Advent in der Kinderpsychiatrie: Hoffnung auf Beständigkeit

Patienten und Mitarbeiter der Mittweidaer Klinik haben gestern hochwertiges Kunsthandwerk präsentiert. Aber wie steht es um die Zukunft des Hauses?

Mittweida.

Jetzt aber schnell. Wer an diesem Mittwochnachmittag auf eine gute Sicht auf die singenden Schützlinge der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) in Mittweida hofft, muss sich sputen. Denn die Besucher sind zahlreich, es ist kaum noch Platz im Foyer.

Doch wo jetzt festliche Stimmung herrscht, regierte vor rund einem Jahr wegen Medizinermangels die Angst um den Erhalt der Klinik. Lange war auch die Chefarztstelle unbesetzt. Auf der Treppe hinauf in den ersten Stock stehen wie auf einer Bühne die Patienten, die ganz kleinen vorn. Barbara Freudenthal, seit Mitte des Jahres die neue Chefärztin, eröffnet den Nachmittag und damit auch das Adventssingen der Kinder und Jugendlichen.

Aktuell sei die Klinik "aufgrund der großen Nachfrage voll ausgelastet", ließ Freudenthal in dieser Woche der "Freien Presse" auf Anfrage mitteilen. Am Mittwochnachmittag nun singen Patienten und Gäste - nach Einschätzung der Chefärztin vorrangig Verwandte der Patienten - gemeinsam Weihnachtslieder. Auch viele Mitarbeiter des Hauses sind Freudenthal zufolge extra gekommen. "Hoffnung und Beständigkeit" hallt es durch den Raum. Weihnachtsdeko schmückt die Wände und die Fangnetze über den Besucherköpfen. Ein Sketch sorgt für Lacher: Loriots "Weihnachten bei den Hoppenstedts" mit einem sehr überzeugenden Opa und dem berühmten Satz "Früher war mehr Lametta".

Vollstationär werden laut Freudenthal rund 300 Kinder und Jugendliche jährlich in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters im Krankenhaus Mittweida behandelt, in der zugehörigen Tagesklinik in Riesa etwa 60. Der Geschäftsführer der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH (LMK), Florian Claus, ist an diesem Nachmittag nicht zugegen. Er lässt aber ausrichten, "dass die LMK einen Versorgungsauftrag für die beiden Standorte hat, und dieser soll auch in den kommenden Jahren erfüllt werden." Die Kreisbehörde schließt sich der eher unkonkreten Aussage an. Zu den Mitarbeiterzahlen äußerte sich die LMK-Pressestelle auf eine am Dienstag gestellte Anfrage nicht.

Klar hingegen ist: In dem Weihnachtsbasar, den die Patienten und Mitarbeiter nach dem Kulturprogramm präsentieren, steckt eine Menge Arbeit der KJP-Mitarbeiter, wie Freudenthal sagt. "Auch die Patienten haben sehr viel Leidenschaft in den Basar gesteckt", ergänzt Psychologin Jana Hädicke. "Die Mädels haben unglaublich viel gestricklieselt", bestätigt Bernd Pollähne, Ehemann einer Mitarbeiterin. Er führt Gästen die kunsthandwerklichen Kleinode des Basars vor - von selbst gemachten Pralinen über Christbaumschmuck bis hin zu papiernen Geschenkverpackungen mit filigranen Mustern. Letztere haben es drei kleinen Patienten im Kita-Alter besonders angetan. Die Produkte sind Geschenke an die Gäste - über Spenden freut sich der Verein zur Förderung Kranker und Behinderter, der Förderverein der Klinik, der hier ebenfalls einen Stand hat. "Mit dem Geld könnten wir etwa neue Bücher für die Bibliothek anschaffen oder einen Ausflug mit den Patienten bezahlen", sagt Vereinsvorsitzende Silke Wachler, während eine Etage darüber Gäste durch die Räume geführt werden. Im Verein und in der Belegschaft des Hauses schaue man "guter Dinge ins neue Jahr".

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