese in einer Schau, die am Sonntag im Werdauer Museum eröffnet wurde. "Angefangen hat alles mit einer Tasse, die mein Mann 1991 von einer Antikmesse aus Dresden mitgebracht hat. Inzwischen besitzen wir eine ganze Sammlung, die wir in mehreren Vitrinen in unserem Haus aufbewahren", sagt Rosemarie Kühnel. Nur wenige der touristischen Ziele, die auf den Tassen und Tellern verewigt sind, hat das Ehepaar inzwischen auch besucht. "Wir sind nicht so die Reisefreaks. Wenn, dann besuchen wir die Orte, in denen bekannte Porzellanhersteller ihren Sitz haben", sagt Uwe Kühnel. Was seine Frau an dem mit Urlaubszielen verzierten Porzellan besonders begeistert, ist das Kunsthandwerk. "So etwas in der Form gibt es heute gar nicht mehr. In einigen Regionen wird zwar noch Andenkenporzellan angeboten, doch dabei handelt es sich meistens um Kitsch, hergestellt in Fernost", sagt die Sammlerin.


Hans-Jürgen Beier, Chef des Werdauer Museums, ist von der Sammlung des Ehepaars aus Reinsdorf begeistert. "In der Vielfalt war so etwas bei uns noch nicht zu sehen." Dabei besitzt das Haus eine der größten Sammlungen an Fraureuther Porzellan. Die ehemalige Fabrik vor den Toren von Werdau, einst einer der größten Porzellanhersteller in Deutschland, besaß ebenfalls eine Kunstabteilung. "Die wurde erst um 1915 gegründet. Auch in Fraureuth spielte die Landschaftsmalerei eine große Rolle, weil dafür ein Markt vorhanden war. Wir besitzen aus der Zeit ein paar sehr schöne Stücke. Dazu gehören beispielsweise Teller mit Ansichten von Capri", sagt Beier.

Die Gäste der Eröffnungsveranstaltung konnten am Sonntag nicht nur von Capri oder anderen Zielen in Bella Italia und anderswo träumen, sie wurden dazu von Eveline Zenker aus Königswalde mit den passenden Liedern auf eine musikalische Zeitreise in den Süden mitgenommen. Barbara Knüpfer vom "Kaffeeklatsch" in Werdau servierte dazu noch Kaffee und Kuchen.

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