Findiges Duo tischt "Uhiesiges" samt Mundart-Wörterbuch auf

Ardäppln, Brieh und Flaasch: Das klingt für Erzgebirger nach einem schmackhaften Festessen. Aber im Internet trifft sich die ganze Welt. Deshalb gehen zwei Studentinnen auf Nummer sicher - und liefern die hochdeutschen Küchenbegriffe gleich mit.

Johanngeorgenstadt / Markersbach.

Griene Kließ und Schwammebrieh: Wer das auf einer Speisekarte liest, aber nur Bahnhof versteht, kommt vermutlich nicht aus dem Erzgebirge. Und das Wörtchen "uhiesig" steht hierzulande für etwas Fremdes, das nicht aus dem Erzgebirge kommt. Es ist aber die Heimat von Patricia Pötzsch und Nathalie Beyreuther. Dazu bekennen sich die Frauen auch auf ihrer Internetseite, auf der kulinarische Genüsse aus aller Welt und die Mundart der beiden tragende Rollen spielen.

"Uhiesig" haben die Studentinnen der TU Chemnitz ihren Blog getauft, weil sie regelmäßig Gerichte aus anderen Ländern - also fremdes und exotisches Essen - vorstellen. Sie erklären den Ursprung der Speisen und die Zubereitungsweisen. Jedoch taten sich bereits nach kurzer Zeit Sprachbarrieren auf. "Es war eine der ersten Anregungen, dass wir ein deutsch-erzgebirgisches Wörterbuch zur Erklärung machen sollen", erinnert sich Patricia. Daher werden auf der Seite nun tatsächlich küchennahe Begriffe wie Beebemme (geröstetes Brot), Dippl (Tasse), Eigeschnietne (Bratkartoffeln), Hosnbroten (Hasenbraten), Taag (Teig) und Ufen (Ofen) übersetzt.


Patricia betrat mit dem Internetauftritt kein Neuland. Die 23-Jährige stammt aus Markersbach. Ihr Abitur legte sie in Schwarzenberg ab und weilte danach ein Jahr als Au-Pair in Amerika. "Da probierte ich es mit einer Art Reise-Blog. Es klappte nicht wirklich." Für Nathalie, die wie ihre Freundin Digitale Medien und Kommunikationskulturen studiert, war vieles völlig neu. "In einem Seminar ging es ums Bloggen. Wir erfuhren, worauf es ankommt, wie's geht. Vorkenntnisse hatten wir kaum", sagt die 22-jährige Johanngeorgenstädterin. Eine Aufgabe des Kurses: einen eigenen Webblog erstellen. Das Thema war frei wählbar.

"Wir haben lange überlegt, erst an Mode gedacht", so Patricia. Weil beide gern kochen und ausländische Gerichte ausprobieren, wurde es am Ende die Rezeptseite. Die Vorliebe für Speisen aus aller Welt brachte sie auf den Namen. "Denn ,uhiesig' steht ja in unserer Mundart für Fremdes. "Patricia hat das Wort irgendwann rausgehauen. Das fanden wir so lustig, dass wir es genommen haben", sagt Nathalie. Das ist nun schon zwei Jahre her.

Auf der Seite der Erzgebirgerinnen stehen etliche Rezepte zum Nachbacken und -kochen. Die kulinarische Bandbreite reicht von Vor- und Hauptgang bis zur Nachspeise, vom Kaiserschmarrn über (Tofu-) Bolognese bis Sushi. Zudem versuchen sich die Blondinen als Restauranttesterinnen, haben Kritiken über Lokale in und um Chemnitz verfasst. Ihre heimatliche Küche vergessen sie bei aller Exotik im Topf nicht. "Wir wollen demnächst ein erzgebirgisches Gericht vorstellen, bleiben aber grundsätzlich bei den ,uhiesigen' Rezepten aus aller Welt", so Patricia. 2016 wollen die beiden ihr Studium mit Masterabschluss beenden. Wie es dann weitergeht, ist offen: Patricia findet Filmproduktionen für Werbeclips und Musikvideos spannend. Die Marketingschiene liegt Nathalie. Aber festlegen wolle sie sich nicht. Und die Rezeptseite? "Das ist auch noch ungewiss. Aber ich denke, solange es unsere Zeit zulässt, stellen wir weiter Beiträge ins Netz", sagt Nathalie.www.uhiesig.blogspot.de

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