Neue Generation führt Stickerei

Bei einer Messe holte sich die Rebesgrüner Firma Gerber neuen Schwung. Neben Heimtextilien setzt die fünfte Generation im Familienbetrieb auf Technische Textilien.

Rebesgrün.

"Der Fokus kann für uns nur in der Spezialisierung liegen, nicht mehr in der Massenware", sagt Ulrich Gerber. Der ehemalige Geschäftsführer leitet heute den Vertrieb der Gerber Textil-Manufaktur GmbH in Rebesgrün. Die Geschäftsleitung haben seit 1. September 2016 seine Tochter Nicole und sein Sohn Sören übernommen.

Die Hauptgeschäftsfelder des Unternehmens sind aktuell die Bereiche "Home" (Wohnen), "Fashion" (Mode) und "Technical" (Technische Textilien). Um im international umkämpften Textilmarkt unabhängiger zu werden, setzen die Rebesgrüner auf das Besetzen von Nischen. Zu den kleinen, speziellen Bereichen, die für Kunden interessant sind, zählt Ulrich Gerber das Herstellen von kompletten Wohnraum-Sonderprogrammen. Als Beispiele nennt er großformatige Tischdecken, Wandbespannungen und Wohnaccessoires. "Wenn wir uns behaupten wollen, gibt es keinen anderen Weg."

Positive Signale hat das Unternehmen im Januar von der Messe Heimtextil in Frankfurt/Main mitgebracht. "Wir hatten gute Gespräche mit Kunden aus vielen Regionen der Welt. Besonders groß war das Interesse von Einkäufern aus den USA. Jetzt hoffen wir, dass die Kontakte durch die aktuelle Situation in dem Land nicht gleich wieder wegbrechen." Einen Aufwärtstrend sah er auch im russischen Handel, der vor über zwei Jahren aufgrund der Rubel-Schwäche weggebrochen war. Dafür sagten allerdings Stammkunden aus Japan ihren Messebesuch ab. Sie verwiesen auf die Terrorgefahr in Europa.

Präsentiert hatte sich die Firma mit Neuheiten bei Tischwäsche und Gardinen. "Wir bieten aufeinander abgestimmte Textilien an, sodass damit der gesamte Wohnraum ausgestaltet werden kann." Den Besuch der Heimtextil bezeichnete Ulrich Gerber als gut, schränkte aber ein: "Man muss aber erst sehen, was das Nachmessegeschäft bringt."

Damit der Familienbetrieb auch in der nunmehr fünften Familiengeneration fortbestehen kann, wollen die Gerbers weiter bei Technischen Textilien investieren. Erste Erfahrungen hatte die Firma mit einem Projekt in der Fahrzeugindustrie gesammelt, bei dem es um die Entwicklung von gestickten glasfaserverstärkten Leichtbauteilen ging. Das selbst entwickelte und patentierte 3-D-Stickverfahren wird derzeit weiterentwickelt und auf andere Geschäftsfelder ausgedehnt. "Wir verdienen damit bisher kaum Geld. Die Entwicklungszeiten bis zur Produktreife sind lang."

Dass sich die Sticker aus Rebesgrün heute wieder mit solchen zukunftsweisenden Projekten beschäftigen können, hat auch mit dem 1. September des vergangenen Jahres zu tun. Der Tag stellte für den Familienbetrieb mit heute 18 Beschäftigten nicht nur aufgrund der Nachfolgeregelung eine Zäsur dar: Die Stickerei startete nach der Insolvenz neu durch. In Zahlungsschwierigkeiten war die Firma 2015 geraten, weil Großkunden weggebrochen waren und das Russlandgeschäft wegen des schwachen Rubels am Boden lag.


Zur Person

Sören Gerber (35) hat das Herstellen von gestickten Textilien im Betrieb der Eltern "von der Pike auf" gelernt. Der Textiltechniker ist für die Bereiche Technik, Produktion und Einkauf zuständig. Als eine wichtige Lehre schätzt er ein viermonatiges Praktikum in China bei einem Auslandseinsatz, zusammen mit dem Schweizer Stickmaschinenhersteller Saurer, ein. "Dort konnte ich, sozusagen direkt an der Wertschöpfungskette unseres größten Wettbewerbers aus Asien Eindrücke sammeln, die mich für mein weiteres Berufsleben geprägt haben."

Nicole Gerber (39) legt derzeit eine Babypause ein. Sie hat bis 2001 Betriebswirtschaft studiert und anschließend ein mehrmonatiges Auslandspraktikum in Canada absolviert. In der Stickerei arbeitet sie seit 2002 in leitender Funktion. Künftig ist sie dort für den kaufmännischen Bereich, Marketing und Vertrieb zuständig.

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