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Cornelia Seidels Augen sind braun und klar. Nichts deutet darauf hin, dass die Milkauerin blind ist.

Foto: Mario Hoesel

"Dass beide Augen betroffen sind, ist sehr ungewöhnlich"

Neurochirurgin Gabriele Schackert erklärt die Krankheit, an der die Milkauerin Cornelia Seidel leidet

erschienen am 02.12.2017

Milkau/Dresden. Spenden für einen Badezimmer-Umbau: Die "Freie Presse" unterstützt bei der diesjährigen "Leser helfen"-Aktion die blinde Cornelia Seidel aus Milkau. Das kleine Bad im Haus der Familie, in dem die 37-Jährige nur schwer zurechtkommt, soll blindengerecht umgestaltet werden. Cornelia Seidel leidet an einem Optikus-Scheiden-Meningeom. Dadurch verlor die Milkauerin ihr Augenlicht. Im Gespräch mit Babette Philipp erklärt Neurochirurgin Prof. Dr. Gabriele Schackert vom Universitätsklinikum Dresden die Krankheit.

Freie Presse: Frau Professor Schackert, was genau ist ein Meningeom?

Gabriele Schackert: Das ist ein in der Regel gutartiger Tumor, der von der Hirnhaut ausgeht. Er hat eine Kapsel, das heißt, seine Zellen streuen nicht in das Hirngewebe hinein.

Bei Cornelia Seidel wurde 2009 ein Optikus-Scheiden-Meningeom diagnostiziert. Was kann man sich darunter vorstellen?

Das ist ein Meningeom, das in der Augenhöhle an der Hülle des Sehnervs seinen Ursprung hat. Stellt man sich den Arm als Sehnerv vor und den Pullover darüber als seine Haut, so würde der Tumor von dem Pullover ausgehen und bei seinem Wachstum auf den Sehnerv drücken und ihn so schädigen.

Welche konkreten Beschwerden richtet der Tumor an?

Als eine Art Manschette um den Sehnerv schränkt er dessen Durchblutung ein und drückt diese schließlich ganz ab. Die Krankheit ist selten. Dass beide Augen betroffen sind, ist sehr ungewöhnlich. Ich habe es in meinen 40 Jahren neurochirurgischer Tätigkeit noch nie erlebt und auch noch nicht von so einem Fall gehört.

Gibt es Behandlungsmethoden?

Nein. Man kann nicht operieren, denn bei der Entfernung des Tumors würde die Durchblutung des Sehnervs so stark geschädigt, dass der Patient blind aus der OP hervorgehen würde. Auch eine Bestrahlung ist am Sehnerv sehr schwer möglich und schädigt ihn eher, als dass sie den Tumor zerstört.

Wie ist der Verlauf der Erkrankung?

Unterschiedlich. Sie kann schnell fortschreiten, sich aber auch über viele Jahre erstrecken. Eigentlich ist sie ein schleichender Prozess.

Steht am Ende immer das Erblinden?

Ja. Es gibt nach derzeitigem Stand auch keine Möglichkeit, das zu verhindern. Man kann nur hoffen, dass eine Therapiemethode entwickelt wird, die den Tumor zerstört, ohne den Sehnerv zu schädigen.

Wodurch wird die Krankheit verursacht?

Das kann man nicht genau sagen. Es ist möglich, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Bei Cornelia Seidel wurde festgestellt, dass das Meningeom gewachsen ist - kann es weiteren Schaden anrichten?

Es könnte durch den Sehkanal zum Gehirn hin wachsen und dort gegen andere Strukturen drücken. Sinnvoll wäre es, den Tumor deshalb jetzt zu entfernen. Denn die Frau ist unwiderruflich blind, der Schaden schon eingetreten.

Leser helfen

Eine weitere Geschichte zur "Leser helfen"-Aktion finden Sie auf Seite 13 . Im Internet können Sie weitere Informationen über die Spendenprojekte erhalten. Zugleich haben Sie die Möglichkeit, dort Ihre Spende für das jeweilige Hilfsprojekt zu überweisen.

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