Gleichermaßen Tradition und Moderne verpflichtet

Großolbersdorfer Schnitzer und Klöpplerinnen stellen aus. Die Besucher können sich auf Überraschungen gefasst machen.

GROßOLBERSDORF.

Zur großen Schnitz- und Klöppelausstellung lädt ab morgen der Großolbersdorfer Natur- und Heimatverein in das Gasthaus zur Silberstraße ein. Seit Montag wird dafür der rund 400 Quadratmeter große Saal ausgestaltet.

Den Mittelpunkt bildet ein imposanter und mit kleinen Schnitzereien geschmückter Weihnachtsbaum, den ein sechs mal sechs Meter großes und drei Meter hohes Holzgestell umfasst. "Dort bekommen 18 Deckenleuchter und Spinnen ihren Platz, die uns wie viele andere Exponate auch von den Bürgern des Ortes zur Verfügung gestellt wurden", erklärt Ausstellungsleiter Thomas Stülpner und verweist damit zugleich auf den Charakter der Schau. Mit einem Aufruf hatte sich der stellvertretende Vereinsvorsitzende und Leiter der AG Schnitzen an die Großolbersdorfer gewandt und sie um die guten Stücke aus ihren Wohnstuben gebeten. "Die positive Resonanz hat uns sehr gefreut", sagt Thomas Stülpner, der damit auf die erzgebirgische Tradition in der Gemeinde aufmerksam machen möchte und sich zusätzliche Besucher erhofft. "Allein mit unseren und den Arbeiten der Klöpplerinnen wäre der Saal nicht zu füllen gewesen."

Entsprechend vielseitig präsentiert sich die Ausstellung mit fast 1000 Exponaten und Leihgaben. Von verschiedenen Pyramiden über Schwibbögen, Nussknacker bis hin zu Weihnachtskrippen und drei Heimatbergen erstreckt sich der Reigen. "Darunter gibt es für Besucher auch die eine oder andere Rarität zu entdecken", verweist der 51-Jährige auf einen Deckenleuchter, den Christfried Borowski extra für die Ausstellung restauriert hat. "Das gute Stück ist 130 Jahre alt, stammt noch von meinem Urgroßvater und wurde damals mit einem Uhrwerk vom Fußboden aus in Bewegung gesetzt", berichtet der Großolbersdorfer. Heute dreht ein kleiner Elektromotor die schwebenden Engel unter dem filigran geschnitzten Stern. Ihr gegenüber präsentiert sich majestätisch ein großer Schwibbogen, in dem sich eine Pyramide dreht und auf vier Etagen die Geschichte des Bergbaus und der Waldarbeiter im Erzgebirge erzählt. Die lindenhölzerne Arbeit stammt von Schnitzer Jürgen Haase und entstand im Jahr 2015.

"Wir wollen Vielfalt von gestern und heute zeigen", konstatiert Thomas Stülpner und meint damit nicht zwingend nur erzgebirgische Motive. Mit sechs Aktschnitzereien verlässt er selbst das Klischee typischer Nussknacker- und Bergmannsfiguren, und auch die modernen Klöppelarbeiten und Stickereien haben nichts mit Großmutters Paradedeckchen auf dem Sofa gemein. Auf rund 30 Helfer und die finanzielle Unterstützung der Gemeinde können die Großolbersdorfer Schnitzer und Klöpplerinnen bauen, lange Öffnungszeiten betreuen und die Saalmiete bestreiten. Für Heizung und Strom muss der Heimatverein selbst aufkommen.

Die Schnitz- und Klöppelausstellung im Gasthaus zur Silberstraße, Am Rathaus 1, in Großolbersdorf ist bis zum 28. Januar Montag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr und an den Wochenenden in der Zeit von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, Kinder zahlen die Hälfte.


Leihgaben für die Ausstellungen stammen aus dem Ort

1924 wurde der Schnitz- und Krippenverein Großolbersdorf gegründet. Seine erste Ausstellung organisierte er Ende der 1930er-Jahre im Saal des Erbgerichts.

1949 wurden die Schnitzer als Arbeitsgruppe in den Kulturbund der DDR übernommen.

1990 und 1994 erfreuten sich eigene Ausstellungen im heutigen Gasthaus zur Silberstraße regen Zuspruchs.

2007 stellten die Großolbersdorfer Schnitzer und Klöpplerinnen in der Mittelschule aus.

2013 wurde das Konzept einer gemeinsamen Ausstellung mit Leihgaben aus dem Ort geboren und von den Besuchern gut angenommen.

In der AG Schnitzen des Großolbersdorfer Natur- und Heimatvereins sind derzeit zwölf Schnitzer organisiert. Unter der Leitung von Frank Baldauf lernen sechs Jungen im Alter zwischen acht und elf Jahren die erzgebirgische Tradition.

Ingeborg Weber leitet die AG Klöppeln und hat derzeit sieben Frauen an ihrer Seite. Auch in der AG gibt es eine Kindergruppe, in der sechs Mädchen von Ina Kunze betreut werden. Während der Schnitz- und Klöppelschau findet ihre Klöppelstunde montags ab 14 Uhr in der Ausstellung statt.

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