Posse um neu gebauten Radweg

Bei schönem Wetter wird ein Abschnitt des Chemnitztalradweges von vielen schon häufig genutzt, obwohl es noch nicht erlaubt ist. Die Ursache liegt auch im Terminproblem mit einem Minister.

Markersdorf.

Der 5,7 Kilometer lange neu gebaute Abschnitt des Chemnitztalradweges zwischen Wittgensdorf und Markersdorf wird schon gut genutzt. Das hat nicht nur Frank Bihra, Mitarbeiter des Stadtsportbundes Chemnitz, festgestellt. An manchen Wochenenden und in den Abendstunden ist er stark frequentiert. "Gut, dass das Kapitel endlich einen Abschluss findet", sagt Bihra. Der Freistaat hatte in den Ausbau rund 2,6 Millionen Euro investiert.

Doch eigentlich darf der Radweg noch gar nicht benutzt werden. Schon Ende vergangenen Jahres war ein Großteil der Strecke fertiggestellt. Aber es war verboten, dort zu fahren, weil noch Geländer fehlten. Inzwischen ist alles fertig, aber offiziell darf immer noch nicht geradelt werden. "Die Abnahme erfolgt nächste Woche", sagte Isabel Siebert, Sprecherin des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr. Und auch danach ist der Weg nicht freigegeben. Erst nach der offiziellen Eröffnung am 8. April könne der Radweg befahren werden, fügt Siebert hinzu.

Hobbyradler und Pendler, die bisher die viel befahrene B 107 nutzten, verstehen die Logik nicht. "Die Fahrbahn ist fertig, da müssen wir doch nicht erst auf einen offiziellen Startschuss warten", sagt ein 58-jähriger Lichtenauer. Der Bau habe viel zu lange auf sich warten lassen. Das findet auch Frank Bihra. Denn zehn Jahre lang sei an der Strecke gebastelt worden, die jetzt in 45 Minuten locker abgefahren werden könne.

Doch noch bis zum 8. April sei der Abschnitt eine Baustelle, müssten Baubetriebe dort unterwegs sein, sagt Isabel Siebert. Zuwiderhandlungen könnten geahndet werden. Auch im Bereich Auerswalde, wo nach der Winterpause mit den Brückenarbeiten für die Anbindung des Lichtenauer Ortsteiles wieder begonnen wurde, sei weiterhin mit Bautätigkeit zu rechnen. Die Arbeiten sollen dort Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Zur jüngsten Sitzung des Zweckverbandes Chemnitztalradweg wurde über den Ablauf der Einweihungsfeier am 8. April gesprochen. Um 10 Uhr soll ein Band in Wittgensdorf durchschnitten werden. Anschließend fahren Teilnehmer die Strecke ab. Ab 11 Uhr findet ein Festakt in einem Festzelt am Museumsbahnhof Taura-Markersdorf statt. Vereine bereiten rund ums Rad kleine Veranstaltungen vor. Auch an einzelnen Abschnitten wie in Köthensdorf soll es Programme und Führungen geben.

Verbands-Chef Günter Hermsdorf informierte, dass dem sächsischen Verkehrsministerium der 8. April aber nicht passt, weil Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) verhindert ist. Termine nach Ostern seien machbar. Doch nach langer Debatte stand fest: "Noch länger können wir nicht warten, die Leute wollen doch die Trasse fahren", sagte Hermsdorf. Es könne auch ohne den Minister gefeiert werden, hieß es.

Doch der Ausbau der ehemaligen Eisenbahntrasse als Radweg hat im Verkehrs- und Wirtschaftsministerium eine hohe Priorität, sagt Referent Marco Henkel. Immerhin investiere der Freistaat in die Gesamtstrecke 5,7 Millionen Euro. Eine Teilnahme sei deshalb gerechtfertigt. Aber Minister Dulig sei in diesem Zeitraum mit einer Wirtschaftdelegation in Südafrika und Mosambik unterwegs. Die Freigabe sei aber nicht zwingend an den Terminkalender des Ministers anzupassen, ergänzt Henkel. Denn es mache Sinn, nach Fertigstellung des Baus und vor Beginn der Radfahrsaison die Strecke freizugeben. Deshalb stehe der Eröffnung am 8. April nichts mehr im Wege. Abteilungsleiter Bernd Sablotny wird Dulig vertreten.

Doch nicht nur das Hickhack um die Eröffnung bewegt die Radfahrer in der Region. Auch die Instandhaltung und Sauberkeit des Abschnitte ist wichtig, sagt Frank Bihra vom Chemnitzer Sportbund. "Zurzeit gibt es noch sehr ungepflegte und dreckige Abschnitte." Günter Hermsdorf vom Zweckverband sagt, dass nach der baulichen Abnahme des Radweges der Zweckverband vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr per Vertrag die Strecke überschrieben bekommt. Dann sei der Verband für die Unterhaltung zuständig. Zur Sitzung des Verbandes am 4. April werden Details beraten. Dann sollen auch Bauarbeiten für den Abschnitt Markersdorf-Diethensdorf vergeben werden.

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