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Eine solche Anonymous-Maske hat der Täter beim Überfall getragen.

Foto: Marc Tirl

Tankstellen-Räuber muss vier Jahre in Haft

Im vergangenen Jahr hatte ein 26-Jähriger mit einem Baseballschläger die Star-Tankstelle in Schwarzenberg überfallen. Nun ist der Mann dafür verurteilt worden - und er erhält die Chance, seiner Sucht zu entkommen.

Von Thomas Liersch
erschienen am 16.05.2018

Chemnitz/Schwarzenberg. Innerhalb von nur drei Minuten hatte sich der Überfall abgespielt: Der 26-jährige Hartz-IV-Empfänger René M. aus Schwarzenberg betritt am 8. Dezember 2017 um 20.17 Uhr die Star-Tankstelle in Sonnenleithe. Mit einer Anonymous-Maske im Gesicht und einem Baseballschläger in der Hand fordert er den Verkäufer auf, die Kasse zu öffnen: "Geld her! Geld raus! Auf!" Der Verkäufer erwidert: "Lass den Scherz." Daraufhin hebt der Täter den Baseballschläger zur Drohung und sagt erneut: "Geld her!" Diesmal öffnet der Tankwart die Kasse. Der Mann mit der Maske greift hinein und verschwindet um 20.20 Uhr mit den 280 Euro Beute.

Der Prozess vorm Landgericht in Chemnitz endete für René M. in der vergangenen Woche mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen schweren Raubes. Schon am Abend nach der Tat war er von der Polizei gefasst worden, in seiner Wohnung fanden sich Baseballschläger und Maske. Er gestand die Tat. Seitdem saß er in Untersuchungshaft.

Warum er das gemacht habe, wollte Richter Kay-Uwe Sander vom Angeklagten wissen, nachdem dieser das Verbrechen zu Prozessbeginn erneut eingeräumt hatte. Der junge Mann - mit Dreitagebart im Gesicht, blauem T-Shirt und Jogginghose am Körper - antwortete kurz: "Geldnot und Übermut vom Alkohol." Der Angeklagte sprach von fünf bis sechs Bier, einer halben Flasche Whisky, noch etwas Schnaps. Er sei den Alkohol nach längerer Abstinenz auch nicht mehr gewohnt gewesen. Kurzum: Er wäre zur Tatzeit stark alkoholisiert gewesen.

Richter Sander bezweifelte diese Darstellung, vermutete eine bewusste Übertreibung des Angeklagten. Zwei Atemtests am Tatabend zufolge musste der Angeklagte während der Tat etwa 1,4 Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Der Trinkliste des jungen Mannes nach wäre sein Pegel aber höher gewesen.

Nach seiner Darstellung jedenfalls hat René M., vom lange gemiedenen Alkohol ermutigt, erst 15 Minuten vor der Tat spontan beschlossen, die Tankstelle zu überfallen. Zur Beute sagte der 26-Jährige aus, er habe das Geld auf der Flucht versteckt, aber nicht wiedergefunden. Maske und Schläger habe er aus Zeitgründen nicht mehr verstecken können.

Alkohol und Drogen, das berichtete der vom Gericht hinzugezogene psychiatrische Gutachter, haben das Leben des Angeklagten schon früh und fast unterbrechungsfrei bestimmt. Schon sein Vater hatte getrunken und die Mutter geschlagen - als sie sich trennten, war René M. sechs Jahre alt. In der Folge kam er ins Heim. Mit 13 trank er schon vier bis fünf Flaschen Bier am Tag, bald nahm er Crystal. Schließlich beging er Straftaten. Acht Vorstrafen sind dokumentiert, unter anderem wegen eines früheren Raubes. Einmal saß René M. schon im Gefängnis. Eine Ausbildung hat er nie abgeschlossen. Mehrere Sucht-Entgiftungen scheiterten. Die Hartz-IV-Leistungen waren ihm wegen Fehlverhaltens vor dem Tankstellen-Überfall gekürzt worden. Der Gutachter kam zum Schluss, dass der Alkoholpegel zur Tatzeit die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten nicht ausgehoben haben kann, und stellte volle Schuldfähigkeit fest. Er schlug eine zweijährige Entziehung in Haft vor.

Zur Einschätzung des Gutachters passte der Zeugenbericht des 49-jährigen Tankwarts René Mehlhorn: Er hatte keine Anzeichen bemerkt, dass der Täter damals betrunken war. Als der Angeklagte sich vor Gericht bei Mehlhorn entschuldigte, erwiderte der: "Ich nehme die Entschuldigung an, aber das kriegt man nicht einfach aus dem Kopf." Mehlhorn hatte geschildert, dass er während des Überfalls Todesangst litt.

Die Staatsanwaltschaft forderte fünf Jahre Haft, also die Mindeststrafe für schweren Raub. Um einen minderschweren Fall handele es sich nicht. Das sah der Verteidiger, Rechtsanwalt Oliver Ternick, anders, der unter anderem noch einmal auf Spontanität der Tat, den Alkoholeinfluss und vor allem auf das Geständnis hinwies.

Am Ende hätten die mildernden Umstände überwogen - wegen des Alkohols, der geringen Beute und weil keine Schusswaffe im Spiel war, erklärte Richter Sander die vierjährige Haftstrafe inklusive Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Die Parteien verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist gültig.

 
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