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Foto: Ole Spata/dpa

Hunderte Erzgebirger verlieren Prämien

Nun hat auch die Erzgebirgssparkasse einen Teil der für Sparer lukrativen Prämiensparverträge gekündigt. Die Verbraucherzentrale hat Sondersprechzeiten eingerichtet.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 09.09.2017

Aue/Schwarzenberg. Seit rund einer Woche versendet die Erzgebirgssparkasse Kündigungsschreiben an Kunden, die einen langjährigen Prämiensparvertrag besitzen. Die Kündigungen werden im Januar 2018 wirksam. Vorstandssprecher André Leonhardt bestätigte den Vorgang, wollte aber nicht beziffern, wie viele Sparer betroffen sind.

Die Beratungsstelle Aue der Verbraucherzentrale Sachsen bietet seit Montag Sondersprechstunden an, um Sparkassenkunden zu beraten. Es hätten sich sehr viele Menschen an die Verbraucherzentrale gewendet, nachdem sie die Kündigung ihrer Prämiensparverträge erhalten haben, sagte Beratungsstellenleiterin Simone Woldt. Seit Montag habe man täglich 35 Bürger beraten.

Die 300 Kundenberater der Erzgebirgssparkasse seien ihrerseits dabei, mit allen betroffenen Kunden zu sprechen, um ihnen Angebote zu unterbreiten, wie sie das Geld aus ihren gekündigten Prämiensparverträgen künftig anlegen können, sagte André Leonhardt: "Kein Kunde muss seine Sparziele aufgeben. Es gibt Produkte, die eine vergleichbare Rendite generieren können."

Das "Prämiensparen flexibel", eine Anlageform, die es nur bei den Sparkassen gab, brachte den Sparern neben einer marktüblichen Verzinsung lukrative Bonuszahlungen. Auf die jährlich eingezahlten Beträge packte die Sparkasse am Jahresende eine Prämie drauf. Mit der Laufzeit stiegen die Prämien. Die höchste betrug 50 Prozent und wurde in der Regel nach 15 Jahren erreicht. Wer pro Jahr 1000 Euro auf die hohe Kante legte, konnte am Jahresende bis zu 500 Euro zusätzlich bekommen.

Seit geraumer Zeit bietet die Erzgebirgssparkasse kein "Prämiensparen flexibel" mehr an. Die nunmehr erfolgte Kündigung vieler Verträge begründet das Geldinstitut mit dem anhaltenden Niedrigzins. Die Sparkasse verdiene Geld, indem sie Kredite vergebe, deren Zinsen höher sind als die Zinsen, die man für Guthaben zahle, sagte Leonhardt. "Die Nachfrage nach Krediten ist derzeit aber deutlich geringer als der Wunsch, uns Geld zu überlassen."

Allein im vergangenen Jahr seien die Einlagen bei der Erzgebirgssparkasse um 160 Millionen Euro gestiegen. Mittlerweile verfüge das Institut über Einlagen in Höhe von reichlich vier Milliarden. Da man mit Kreditzinsen zu wenig erwirtschafte, könne man sich die hohen Prämien nicht mehr leisten. "Wir haben das Produkt Prämiensparen zwei Jahre lang subventioniert. Jetzt ist der Punkt erreicht, wo wir das nicht mehr können", sagte Leonhardt.

Eine Sprecherin der Verbraucherzentrale Sachsen empfahl betroffenen Kunden gestern, Widerspruch gegen die Kündigung ihrer Prämiensparverträge einzulegen. Welche rechtlichen Möglichkeiten man habe, um dagegen vorzugehen, werde derzeit aber noch geprüft.

André Leonhardt sagte, man habe die Verbraucherzentrale über die Kündigungen informiert, habe aber noch keine Reaktion erhalten. Dass eine Klagedrohung bislang ausgeblieben ist, mag daran liegen, dass die Erzgebirgssparkasse bei weitem nicht alle Prämiensparverträge gekündigt hat und ihren Kunden einen Teil der möglichen Boni zukommen lassen will (siehe Kasten).

Den Sparkassen Meißen und Leipzig hatten die Verbraucherschützer mit Klagen gedroht, bis diese zu einem Kompromiss bereit waren. Gegen die Sparkasse Zwickau soll eine Klage eingereicht werden.

 
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