"Wanderzirkus" zieht wieder los: Saisonstart im Jerichower Land

Ohne sie würde sich kein Rad drehen oder zumindest nicht lange. Im Endurosport geht ohne Helfer nichts. Bei der Zschopauer Sturm-Truppe, seit Jahren das größte Privatteam Deutschlands, sind Enthusiasten am Werk.

Zschopau.

Unser "Wanderzirkus" zieht wieder los, sagt Harald Sturm. Mit Sack und Pack, verstaut in drei Transportern, macht sich das Enduro-Team des Altmeisters auf ins Jerichower Land. Schließlich rückt die Truppe aus dem Erzgebirge zur Geländefahrt in Tucheim, wo morgen der Startschuss zur Deutschen Meisterschaft fällt, wieder mit einer stattlichen Streitmacht an. Mit insgesamt 25 Startern ist Sturm-Zschopau wie in den Vorjahren das größte Privatteam. Und das braucht Platz.

Um ausreichend Fläche zu sichern und das "Sturm-Gebiet" im Fahrerlager abzustecken, traf Dieter Fröhner schon gestern in Tucheim ein. "Ich bin fast immer der Erste", sagt der Hennersdorfer, der seit Ende der 1990er-Jahre dabei ist und damit die meisten "Dienstjahre" als Helfer auf dem Buckel hat. "Grellmann, Heydenreich, Frohs", zählt er einige der Haudegen aus den ersten Teamjahren auf. "Die jüngeren Fahrer von heute waren damals noch Quark im Schaufenster", sagt der 63-Jährige.

Zusammen mit dem Heizungsbauer und Gas-Wasser-Installateur aus dem Augustusburger Ortsteil bilden laut Sturm "etwa zehn Leute" den harten Kern des Betreuer-Stammes. Matthias Lehmberg aus Zschopau gehört dazu, der Wünschendorfer Romeo Schubert oder auch Uwe Schubert. Der Motoren-Fuchs aus Hopfgarten war noch Mechaniker in der MZ-Sportabteilung und ist heute Werkstattmeister in Sturms Motorradgeschäft. Nicht wegzudenken sei auch Jens Horn. Der 53-jährige aus Grießbach sei als Teammanager die "gute Seele" der Truppe. "Alles Enthusiasten, ohne die das alles nicht möglich wäre", betont der Chef. Dazu kämen jedes Mal noch etliche Helfer, die aus den Familien und Freunden der Fahrer rekrutiert und in die Betreuung im Fahrerlager, an den Zeitkontrollen und Prüfungen sowie wichtigen Streckenpunkten eingebunden werden.

"Wenn dann heute nach und nach die Fahrer eintreffen, heißt es Nerven und Überblick behalten", sagt Dieter Fröhner. Und das gelte nicht nur für das Zurechtstellen von über 50 Benzinkanistern zum Nachtanken während des Rennens. Das ist übrigens der einzige Service, den Betreuer an den Motorrädern erledigen dürfen. Alle anderen Arbeiten an der Maschine muss der Fahrer selbst ausführen. Lediglich das Reichen von Werkzeug und Ersatzteilen ist gestattet. Zu tun ist trotzdem noch genug: Brillen putzen, Handschuhe tauschen, Jacken und Gürteltaschen aufbewahren, Verpflegung absichern, auf Zeiten achten, Spuren zeigen. Und eingepackt werden muss das Equipment ja auch wieder. Fröhner: "Manchmal frage ich mich schon, warum ich mir das in meiner Freizeit antue. Es macht einfach Spaß!"


Weltmeisterin mit Babypause

Mit Maria Franke (27) haben die Zschopauer eine amtierende Enduro-Weltmeisterin im Team. In der aktuellen DM-Starterliste taucht sie nicht auf.

Freie Presse: Sie schauen Mutterfreuden entgegen?

Maria Franke: Genau. Deshalb lasse ich die Saison aus.

Die Fans werden die Weltmeisterin vermissen. Wie ist Ihre Gefühlslage?

Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden und finde es nicht schlimm, diese Saison nicht zu fahren. Ich werde auf jeden Fall wieder fahren. Ob wieder in der WM, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.


Mit sechs Pavillons, 14 Motorradständern und zwei Verpflegungskisten quer durch Deutschland

Drei Transportfahrzeuge sind erforderlich, um das Equipment des Enduro-Teams Sturm Zschopau zu befördern. Zur Ausrüstung gehören u. a.:

- 4 Pavillons (6 x 3 Meter)

- 2 Pavillons (3 x 3 Meter)

- 2 Bierzeltgarnituren

- 2 Tische, 5 Stühle

- 12 Auslegematten (3 x 3 Meter)

- 4 Servicekisten (Öl, Pflegespray u.a.)

- 14 Motorradständer

- mehrere Kisten mit Ersatzteilen

- eingebaute Schränke für Kleinteile

- 2 Heizgeräte, 2 Gasflaschen

- 1 Notstromaggregat

- 1 Kiste mit Kabeltrommeln, Verteilerdosen und Lampen

- 1 Kiste mit Spanngurten zum Sichern der Pavillons

- 2 Kisten mit Laptop, Drucker, Kopierer, Etikettendrucker, Ersatzpatrone

- 2 Kisten mit Verpflegung (Äpfel, Bananen, Kekse, Riegel, Wurst, Butter, Brötchen, Kaffee, Tee)

25 Fahrer gehören in dieser Saison zum Team. Sieben Fahrer starten in der Deutschen Meisterschaft, sechs im Pokal, drei im Junioren-Pokal und sieben bei den Senioren. Im Damencup sind zwei Fahrerinnen am Start.

Insgesamt rund 2600 Kilometer muss der Team-Tross zu den acht Läufen der Deutschen Meisterschaft zurücklegen. Für den Enduro-Cup sind es sogar über 4000 Kilometer. Allein nach Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein) und Kempenich (Rheinland-Pfalz), wo es nur um Pokal-Punkte geht, sind es hin und zurück zusammen ungefähr 2000 Kilometer.

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