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Ralf Müller bring im aktuellen Stück Kölsch auf die Bühne.

Foto: Cristina Zehrfeld

Rheinländer bietet dem Menschenfeind Paroli

Eine in hiesigen Breiten eher exotische Mundart bringt Ralf Müller beim neuen Stück der Gruppe Thea(l)ternativ auf die Bühne. Das Besondere: Weder das Amateurtheater noch der Mime haben viel mit Dialekt am Hut.

Von Cristina Zehrfeld
erschienen am 14.09.2017

Stollberg. Obwohl Ralf Müller seit 1997 in Leukersdorf wohnt, hört man ihm sofort an, dass er nicht von hier stammt. Bevor er in die Heimat seiner Frau zog, lebte er in Leichlingen (Nordrhein-Westfalen). Ein Ort, der mundartlich gesehen ziemlich exakt zwischen Kölsch und Düsseldorfer Platt liegt. Müller selbst hat zwar eine deutliche rheinländische Färbung in der Sprachmelodie, einen ausgeprägten Dialekt spricht er normalerweise aber nicht. Für seine Rolle als Philipp, Kompagnon des Menschenfeindes, hat er sich extra intensiver mit der Mundart seiner Heimat beschäftigt.

Während das Amateurtheater in den Vorjahren Komödienklassiker auf die Bühne gebracht hat, wird diesmal ein bekanntes Stück experimentell umgesetzt: Silke Bauer-Hollenbach und Michael Ö. Arnold haben die 1666 uraufgeführte Komödie "Der Menschenfeind" von Molière umgeschrieben, sodass sie brandaktuell ist. "Außer dem Plot und drei Sätzen ist vom Original nichts erhalten geblieben", so Bauer-Hollenbach. Der modernisierte Inhalt: Albert (Christian Schreier) wird als Inhaber einer Künstleragentur immer wieder mit Möchtegern-Künstlern, eitlen Selbstdarstellern und Emporkömmlingen konfrontiert. Das gibt Ärger, denn wie im Original hat auch der Menschenfeind 2.0 den Anspruch, ohne Heuchelei zu leben. Bauer-Hollenbach: "Wenn ich sehe, wie Leute ohne jegliche Qualität zum Beispiel auf Youtube ein Riesenpublikum haben, dann bekomme ich Angst um unsere Kultur."

Bei Thea(l)ternativ wird hingegen bewusst auf Qualität geachtet. Dazu gehören auch Grundlagen des Theaterspiels wie Sprecherziehung, Rollenfindung oder Entspannungstechniken. Für Ralf Müller war der Qualitätsanspruch ein Grund, 2012 bei der Gruppe einzusteigen. Der gelernte Bankkaufmann hatte damals gerade bei der Chemnitzer Sparkasse aufgehört und stieg als "Mädchen für alles" in die Arztpraxis seiner Frau ein. Seine Vorkenntnisse in Sachen Theater waren überschaubar. "Einmal habe ich im Schultheater in einem pantomimischen Stück mitgespielt." Doch nun suchte er ein Hobby, welches ihn intellektuell anregt und fordert. "Meine Tochter Antonia spielte damals im Musicalteam des Carl-von-Bach-Gymnasiums, dadurch kannte ich Örni. Außerdem wurden gerade männliche Mitspieler gesucht."

In seiner ersten Rolle als Büttel in Heinrich von Kleists "Der zerbrochene Krug" fiel Müller überhaupt nicht als Unhiesiger auf: Er hatte schlicht nichts zu sagen. Seinen ersten Sprechrollen: der Meister Jakob in Moliéres "Die Geizige" und Signor Fortunato in Goldonis "Krach in Chiozza". "Für mich war ein Vorteil, dass wir hier klassische Stücke und nicht Mundart spielen." Dass er für seine Rolle als Philipp nun seine heimatliche Mundart kultiviert, ist für den 51-Jährigen eine Herausforderung. Doch er muss sich nicht als Einziger aus seiner Komfortzone herauswagen. Silke Bauer-Hollenbach: "Anett Oesterreich gibt ein völlig talentfreies Schlagerpüppchen, sodass sie gänzlich gegen ihren Typ spielen muss." Und weil die Rolle des Menschenfeindes einen gesetzten Typ erfordert, hat sich Christian Schreier einen Vollbart stehen lassen.

Der Menschenfeind 2.0 hat am 24. November, 19.30 Uhr im Bürgergarten Stollberg Premiere. Weitere Aufführungen: 25. November, 3. Februar 2018 sowie 17. und 18. März 2018. Karten gibt es ab morgen im Buchladen Claudia Lindner auf der Herrenstraße 18.

 
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