Kanuten beziehen ihr Haus auf Pfählen

Das neue Domizil in der Frankenberger Zschopauaue steht nun endlich. Im Frühjahr wollen die Sportler einziehen. Doch nicht alles lief beim Bau des ungewöhnlichen Gebäudes glatt.

Frankenberg.

Fast 16 Jahre lang mussten sich die Mitglieder des SV Turbine Frankenberg mit Containern begnügen. Darin waren nicht nur die Kanus untergestellt, sondern auch die Vereinsräumlichkeiten. 2002 hatte die Flut ihr eigentliches Domizil in der Zschopauaue zerstört. "Alles ist besser als dieser Zustand", sagt Vorsitzender und Trainer Frank Lippmann. Denn für die derzeit 31 Mitglieder verbessert sich im Frühjahr die Situation wesentlich: Dann wollen sie ihr neues Haus auf Pfählen beziehen.

"Die alten Container sind schon ausgeräumt, die Sachen schon in die neue Unterkunft gestellt. Wir müssen aber noch einräumen, wissen noch gar nicht, wo wir was hinstellen", berichtet Lippmann. Dennoch ist er froh, dass das neue Domizil endlich fertig ist. Lange haben die Kanuten darauf gewartet. Erst 2015 war die Instandsetzung des Vereinsheims finanziell der Sanierung der Treppenanlage zum Schloss Sachsenburg zum Opfer gefallen.

Im Frühjahr 2017 war dann aber endlich Baubeginn. Doch auch dabei lief nicht alles glatt. "Die geschätzten Kosten lagen bei 280.000 Euro", erklärt Frankenbergs Bauamtsleiter Michael Thiel. Tatsächlich werden es aber wohl 335.000 Euro werden. Auch das Bauende, das eigentlich für Herbst vergangenen Jahres vorgesehen war, hat sich bis in den Winter verschoben.

Was war passiert? "Es gab Änderungen an der Statik", erklärt Thiel. So habe der Prüfstatiker eine andere Holzqualität für das Tragwerk gefordert. "Das hat gleich mal 8500 Euro mehr gekostet, ganz abgesehen von längeren Lieferzeiten", so Thiel. Hinzu kämen weitere "Kleinigkeiten", die sich aber letztendlich summiert hätten. "So wurde zum Beispiel vergessen, einige Leistungen ausszuschreiben", sagt Thiel. Als Beispiel nennt er die Beschichtung der Holzbauteile im Außenbereich. "Das kann schon mal passieren, kostet dann aber auch 3000 bis 4000 Euro zusätzlich", erklärt der Bauamtsleiter. Und schließlich habe der Bauüberwacher dem Zimmermann die falsche Wandstärke bestätigt. Folge: Die gelieferten Türen haben nicht gepasst. So seien die Kosten zwar um mehr als 50.000 Euro gestiegen, die Fördermittel mit 253.000 Euro aber gleich geblieben. "Wir werden als Stadt jetzt prüfen, ob wir Ansprüche geltend machen können gegenüber den Verursachern", erklärt Thiel. Dafür müssen allerdings erst alle Schlussrechnungen vorliegen.

Nichtsdestotrotz entspricht das neue Domizil den Wünschen der Sportler. "Es sieht gut aus", sagt Lippmann. Das Gebäude in Holzrahmenbauweise steht auf Pfählen, um es vor Hochwasser zu schützen. Vorgelagert ist eine Terrasse. Zudem gibt es eine Rampe für den Transport der Boote. Platz ist jetzt für 25 Kanus. Umkleidemöglichkeiten sowie Duschen sind ebenfalls vorhanden. Das Rollsystem für die Lagerung der Boote wurde so gestaltet, dass Platz für einen Versammlungsraum geschaffen werden kann.

Noch nicht ganz fertig sind die Außenanlagen - ein Grund laut Thiel, warum die Kanuten noch nicht eingezogen sind. "Der Weg muss noch hergerichtet werden. Dafür müssen aber erst die alten Container weg und der Platz abgetrocknet sein." Ein weiterer Grund: Der Verein soll ein paar Nebenkosten, zum Beispiel fürs Heizen, sparen. "Deshalb gibt es noch keinen Mietvertrag", so Thiel. Die offizielle Übergabe sei für das Frühjahr geplant. Aber der Verein hat sowieso noch mit dem Einrichten zu tun. "Am 16. März geht die Saison erst wieder los", berichtet Lippmann. "Derzeit sind wir mittwochs zum Krafttraining in der Turnhalle des Frankenberger Gymnasiums und alle 14 Tage im Lehrschwimmbecken im Sportforum an der Pflaumenallee in Hainichen zum Kenterrollentraining", erklärt er.

Wenn die Kanuten dann im Frühjahr ins neue Heim ziehen, können sie sich nicht nur über die verbesserten Bedingungen freuen. "Wir haben eine Spendenaktion für einen neuen Bootsanhänger gestartet und das Geld fast zusammen", verrät der Vereinsvorsitzende.

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