Notunterkunft in Kaserne: 300 Betten und zehn Toiletten

Das winterfeste Zelt für Flüchtlinge in der Frankenberger Kaserne ist bezugsfertig. "Freie Presse" hat sich umgeschaut.

Frankenberg.

Wer den Arm zur Seite ausstreckt, dessen Hand berührt das Bett des Nachbarn. Etwa 50 Zentimeter, dann endet die Privatsphäre. Dicht an dicht stehen die neuen Feldbetten in der Notunterkunft für Flüchtlinge, die auf dem Gelände der Kaserne in Frankenberg aufgebaut wurden. Das winterfeste Zelt soll 300 Männern und Frauen Obdach bieten. Wann die ersten einziehen, ist laut Ingolf Ulrich, Pressesprecher der Landesdirektion Sachsen, noch unklar. "Das hängt unter anderem davon ab, wie viele Flüchtlinge in den nächsten Tagen in Bayern ankommen und weiterverteilt werden." Die "Freie Presse" hat die Unterkunft gestern vorher besucht:

Die Essensausgabe: Am südlichen Ende der offenen Fahrzeughalle auf dem Kasernengelände, unter der die Zeltunterkunft aufgebaut wurde, ist der Bereich für die Essensausgabe eingerichtet worden. Die Mahlzeiten, die die Flüchtlinge erhalten, werden in Assietten geliefert und von den Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das die Flüchtlingsunterkunft betreiben wird, ausgeteilt. Ein Raumcontainer, der im Zelt steht, dient dabei als Essensausgabe. Direkt daneben steht ein weiterer Container. Darin befinden sich Waschmaschinen, mit denen die Flüchtlinge ihre Kleidung waschen können. Auf der gegenüberliegenden Seite stehen Bierbänke und Tische. Dort kann gegessen werden.

Der Aufenthaltsraum: Auch im Aufenthaltsraum, der sich an die Essensausgabe anschließt, kann gegessen werden. Dort stehen weitere Tische und Bierbänke. "Hier können die Flüchtlinge sich tagsüber aufhalten, hier kann die Kinderbetreuung stattfinden und man kann sich zu ersten Deutschkursen zusammensetzen", erklärt René Illig vom DRK-Kreisverband Döbeln-Hainichen, in dessen Verantwortung die Unterkunft liegt. Zudem wurde in diesem Teil des Zeltes der sogenannte Med-Punkt aufgebaut. Das ist ein Container, in dem die medizinische Versorgung der Flüchtlinge durch Sanitäter des DRK gewährleistet wird. "Mehrere Ärzte aus Frankenberg haben sich auch bereit erklärt, Sprechzeiten anzubieten", so Illig. Bezahlt wird das vom Freistaat. In einem anderen Container wurde ein Büro eingerichtet. Hier sollen die Flüchtlinge registriert werden. Sie erhalten eine Identitätskarte, auf der Name, Geburtsdatum und Herkunftsland elektronisch gespeichert sind. Außerdem wird auf ihr elektronisch gespeichert, wer wann Essen, Kleidung oder ein Hygienepaket erhalten hat. "So ist genau nachvollziehbar, wer was erhalten hat. Wir können so Konflikten unter den Flüchtlingen vorbeugen", erklärt Kai Kranich, Pressesprecher vom DRK-Landesverband Sachsen.

Der Schlafbereich: In der Zeltunterkunft in Frankenberg gibt es zwei Schlafsäle. In jedem stehen 150 Feldbetten. Sie sind mit einem schwarzen Segeltuch bespannt. Neuankommende Flüchtlinge erhalten eine dünne und eine dicke Decke, ein Kissen sowie Hygieneartikel. Jeder Bereich des Zelts wird mit einem eigenen Heizaggregat beheizt. Laut DRK gilt eine Unterkunft als winterfest, wenn unter dem Dach mindestens 16 Grad erreicht werden. "Wir haben bislang noch keinen Winterbetrieb, daher auch keine Erfahrung. Wir denken, dass wir je nach Witterung eine Temperatur von 22 Grad schaffen können", so DRK-Sprecher Kranich. Wände und Fußboden seien gedämmt. Die Energiekosten trägt der Freistaat.

Der Sanitärbereich: Am nördlichen Ende des Zeltes wurde der Sanitärbereich eingerichtet. Dafür wurden fünf Container aufgebaut. Insgesamt gibt es zehn Toiletten, zehn Pissoirs, zehn Duschen sowie mehrere Waschbecken.


14.700 Betten für Flüchtlinge in ganz Sachsen

In Sachsen gibt es laut der zuständigen Landesdirektion derzeit 39 Erstaufnahmeeinrichtungen. In diesen Unterkünften werden Flüchtlinge untergebracht, die noch nicht als Asylbewerber registriert sind. Insgesamt stehen für diese Menschen derzeit 14.700 Betten bereit.

In der Notunterkunft für Flüchtlinge in Mittweida, der Turnhalle der Hochschule, sind laut Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) derzeit 123 Männer, Frauen und Kinder untergebracht. (fpe)

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1Kommentare
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  • 9
    2
    Soundnichtanders
    30.10.2015

    Ich bin gespannt, wie vielen der "Flüchtlinge" das wieder nicht bequem genug ist.



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