Kammloipe: Die Not mit der Notdurft

Die Skisaison beginnt. In Carlsfeld und Weitersglashütte ist damit ein Ärgernis verbunden, das man seit Jahren kennt.

Eibenstock.

Das Grundstück von Hubert Brehme in Carlsfeld grenzt unmittelbar an den Parkplatz, den im Winter täglich Hunderte Autos ansteuern, um von dort aus zum Skifahren auf die Kammloipe zu starten. "Die Leute kommen von sehr weit her. Logisch, dass da der eine oder andere seine Notdurft verrichten muss. Ja, und dann sehe ich sie halt, wie sie über die zusammengeschobenen Schneehaufen klettern und sich hinhocken, manchmal auch unter die Fichten auf meinem Grundstück", berichtet der Carlsfelder von der Not mit der Notdurft. "Ich meckere nicht und wir lassen Leute mit kleinen Kindern, die bei uns klingeln, auch aufs Klo." Hubert Brehme, auch als Wanderführer bekannt, ärgert aber, dass sich seit Jahren nichts an dem Zustand ändert. "Wir reden immer davon, den Tourismus entwickeln zu wollen und schaffen es nicht einmal, Toilettencontainer am Parkplatz aufzustellen." 150 bis 200 Pkw hat er zu Spitzenzeiten dort gezählt.

Ein kleiner Toilettencontainer steht an der Talstation des Skilifts, der in Carlsfeld aufs Hirschkopf-Plateau führt. Christoph Beetz, Ortsvorsteher von Carlsfeld und Vorsitzender des ortsansässigen Skivereins, hält das für ausreichend. Gleichwohl weiß er um das generelle Problem der fehlenden Toiletten an der Kammloipe. Er verspricht sich eine Lösung durch das Tourismuskonzept, an dem die Stadt Eibenstock derzeit für Carlsfeld und speziell das Hirschkopfplateau strickt. Danach soll es in Zukunft einen längeren Skilift mit einer neuen Talstation geben und ein extra Loipenhaus auf dem Hirschkopfplateau. Ob die Pläne realisierbar sind, hängt auch davon ab, ob ein Privatinvestor gefunden werden kann. "Alles andere wären nur Notlösungen. Auch aufgestellte Container verursachen Kosten für Heizung, Strom, Kanalanschluss und Reinigung."

Preisgünstiger hätte man schon vor Jahren eine Variante mit einem Loipenhaus in Weitersglashütte haben können. Dieses wollten die Besitzer des Hotels "Zum Kranichsee" in ihr Projekt einbinden, nachdem sie ein Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Einstieg in die Kammloipe gekauft hatten. Im Erdgeschoss sollten Umkleidemöglichkeiten und öffentliche, barrierefreie Toiletten entstehen. "Wir hätten privat investiert, die Stadt sollte die Pacht für 15, 20 Jahre übernehmen", erklärt Geschäftsführerin Annette Lewandowsky. Geplatzt sei das Vorhaben, weil sich in einer Stadtratssitzung ein Carlsfelder vehement dagegen aussprach. Es wäre zu teuer. Dafür sollte ein Toilettencontainer an der Wendeschleife der Loipe in Weitersglashütte aufgestellt werden. "Auf den Toilettencontainer warten wir bis heute." Die Hotelbesitzerin spricht von "unhaltbaren Zuständen". Zu Spitzenzeiten würden Skifahrer im Gänsemarsch durch die Räume ihres Hotels laufen. Abhilfe könnte eine geplante öffentliche Toilette schaffen - im ehemaligen Stallgebäude, das die Lewandowskys zurzeit ausbauen. Frühestens zur Wintersaison 2018 ist die Realisierung geplant. "Bis dahin brauchen wir die versprochenen Toilettenwagen."

Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab (CDU) hält dagegen: "Wer denkt, dass wir an jedem Parkplatz eine öffentliche Toilette unterhalten können, dem kann ich nur sagen, das werden wir auch in den nächsten Jahren nicht schaffen." Das Problem "Schnee-Pinkler" ist aus seiner Sicht unlösbar. Staab weiß aber, dass an den großen Parkplätzen etwas gemacht werden muss. "Da müssen wir noch einmal durchrechnen, was das Aufstellen und Betreiben die Stadt kostet."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...