"Immer alles gut gestimmt"

Kantor Christian Liebscher über die morgen beginnenden Mittagskonzerte donnerstags in der Oederaner Stadtkirche

Oederan.

Seit 1993 erklingt in jedem Sommer in Oederan Orgelmusik zur Mittagszeit. Die Idee dazu hatte Christian Liebscher. Warum er Orgeln so liebt, verriet der Kantor im Gespräch mit Ingolf Rosendahl.

Freie Presse: Sie wurden mit dem Satz zitiert, Orgelmusik sei eine Nische. Wollten Sie nur kokettieren?

Christian Liebscher: Ich meinte damit nicht Orgelmusik allgemein, sondern nur die Besonderheit, mitten in der Woche zu spielen und damit aus dem Alltag auszusteigen.

Mozart nannte die Orgel den König aller Instrumente. Teilen Sie diese Ansicht, und - wenn ja - warum?

Auf alle Fälle. Das ist nach wie vor so. Weil die Orgel in ihren Klangmöglichkeiten so vielseitig ist.

Was ist das Typische der Silbermann-Orgel in der Stadtkirche Oederan?

Das kann man allgemein auf die Silbermann-Orgeln beziehen. Sie haben einen schönen, klaren Klang, brillieren in den Höhen. Und die tiefen Töne sind sehr schön warm und rund. Es ist immer alles gut gestimmt.

Hat die Orgel in Oederan darüber hinaus noch eine Spezifik?

Das wäre jetzt zu viel gesagt. Es gibt noch andere tolle Orgeln von Gottfried Silbermann.

Wann haben Sie dieses Ins- trument zum ersten Mal gespielt?

Als ich mich hier in Oederan be-worben habe. Das war im März 1985.

Wie war Ihr erster Eindruck?

Die Orgel war damals noch nicht restauriert und längst nicht in dem schönen Zustand wie heute. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass daraus etwas zu machen ist.

Hand aufs Herz: Ist diese Orgel schimmelfrei?

Auf alle Fälle. Bei der Innenrenovierung der Kirche 2008 wurde wegen der langen Bauzeit Schimmel in der Orgel festgestellt. Aber das ist behoben worden. Da ist nichts wieder aufgetreten.

Wie viel Improvisation steckt in Ihrem Spiel?

Keine, wenn ich ein Konzert spiele. Da kommen die Noten aufs Pult, und ich spiele das so schön, wie es sich der Komponist ausgedacht hat. Anders ist es im Gottesdienst, zum Beispiel bei Liedbegleitungen. Da kann ich improvisieren.

Wie erklären Sie sich den Zuspruch zur Reihe der Orgelmusik zur Mittagszeit?

Die Besucher warten schon darauf, weil es in der Woche etwas Außergewöhnliches ist.

Wie viel Stammpublikum haben Sie und wie viel "Laufkundschaft"?

Das ist unterschiedlich. Es kommen im Schnitt immer so 20 bis 30 Leute. Ich würde mich freuen, wenn es auch in diesem Jahr wieder so klappen würde.

Nach welchen Kriterien wer- den die Gastorganisten ausgesucht?

Sie müssen die alte Orgel mögen und freie Kapazitäten haben.

Auf wen freuen Sie sich besonders?

Auf alle drei. Ulrike Schubert war schon mehrfach hier. Schön ist, dass die Kollegen ein anderes Repertoire als ich haben.

Welche Werke werden zu hören sein?

Von den Kollegen weiß ich es noch nicht. Ich spiele Werke aus dem 17. bis zum 20. Jahrhundert, alles was auf dieser Orgel gut geht, darunter Bach, Mendelssohn und Buxtehude. Orgelmusik zur Mittagszeit erklingt in der Stadtkirche Oederan, ab sofort immer donnerstags, jeweils 12 bis 12.30 Uhr . Als Gastorganisten nehmen Pascal Kaufmann, Ulrike Schubert und Yohan Chung teil. Die Konzertreihe endet am 27. September.


Zur Person

Christian Liebscher ist gebürtiger Freiberger und langjähriger Kantor der Oederaner Stadtkirche. Nach seinem Studium war er zunächst in Mildenau tätig, später sieben Jahre lang in Klingenthal. 1985 bewarb er sich schließlich in Oederan, mit Erfolg.

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