Hauptsache, Toni geht es gut

Die Spendenaktion der "Freien Presse" geht in eine neue Runde. Menschen aus Leubsdorf und Milkau, die Hilfe brauchen, hoffen auf Ihre Unterstützung. Das sind ihre Geschichten.

Leubsdorf.

Wie es ihm geht? Toni Puschke muss nicht lange überlegen: "Mir geht es gut, ich bin zufrieden", sagt der junge Mann aus Leubsdorf. Toni ist 20 Jahre alt. Er hat ein schönes Zuhause. Er hat eine Familie und Freunde. Er hat einen Traum. Warum sollte es ihm also nicht gut gehen. Warum sollte er denn nicht zufrieden sein?

Vielleicht, weil er im Rollstuhl sitzt, seine Beine und den rechten Arm kaum bewegen kann. Weil er nicht tanzen und springen kann und weil er im Alltag fortlaufend auf Hilfe angewiesen ist. Das wären doch genügend Gründe zu klagen und zu verzagen. Nicht für Toni. Er meistert sein Schicksal mit Mut und Ehrgeiz. Und natürlich mit viel Unterstützung. Toni Puschke ist durch eine Hirnblutung bei der Geburt spastisch gelähmt. Therapien und Training begleiten ihn seit frühester Kindheit. Er musste mehrfach operiert werden. Toni hat an der Körperbehindertenschule in Chemnitz die neunte Klasse absolviert, seit September vorigen Jahres arbeitet er in der "Glück auf"-Werkstatt der Lebenshilfe in Oederan.

Toni lebt mit seinen Eltern im Haus der Großeltern. Das Erdgeschoss im Haus wurde für ihn umgebaut. Er kann sich zwischen Schlaf- und Wohnzimmer und dem Bad selbstständig bewegen. Türöffner und Rampen ebnen den Weg nach draußen. Dort kann Toni in seinen Elektrorollstuhl oder in den Scooter umsteigen. Er ist damit mobil und kann die etwa sechs Kilometer nach Grünberg rollen.

Zweimal pro Woche wird dort für zwei, drei Stunden sein großer Traum Wirklichkeit: Toni hilft auf dem Bauernhof der Familie Schönherr. Daheim in Leubsdorf hat Toni 20 Hühner, vier Schafe und vier Kaninchen, um die er sich kümmert. Das ist sein kleiner Landwirtschaftsbetrieb. Ein Kompromiss, sagt Tonis Vater Rudi Puschke (70). Die Großeltern wollten eigentlich keine Tiere, sagt Rudi Puschke. Toni wollte sie unbedingt. "Ich habe das unterstützt", sagt Rudi Puschke. Der Familienfrieden stand auf der Kippe. Am Ende gab es den Kompromiss, der auch besagt, dass sich Toni, so weit es geht, selbst um seine Tiere kümmert und dass er alle Kosten trägt. Also verkauft er die Eier, die Kaninchen und das Fleisch der Schafe. Und wie ist die Bilanz? "Geht schon", sagt Toni. Geht schon heißt, dass unterm Strich ein kleiner Gewinn übrig bleibt. Rudi Puschke beklagt schmunzelnd, dass er Mühe habe, mal ein Ei oder ein Stück Fleisch vom Schaf abzustauben.

Rudi Puschke ist Rentner, er hatte früher den "Landsknecht" in Augustusburg gepachtet. Tonis Mutter Janett Puschke arbeitet in der Gastronomie. Große Sprünge lassen die Rente von rund 600 Euro und Janett Puschkes Mindestlohn-Einkommen nicht zu. Das ist jedoch kein Grund zur Klage: "Wir kommen zurecht", sagt Rudi Puschke.

Natürlich gibt es Wünsche. Zum Beispiel eine Einstiegshilfe ins Auto für Toni. Der VW Caddy von Familie Puschke ist zehn Jahre alt. Ein Standardmodell. Toni muss mit einem Kraftakt auf den Beifahrersitz gehoben werden: Rudi Puschke zieht seinen Sohn aus dem Rollstuhl hoch, lässt ihn seitlich auf die Sitzkante gleiten, hebt ihn mit einem Ruck auf den Sitz und dreht die Beine hinein in den Wagen. Das ist mühsam, Toni wiegt rund 80 Kilogramm. Rudi Puschkes Hüften sind kaputt, im Januar muss er zur Operation. Vielleicht ließe sich der Caddy nachrüsten, vielleicht sogar ein neues umgebautes Auto finanzieren. Toni würde dann sicher häufiger mit dem Auto mitfahren können, was ihm ein Stück mehr Mobilität bescheren würde. Rudi Puschke sagt: "Hauptsache Toni geht es gut." Das ist sozusagen der Leitsatz seines Lebens. Rudi Puschke sagt, dass Toni viel Hilfe von Nachbarn und Freunden erfährt. Das sei unverzichtbar und dafür ist er sehr dankbar.

Auch deshalb ist Leubsdorf Tonis Zuhause. Bevor er die Ausbildungsstelle in Oederan bekam, war er ein Jahr lang in Dresden. Er sollte dort einen Büro-Job lernen. Das Berufsbildungswerk sei eine tolle Einrichtung. "Alles vom Feinsten", sagt Rudi Puschke. Aber Toni hat gelitten. Er mag keine Büro-Jobs und er mag keine Städte. Die Rückkehr nach Leubsdorf nach dem Probejahr war für Toni Puschke eine Erlösung.

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