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Tunesier zieht blank: "Wie mit einem Lasso"

In Aue belästigte er eine Frau und beleidigte einen Busfahrer. Fast drei Jahre zog sich das Verfahren hin.

Von Mario Ulbrich
erschienen am 12.01.2018

Aue. Eigentlich sollte der Angeklagte gestern aus der Haftanstalt Berlin-Tegel nach Chemnitz gebracht werden, um sich noch einmal den Vorwürfen aus Aue zu stellen. Er selbst hatte das angestrengt, indem er die Geldstrafe des Amtsgerichts nicht anerkannt hatte. Kurz vor der erneuten Verhandlung am Landgericht überlegte es sich der 31-jährige Tunesier anders und zog seine Berufung zurück. Damit ist das Auer Urteil rechtskräftig: 600 Euro Strafe (60 Tagessätze zu je 10 Euro) wegen Beleidigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Der Vorfall ereignete sich im März 2015, lange vor der Diskussion um das Verhalten von Asylbewerbern und Busfahrern im öffentlichen Nahverkehr, die im Vorjahr im Erzgebirge so emotional geführt wurde. Aber der Fall dürfte einer der Tropfen gewesen sein, die das Fass vor dem Überlaufen aufgefüllt haben. Laut Anklageschrift hatte der Tunesier auf dem Postplatz in Aue zunächst eine Frau belästigt. Er warf ihr unflätige sexuelle Kraftausdrücke an den Kopf. Unter anderem rief er, dass er Analverkehr mit ihr haben werde. Die Frau brachte sich in der Post in Sicherheit.

Kurz darauf wollte der Tunesier in einen Bus steigen. Weil er keinen Fahrschein hatte, wies ihn der Fahrer ab. Auch ihn belegte der Angeklagte daraufhin mit Schimpfworten sexueller Natur. Dann habe er von außen gegen den Bus gespuckt und sein Geschlechtsteil aus der Hose geholt. Damit habe er herumgefuchtelt "wie mit einem Lasso", schrieb die Staatsanwaltschaft. Der Vorfall sorgte für einiges Aufsehen.

Der Tunesier kam bereits vor sieben Jahren als Asylbewerber nach Deutschland. Aus seiner Gerichtsakte geht hervor, dass er seit 2013 wiederholt straffällig wurde. Zunächst fiel er immer wieder mit Verstößen gegen die Aufenthaltsbestimmungen auf. Später kamen kleinere Diebstähle hinzu. Zuletzt war er ohne festen Wohnsitz, weshalb sich auch das Verfahren aus Aue hinzog.

Laut Gericht sitzt der 31-Jährige derzeit in Berlin-Tegel im Gefängnis. Nachdem er eine Geldstrafe in Höhe von 1350 Euro nicht bezahlt hatte, muss er dort die 135 Tagessätze absitzen. Die 60 Tagessätze aus Aue könnten nun noch hinzukommen.

Die Diskussion um Vorkommnisse wie dem auf dem Postplatz entzündete sich im vorigen Jahr, nachdem die Grünen einen latenten Alltagsrassismus im Erzgebirge kritisiert hatten. Busfahrer würden Migranten mitunter ohne Grund abweisen. Daraufhin meldeten sich Fahrgäste und Fahrer zu Wort und beklagten schlechtes und respektloses Benehmen von Migranten.

Nach aktuellen Zahlen der Kreisverwaltung gab es im Vorjahr nur drei derartige Übergriffe, einen auf eine Busfahrerin, zwei auf Fahrer. Die Statistik scheint aber nur bedingt aussagekräftig. Dem Ausraster des Tunesiers folgten damals zwei Strafanträge: Einer kam von der bedrängten Frau, der zweite von einer Mutter, deren Kinder die Entblößung hatten mit ansehen müssen. Der Fahrer erstattete keine Anzeige.

 
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