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Die Arbeiten an der Auerbacher Schulstraßenbrücke laufen seit 5. April. Die Wasseramseln unter der Brücke wollten offenbar gerade mit dem Brüten beginnen - die Aufzuchtzeit hätte bis Mitte Mai gedauert. Laut Stadt hätte dies erhebliche Mehrkosten bedeutet: Sie ließ das Nest "umsiedeln", vermutlich ist das Gelege verloren. Foto: David Rötzschke

Foto: David RötzschkeBild 1 / 2

Wasseramsel: Vertreibung hat Nachspiel

Ein Naturschützer will Anzeige erstatten, weil die Stadt Auerbach ein Nest samt Eiern unter der Brückenbaustelle entfernt hat. Das Landratsamt duldet das Vorgehen der Kommune.

Von Bernd Appel
erschienen am 14.04.2018

Auerbach. Für Reinhold Turczyk (72) ist die Sache eindeutig: "Sobald irgendwo brütende Vögel entdeckt werden, müssen die Arbeiten im Bereich des Nestes gestoppt werden", sagt der Naturschützer aus dem Treuener Ortsteil Gospersgrün. "So steht es im Bundesnaturschutzgesetz." Deshalb sei eine Straftat, was in Auerbach vor einer Woche geschah: An der Brückenbaustelle Schulstraße hatte die Kommune ein Wasseramsel-Nest mit Eiern entfernen lassen. Es wurde in einen Nistkasten gelegt und unter die Heilige-Brunnen-Brücke "umgesetzt". Dass die Vögel das Nest dort finden und weiterbrüten, wird nicht nur von Turczyk bezweifelt. "Ich werde in dieser Sache Anzeige erstatten", kündigt er an. Das hat er in ähnlichen Fällen mehrfach getan, wegen mangelnder Beweise ohne Erfolg. "Aber diesmal ist die Beweislage eindeutig", sagt Turczyk.

Tatsächlich wurde das Nest unter der Brücke kurz vor Baustart untersucht und mit Fotos dokumentiert, und zwar vom zuständigen Naturschutzhelfer Michael Thoß. Er hatte sofort die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes informiert. Er stellte fünf Eier fest und teilte mit: "Der Vogel war nicht am Nest. Es ist zu vermuten, dass etwa noch ein Ei hinzugelegt wird, und der Vogel dann ab morgen mit dem Brüten beginnt." Thoß veranschlagte eine Brutzeit von 17 Tagen, anschließend eine Nestlingszeit von 21 Tagen, "sodass mit einer Brut- und Aufzuchtzeit bis zum 13. Mai zu rechnen ist". Thoß teilte der Behörde zudem mit: "Diese Wasseramselbrut ist die einzige bekannte Brut an der Göltzsch von Rodewisch bis Auerbach."

Laut einem, "Freie Presse" vorliegendem E-Mail-Protokoll hatte die Naturschutzbehörde die Stadt Auerbach angeschrieben und mitgeteilt, dass das Planungsbüro den Artenschutzes wohl "nicht ausreichend berücksichtigt" habe. Die Stadt solle prüfen, "ob der geplante Baubeginn an der Göltzschbrücke bis zum Ausflug der Jungvögel (hier: etwa der 15. Mai) verschoben werden kann." Falls dies nicht möglich sei, müsse ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt werden. Bis diese erteilt sei dürfe nicht gebaut werden.

Welche Absprachen es danach gab, ist unklar. Jedenfalls stellte die Stadt keinen Antrag, sondern ließ das Wasseramsel-Gelege "umsiedeln". Die zuständige Sachbearbeiterin im Landratsamt dankte anschließend für die Information und ergänzte: "Wollen wir hoffen, dass die Wasseramsel den Nistkasten mit dem Nest und den darin befindlichen Eiern findet." Dem Baustart "stehen nunmehr artenschutzrechtliche Belange nicht mehr entgegen. Danke für Ihre aktive Mitarbeit."

Reinhold Turczyk findet dieses Vorgehen empörend und meint: "Die Naturschutzbehörde im Vogtland fällt dem Naturschutz leider oft in den Rücken."

Die Stadt begründet ihr Vorgehen mit zu erwartenden Mehrkosten durch den Baustopp. Stadtsprecher Hagen Hartwig teilt mit: "Das hätte einen schwerwiegenden Eingriff in bestehende Verträge bedeutet (Eintaktung Nachunternehmer) und zu nicht unerheblichen Mehrkosten geführt, beziehungsweise eine Fertigstellung, wie im Förderbescheid festgelegt, infrage gestellt hätte."

Die Naturschutzbehörde erklärte auf Nachfrage, wahrscheinlich hätte man der Stadt die Ausnahmegenehmigung ohnehin erteilt, da die Wasseramseln momentan nicht als "gefährdet" eingestuft seien und man wirtschaftliche Belange berücksichtigen müsse. "Da uns dazu aber keine konkreten Daten (vor allem auch was den Bau und dessen Finanzierung betrifft) vorliegen, kann diese Frage nicht abschließend beantwortet werden."

 
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Kommentare
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Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 20.04.2018
    12:57 Uhr

    DerKuckuck: Nein das hat was mit übertriebener Heuchelei zu tun was hier abgeht. Auf der einen Seite regen sich alle wegen einem Vogelnest auf, auf der anderen Seite stört es keinem wenn Wohngebiete planiert werden und jeder Baum über 3 Meter weg muss. Beispiel Vogelsiedlung in Auerbach. Da gibts viel ... außer Vögel. Blumensiedlung usw. ...
    Mit Chemikalien wird überall ein Insektenholocaust verübt, der vielen Vögeln die Nahrungsgrundlage raubt. Wo ist der Aufschrei? Das ist mal ein paar Nachrichten wert, das wars. Aber über eine einzelne Wasseramsel kann man tagelang debattieren. Vor 10 Jahren gabs bei mir im Ort jede Menge Mauersegler. Seit dem jedes Dach abgedichtet wurde sehe ich seit 2016 nicht einen mehr. Wo is da der Ausgleich? Sollte man für private Grundstücke nicht Nistkästen verordnen? Gut ich bin zu wenig Vogelkundler um das zu genau zu beurteilen, aber ich kann beobachten was an Natur selbst auf dem Dorf übrig bleibt und das wird jedes Jahr weniger. Jeder der Grundstücke besitzt kann da was tun. Raus mit den Zierpflanzen, die keinen Wert für einheimische Insekten haben, Nistkästen anbieten, eine Wiese malnnicht mähen und verwildern lassen. Und wer tuts denn? Wieviel Wert hat ein englischer Rasen für die Natur? Wo sind denn noch Überwinterunsmöglichkeiten für Igel in den Gärten? Ja bloß kein Viehzeug in meinem Garten, aber der Staat, der soll alles für mich retten. Hauptsache eine anderer tuts.

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  • 20.04.2018
    09:08 Uhr

    cn3boj00: DerKuckuck und der Esel... Bravo, das ist genau die Einstellung, die von unseren Bürgern erwartet wird. Gesetze sind für alle da, nur nicht für die Obrigkeit. Und was ist eine (sehr seltene) Wasseramsel schon Wert.
    Wenn ich am 1. März eine Hecke entferne, bekomme ich (oder der ausführende Betrieb ein Bußgeld. Da heißt es: Vogelschutz! Und zwar egal, ob in der Hecke jemand gebrütet hat oder nicht!
    Wenn aber der Staat mit seinen Totschlagargumenten "die Kosten ach die Kosten" oder noch besser "die Arbeitsplätze" kommt erstarren alle in Ehrfurcht. Diese Einstellung ist es, welche Dinge wie den Dieselskandal möglich machen. Der Staat erkauft sich das mit Verlust an Respekt, Respekt vor der Natur, Respekt vor dem Gesetz.

    0 2
     
  • 20.04.2018
    09:06 Uhr

    Tauchsieder: Ja zum Kuckuck noch einmal, dass hat was mit Fingerspitzengefühl und Wissen zu tun hat. Da sind Leute an der "Däte" die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, vielleicht reicht`s gerade noch zum blasen.
    Vor Ort gibt es Leute (z.B. Thoß) die solchen Bediensteten mit Fachwissen helfen könnten. Vielleicht hätte man im Vorfeld eine andere Bauzeit wählen können oder vor Beginn der Brut die Vögel vergrämen können usw. . Manchem ist halt nicht zu helfen und diejenigen müssen sich jetzt einige Fragen gefallen lassen.

    0 1
     
  • 19.04.2018
    22:11 Uhr

    DerKuckuck: Ey ... Es ist einfach nur eine Wasseramsel. Wenn man deswegen den Bau verschoben hätte und es wegen dem Verzug wieder teurer wird, regen sich auch alle auf.

    4 0
     
  • 15.04.2018
    23:22 Uhr

    cn3boj00: Es ist ein Skandal, wie hier die Behörden ihre eigenen Gesetze aushebeln. Aber verwunderlich ist es nicht. Naturschutz ist im Osten ja offenbar nur für Privatpersonen bindend, die öffentliche Hand kann machen was sie will. Ich hoffe, die Klage hat Erfolg, auch wenn sie die Wasseramsel wohl nicht zurückbringt.

    0 4
     

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