Begräbnis von Haustieren im Garten ist nicht immer legal

Wohin mit Hund und Katz, nachdem sie gestorben sind? Und wie verhält man sich richtig, wenn man einen Kadaver findet?

Stollberg/Lößnitz.

Eine tote Katze, achtlos abgelegt und nur notdürftig mit Laub bedeckt - dieser Vorfall hat jetzt einen Erzgebirger auf die Palme gebracht. Seiner Meinung nach hat sich hier jemand des Kadavers entledigt. "Das ist pietätlos", sagt der Lößnitzer Züchter Rainer Kristalla. "Außerdem entsorgt man doch nicht einfach ein totes Tier auf einem fremden Grundstück. Wer nicht weiß, was zu tun ist, kann im Ordnungsamt anrufen. Dort wird ihm geholfen."

Frank Rother, stellvertretender Ordnungsamtsleiter in Lößnitz, bestätigt das. "Findet jemand ein totes Tier auf der Straße, schicken wir einen Bauhofmitarbeiter", sagt er. So wird auch im Zwönitztal verfahren, wie Marcel Kis berichtet. Kis ist Leiter des Eigenbetriebes Gornsdorf. Er erinnert sich an einen Fall aus dem vergangenen Frühjahr: "Da hatten wir eine angefahrene Ente, die mehr tot als lebendig war." Mitarbeiter des Bauhofes hatten damals das Tier eingesammelt. Die Ente hat sich schnell berappelt. "Wir haben sie dann zum Tierarzt nach Thalheim geschafft. Von dort ist sie in eine spezielle Aufzuchteinrichtung gekommen", sagt Kis.

Lößnitz und einige andere Kommunen haben für tot aufgefundene Tiere einen Kühlschrank, in dem Kadaver gesammelt werden. Später werden diese vom Zweckverband Tierkörperbeseitigung Sachsen abgeholt. Allerdings gilt dieses Prozedere nur für Kommunalstraßen sowie für gemeindeeigene Grundstücke. Auf Landstraßen kümmern sich die Straßenmeistereien des Erzgebirgskreises. Auf Privatgrund ist der jeweilige Eigentümer verantwortlich.

Für den Bürger, der unverhofft über einen Kadaver stolpert, ist es aber kaum zumutbar, erst einmal den Eigentümer zu ermitteln. Also liegenlassen? Nein, sagt Stefan Pechfelder, Sprecher des Landratsamtes. "Man sollte Funde beim Ordnungsamt der Gemeinde oder der Polizei, im Wald beim Jagdpächter melden, falls man ihn kennt." Nötig ist dies aus hygienischen Gründen. Tierkadaver können laut Veterinäramt Seuchenerreger unter Wild- oder Haustieren verbreiten. Andere Erreger wie Salmonellen seien auch für Menschen gefährlich. Keime behalten zum Teil über sehr lange Zeiträume ihre Ansteckungsfähigkeit.

Stirbt ein Haustier, darf es der Besitzer auf dem eigenen Grundstück begraben. Aber es gelten Einschränkungen: Wasserschutzgebiete sind tabu, die Nähe von öffentlichen Wegen und Plätzen oder zum Grundstück des Nachbarn muss gemieden werden. Außerdem müssen die Tiere mit einer mindestens 50 Zentimeter starken Erdschicht bedeckt sein.

Eine Alternative ist, sich an einen Anbieter von Tierbestattungen zu wenden. Diese stehen mit Tierfriedhöfen in Kontakt oder betreiben eigene Kleintierkrematorien. Eine solche Einrichtung gibt es seit 1994 in Neukirchen. Das Areal ist etwa 1500Quadratmeter groß. Beerdigt sind dort mehrere Hundert Haustiere, darunter Reptilien, Nagetiere, Hunde, Katzen und Vögel. Die Beerdigungen laufen in ähnlicher Weise wie die Bestattungen von Menschen ab. Die Mindestpachtzeit für ein Grab auf dem Tierfriedhof beträgt fünf Jahre. Seit 2010 wird auch die Möglichkeit der Einäscherung angeboten. Seitdem nehmen viele Tierbesitzer die Urnen auch mit nach Hause. Für die Anlage ist das kein Nachteil. Sie wirkt seitdem parkähnlicher.

Ein Grenzfall stellt der Umgang mit toten Hasen dar. Handelt es sich um Heim- oder Gesellschaftstiere, dürfen sie im Garten begraben werden. "Kaninchen oder Hasen, die zur Lebensmittelgewinnung gehalten werden, gelten als Nutztiere und sind über die Tierkörperbeseitigungsanlage zu entsorgen", sagt Stefan Pechfelder. Das trifft für alle Nutztiere zu. Schafe, Ziegen, Schweine - ihre Kadaver gehören ausnahmslos in die Tierkörperbeseitigung.

Der Zweckverband betreibt solch eine Anlage in Priestewitz bei Meißen. Die Kadaver werden zerhäckselt sowie Druck und Hitze ausgesetzt. Der dann sterile Fleischbrei wird getrocknet und gepresst, das Fett herausgelöst. Letzteres wird zu Biodiesel verarbeitet, das Tiermehl in Kraftwerken oder Zementfabriken verbrannt. Rund 30.000 Tonnen Tierkörper verwertet der Verband jährlich. (mit bjost/gudo)

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