Werbung/Ads
Menü

Themen:

Graffiti an einer Außenwand von Auto Licht Aue. Eine Journalistin findet es rassistisch.

Foto: Georg Ulrich Dostmann

Ist dieses Graffiti rassistisch?

Ostdeutsche macht oft unzufrieden, wie ihre Heimat in Medien dargestellt wird. Ein Magazin von Jungjournalisten wollte ein umfassendes Bild vom Erzgebirge zeichnen, sich nicht nur mit Rechtsradikalismus befassen. Aber auch.

Von Thomas Liersch
erschienen am 09.11.2017

Aue/Schwarzenberg. Vor mehr als einem Jahr entbrannte in der Region eine Debatte. Der Journalist Raphael Thelen hatte in der "Zeit" und der "Freien Presse" erklärt, er sei erschrocken, wie allgegenwärtig fremdenfeindliches Gedankengut in Aue und der Region sind. Die Kritik der Stadt Aue und nicht weniger Bürger lautete damals, er habe ein Zerrbild der Region gezeichnet. Thelen stellte sich einem Diskussionsforum und erklärte, sich in seiner Recherche schließlich auch auf Rechtsradikalismus konzentriert zu haben. Sicherlich gebe es im Erzgebirge noch viel zu entdecken, um ein umfassenderes Bild der Region zu zeichnen.

An dieser Stelle hat die Reportageschule Reutlingen angeknüpft, deren Ausbildung auch Thelen absolviert hatte. Im Vorwort eines nun erschienen Abschluss-Magazins der Reportageschule schreibt deren Leiter Philipp Maußhardt, man habe die Einladung angenommen und mit elf Reportern wochenlang im Erzgebirge recherchiert. Das Magazin trägt den Titel "ERZwärts". Maußhardt zufolge werde es an Redaktionen in ganz Deutschland verteilt. Er betont: "Wir haben uns nicht nur mit Fremdenfeindlichkeit beschäftigt, aber sind auch nicht ganz daran vorbeigekommen." Vor allem eine Absolventin nicht, die sich mit dem Thema Ausgrenzung beschäftigt habe und mit einem ihres Erachtens rassistischem Graffiti.

Tatsächlich beschäftigen sich die Texte des Magazins mit vielen verschiedenen Themen: Da wird versucht, das Phänomen Kumpelverein FC Erzgebirge Aue zu erklären. Es geht um Langzeitarbeitslosigkeit, um die Band "De Randfichten", um Leute, die in ihrer Freizeit verbotenerweise Bergwerke befahren. Sogar in Afrika wurde recherchiert - für einen Beitrag über dort beliebte Damast-Gewänder, die von Curt Bauer in Aue produziert werden. Ein Artikel befasst sich mit dem Kampf gegen Wölfe, Crystal Meth und stinkenden Nebel. Ein anderer porträtiert durchaus liebevoll die Bewohner von Plattenbauten im Auer Stadtteil Eichert; Autorin Julia Jürgens hatte sich für die Recherche dort eine Gästewohnung genommen und schreibt am Schluss, sie wäre gern noch geblieben.

Zu einem ganz anderen Fazit kommt Autorin Dunja Smaoui in ihrem Text: "In meinem bisherigen Leben habe ich mich nie als Ausländerin gefühlt. In Aue jeden Tag." Sie beginnt den Beitrag "Aue und die anderen" mit einer persönlichen Erklärung. Sie habe eine deutsche Mutter und einen tunesischen Vater. Wegen ihres dunklen Teints erlebe sie in Deutschland Ausgrenzung, solange sie denken könne. Dann schreibt sie über vier Menschen, die an den Rand gedrängt seien: über Jens Ullrich, den homosexuellen Bezirksjugendwart der evangelischen Gemeinde in Aue, der sich von einzelnen Kirchgemeinden ausgegrenzt fühlt. Über Thomas Witte, Vorsitzender des Vereins Heimattreue Niederdorf, der sich selbst nicht als Rassist sieht - inzwischen ist er vom Landesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft worden. Über den afghanischen Flüchtling Abdul Shaikhi, der in der Fußball-Mannschaft von Blau-Weiß-Schwarzenberg heute beliebt ist, aber von Außenstehenden immer noch beschimpft werde. Und: Smaoui schreibt über sich selbst, und was sie in Aue erlebt hat. Ihr fiel ein Graffiti in der Wehrstraße in Aue auf. Es ist an der Rückwand von Auto Licht Aue aufgesprüht worden, einer KFZ-Werkstatt mit Gebrauchtwagenhandel. Zu sehen ist eine offenbar kannibalistische Szene unter schwarzen Figuren. Smaoui fragt sich, warum sich niemand an dem Graffiti stört und stellt OB Heinrich Kohl (CDU) und Pressesprecherin Jana Hecker dazu Fragen. Die Autorin fühlt sich dabei von den beiden nicht ernstgenommen. Außerdem sei sie in der Stadt "bohrend beäugt" worden, am Bahnhof sei sie sogar von Männern mit Kronkorken beworfen worden.

OB Kohl sagt: "Wir haben die Journalistin und ihre Fragen zum Graffiti ernst genommen." Das Bild sei zuvor im Rathaus nicht bekannt gewesen. Stadtsprecherin Jana Hecker sagt, an dem Magazin missfalle ihr, dass es sich thematisch auch wieder an zu vielen Klischees über Ostdeutschland abarbeite - sie meint die Plattenbauten, Arbeitslose und den Rassismus. Bei der Graffiti-Autorin habe sie eine gewisse Voreingenommenheit bemerkt.

Das Graffiti ist schon seit vielen Jahren an der genannten Stelle. Der Gründer von Auto Licht Aue, Dieter Reuter (70) erinnert sich, dass es einfach mal aufgesprüht worden ist, es sei im Gegensatz zu den daneben befindlichen Graffitis nicht im Auftrag der Firma angebracht worden. Demnächst solle es ohnehin im Rahmen einer Sanierung verschwinden. "Ich finde das Graffiti eine Schweinerei", sagt Reuter. Rassismus könne er darin aber nicht erkennen.

Die Autorin Smaoui war für Fragen bisher nicht erreichbar.

50 Exemplare des Magazins "ERZwärts" können ab Montag kostenlos in der Redaktion in Aue abgeholt werden. Die Texte gibt´s auch unter www.freiepresse.de/erzwaerts.

 
Seite 1 von 2
Ist dieses Graffiti rassistisch?
Kommentar: Sehr subjektiv
 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
4

Lesen Sie auch

Kommentare
4
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 10.11.2017
    19:17 Uhr

    1953866: @Hinterfragt, das ist ein altbekanntes Problem mit den doppelten Artikel. Der wir erst auf einer Regionalseite veröffentlicht, dann noch einmal allgemein, versetzt auf allen Regionalseiten. Da sollte sich FP, zwecks Kommentierung etwas einfallen lassen.

    0 0
     
  • 10.11.2017
    13:21 Uhr

    Interessierte: Um diesen Journalist Raphael Thelen ging es doch schon einmal , war das zu diesem Beitrag ....?
    In diesem Staat sind sicherlich gewisse Leute auf dieses Thema ´rassistisch´ angesetzt , so wie auch diese Stefan Kuzmany von `Ihr nicht . Ihr seid nicht das Volk`

    0 1
     
  • 10.11.2017
    08:46 Uhr

    Hinterfragt: Komisch, dass es 2 Beiträge zum Thema gibt; siehe:
    https://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/STOLLBERG/Ist-dieses-Wandbild-rassistisch-artikel10048652.php

    0 1
     
  • 10.11.2017
    07:33 Uhr

    fpfreiberg: Nein. Gibts keine wirklichen Probleme?

    0 1
     
Bildergalerien
  • 20.11.2017
Lisa Ducret
Bilder des Tages (20.11.2017)

Krokodil-Fänger, Restaurierung, Der große Knall, In luftige Höhe, Massenhochzeit, Durchbruch, Standarte ... ... Galerie anschauen

 
  • 19.11.2017
Soeren Stache
Hartes Ringen bei Jamaika-Sondierungen

Berlin (dpa) - Mit einem Bekenntnis zur Verantwortung für das Land haben die Jamaika-Unterhändler in der Schlussrunde um eine gemeinsame Linie für ein Bündnis gerungen. Die Verhandlungen sollten eigentlich am Sonntagabend bis 18.00 Uhr abgeschlossen sein, gingen aber in die Verlängerung. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 15.11.2017
Kay Nietfeld
Kreise: Jamaika mit mehr als 35 Milliarden Spielraum

Berlin (dpa) - Die Jamaika-Unterhändler von CDU, CSU, FDP und Grünen gehen inzwischen von einen Finanzspielraum für die kommenden vier Jahre von mehr als 35 Milliarden Euro aus. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur in Berlin aus Verhandlerkreisen. Es werde aber noch um die genaue Größenordnung gerungen. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 14.11.2017
Silas Stein
Jamaika-Unterhändler verhaken sich beim Thema Verkehr

Berlin (dpa) - Die Jamaika-Unterhändler von CDU, CSU, FDP und Grünen haben sich einmal mehr beim Thema Verkehr festgefahren. zum Artikel ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Aue
Mi

8 °C
Do

12 °C
Fr

12 °C
Sa

10 °C
So

3 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schneeberger Str. 17
Telefon: 03771 594-0
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
Neu
Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

Zum Facebook-Auftritt

 
 
 
 
 
|||||
mmmmm