Wenn Graffitis Rechtsradikale verherrlichen

Immer wieder tauchen in der Region rechtsextreme Schmiererein auf. Eine Kritzelei in Bad Schlema ist jetzt sogar Thema im Landtag gewesen.

Bad Schlema.

Mit schwarzer Farbe sprühten Unbekannte im Sommer des vergangenen Jahres die Worte "I love NSU" auf einen Gehweg im Kurpark von Bad Schlema. Das ist jetzt durch eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Kerstin Köditz (Die Linke) im sächsischen Landtag bekannt geworden.

Das Graffito ist wohl eine Liebeserklärung an die rechtsextreme Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund", die im Jahr 2011 aufgeflogen war. Dem NSU um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe werden zwischen 2000 und 2007 zehn Morde zur Last gelegt.

Köditz sagt dazu: "Wie kommt jemand im Jahr 2017 in Bad Schlema auf so eine Idee?" Die Tat würde die Straftaten des NSU verherrlichen - und sei insofern eine "Kategorie höher" zu bewerten, als andere rechte Graffiti. "Terrorismus ist schließlich das gezielte Agieren gegen Leib und Leben", erklärt sie.

Köditz hatte bei der Staatsregierung angefragt, ob sich im Freistaat seit dem 1. Dezember 2016 Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten mit Bezug zu rechtsterroristischen Gruppen ereignet haben. Die Antwort fiel kurz aus. Das werde so nicht erfasst, insofern könnten "grundsätzlich keine Aussagen dazu getroffen werden", hieß es. Aus der laufenden Bearbeitung sei aber ein Fall bekannt - das ist die Schmiererei in Bad Schlema.

Ereignet hat sich diese nach Angaben des Innenministeriums am 7.Juni. "Die Anzeige wurde nach einem Hinweis des Ordnungsamtes durch die Polizeidirektion Chemnitz aufgenommen und ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Sachbeschädigung eingeleitet", erklärt Sprecher Alexander Bertram. Ein Tatverdächtiger konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Wie aus dem Ordnungsamt von Bad Schlema zu erfahren ist, hinterließen die Täter damals nicht nur den NSU-Schriftzug im Kurpark. Auf Gehwegen und Infotafeln wurden auch die Worte Konzentrationslager, "I love NS", "Against Muslims" und "88 Crew" gekritzelt. Die Zahl 88 wird unter Neonazis als getarnter Hitlergruß verwendet. Sie steht für "HH" und soll "Heil Hitler" bedeuten. Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) verurteilt die Schmierereien: "Solche Parolen sind kein Spaß", sagt er. Die Sprüche würden dem Ruf des Kurortes schaden. "Das ist kein gutes Aushängeschild für den Tourismus."

Graffiti mit rechtsextremem Inhalt tauchen immer wieder in der Region auf - nicht nur in Schlema, aber eben auch dort. Laut Müller gab es im Zusammenhang mit der Asyldebatte ein Hoch solcher Schriften. "Inzwischen hat sich die Lage jedoch beruhigt", sagt er.

Dennoch zeigen sich ab und zu neue Schmierereien, wie jetzt an einer kleinen Gasstation an der Rathausstraße in Bad Schlema. Mit einer Spraydose malten Unbekannte die Zahl 88 und die Zeichen "I", ein Herz sowie "NS" an die Fassade. Die Polizei hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Wie ein Sprecher erklärt, lassen die gesprühten Symbole auf eine politische Motivation schließen. Die Gemeindeverwaltung sei gebeten worden, die Schmierereien zu beseitigen. Bürgermeister Müller: "Das werden wir zügig machen."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...