Schultüren schließen sich für immer

Auf dem Heidelsberg in Aue wurden 53 Jahre lang Kinder unterrichtet. Jetzt steht ein Umzug an - vom Wald mitten in die Stadt.

Aue.

Kinder flitzen durch die Flure, rufen sich laut etwas zu. Lehrer ermahnen zum Stillstehen und Leisesein. Eine Geräuschkulisse, die gestern zum letzten Mal in der Heidelsberg-Grundschule in Aue zu hören war. Alle Klassen und die Lehrer versammelten sich vor dem Schulhaus, um Abschied zu nehmen. Die Schule schließt, für immer.

Hans Beck (CDU), stellvertretender Oberbürgermeister von Aue, versicherte, dass die Entscheidung, die Schule aufzugeben, keinem leicht gefallen sei. Der Stadtrat hatte 2015 beschlossen, dass die einzügige Grundschule in die Pestalozzi-Straße umziehen soll. Nach Nutzung als Gymnasium und Berufliches Schulzentrum stand dieses Gebäude an der Schwarzenberger Straße seit 2012 leer. Es ist für rund 2,18 Millionen Euro saniert worden.

"Wir freuen uns auf die besseren Bedingungen, sind aber traurig, dass wir das tolle Außengelände der Heidelsbergschule nicht mitnehmen können", sagt Schulleiterin Kerstin Zimmermann.

Das bedauert auch Andrea Tetzner. Sie ist die Sekretärin der Schule. Und sie gehörte zu den ersten Schülern, die 1964 die neu eröffnete Schule in Besitz nahmen. Sie war damals in der 3. Klasse und wechselte von der Pestalozzi-Schule in die auf dem Heidelsberg. "Zu der Zeit gab es ja viele Kinder, das Neubaugebiet auf dem Eichert wuchs, und der Platz in der Pestalozzi-Schule reichte nicht mehr", erzählt sie.

Über 400 Schüler hatte die Heidelsberg-Schule in der 1960er-Jahren, dort gingen die Kinder von der 1. bis zur 8. Klasse zur Schule. Es gab eine eigene Küche und einen Speisesaal. Andrea Tetzner kann sich noch an den ersten Direktor erinnern, der hieß Paul Freyer und war "streng, aber gerecht".

Es war ein Zufall, dass die 63-Jährige noch einmal an ihre alte Schule als Sekretärin kam. Es ist ein befristetes Arbeitsverhältnis, denn sie vertritt eine andere Kollegin, die wiederum in einer anderen Schule eine Kollegin im Erziehungsurlaub vertritt. Eineinhalb Jahre dauert die Vertretung, somit macht Andrea Tetzner den Umzug noch mit. "Ich habe mich gefreut, noch einmal an die Schule zu kommen. Die ersten Tage habe ich zwar gedacht, den Lärm der Kinder hältst du nicht aus, aber man gewöhnt sich schnell daran. Jetzt sind mir die Kinder ans Herz gewachsen."

Gestern führte Andrea Tetzner Leute, die sich die Schule noch einmal anschauen wollten, durchs Gebäude. Zu ihnen gehörte Günter Ullmann. Sein Onkel war Hausmeister an der Schule. Für ihn ist es unverständlich, dass die Stadt den Gebäudekomplex aufgibt. "Egal, aus welchem Fenster man hier schaut, überall sieht man Wald und hört die Vögel singen. Ich weiß nicht, ob die Pestalozzi-Schule die bessere Lösung ist, an einer Hauptverkehrsstraße", stellt er in den Raum.

Felix Reißmann aus der 1. Klasse sieht das anders. Er freut sich auf die neue Schule. "Eine Turnhalle, in der der Boden nicht aufgerissen, ein Schulhof, der nicht so steinig ist und ein besserer Sportplatz - das sind für den Jungen die Vorzüge.

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