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Der gefundene Farbmühlstein. Die Kanäle nahmen die Glasschlacke auf und leiteten sie unter den Stein.

Foto: Mario UlbrichBild 1 / 2

So hart mahlten die Mühlen der alten Blaufarbenwerker

Bei Notsicherungsarbeiten im Schindlerswerk bei Albernau fanden Vereinsmitglieder einen 200 Jahre alten Mühlstein. Die Entdeckung beantwortet offene Fragen. Am Montag wird sie der Öffentlichkeit gezeigt.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 18.05.2018

Albernau. Ein Stein, den ein Mann geradeso heben, aber nicht weit tragen kann, beflügelt derzeit die Mitglieder des Fördervereins Schindlers Blaufarbenwerk. Vereinsvorsitzender Mike Haustein nennt ihn eine kleine Sensation. "In keinem Blaufarbenwerk im Erzgebirge ist bisher so etwas gefunden worden", sagt er.

Der Stein - halbrund, geschwärzt, mit Rillen und Riefen - ist ein Mühlstein. Haustein schätzt, dass er 200 Jahre alt ist. Genau lässt sich aber nur sagen, dass er aus dem Zeitraum zwischen 1649 und 1855 stammen muss. In dieser Zeit gab es in Schindlerswerk eine Farbmühle.

"Kobalt, Sand und Pottasche wurden zu blauem Glas geschmolzen", sagt Haustein. "Dieses Glas wurde zu blauem Pulver zermahlen, das der Herstellung von Farben diente." Das Pulver gab dieser und anderer Fabriken den Namen Blaufarbenwerk.

Der Mühlstein lässt Rückschlüsse zu, wie eine Farbmühle ausgesehen hat. "Bisher kannten wir so etwas nur aus Beschreibungen. Jetzt können wir eine nachbauen", erklärt der Vereinschef. Im Hauptstaatsarchiv Dresden hat er inzwischen eine Konstruktionszeichnung entdeckt, die von Kurt Alexander Winkler (1794 - 1862) stammt. Der Chemiker war in leitender Funktion in den Blaufarbenwerken Zschopenthal und Niederpfannenstiel, der heutigen Nickelhütte Aue, tätig.

Ein Farbmühlstein ist anders als Mahlsteine für Kornmühlen. Bestanden letztere in der Regel aus Sandstein, kam für den Einsatz in einer Farbmühle nur ein außerordentlich harter Stein infrage - in diesem Fall Granit. Nur so konnte die Glasschlacke zerrieben werden.

Aber auch der Granit kam an seine Grenzen. "Ein Farbmühlstein musste nach etwa acht Wochen ausgetauscht werden", sagt Mike Haustein. Das gefundene Exemplar wog einst vermutlich einen Zentner. Jetzt sind es nur noch 40 Kilogramm. Zehn Kilo Schwund zeugen von der harten Arbeit, die er leisten musste.

Gefunden wurde der Stein bei einem Arbeitseinsatz im Gelände, wo er unter Unkraut und Wildwuchs lag. Die Vereinsmitglieder vermuten, dass er als Baumaterial verwendet werden sollte. "Granit war damals ein hochwertiges Material. Das warf man nicht einfach weg", sagt Haustein. In der Mauer des benachbarten Kutscherhauses, einem der ältesten Nebengebäude von Schindlerswerk, sind mehrere Mühlsteine verbaut. Nur kommt man an diese nicht heran, weil das gesamte Areal unter Denkmalschutz steht.

Schindlerswerk ist das letzte in Originalsubstanz erhaltene Blaufarbenwerk weltweit und ein Baustein bei der Bewerbung des Erzgebirges um den Weltkulturerbetitel der Unesco. Der Förderverein will helfen, das Kulturdenkmal zu erhalten.

Am Deutschen Mühlentag gibt der Förderverein Schindlers Blaufarbenwerk Einblicke in die Arbeit der alten Farbmühle. Geöffnet ist Schindlerswerk am Pfingstmontag von 10 bis 16 Uhr. Führungen mit einem kurzen Eröffnungsvortrag gibt es 11 und 14 Uhr. Auch findet ein Buchverkauf mit Publikationen zum sächsischen Berg- und Hüttenwesen statt. Zufahrt zum Standort Schindlerswerk 9 über den Muldenweg bei Bockau.

 
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