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11,95 Euro Beute: Diebin wendet Haftstrafe ab

Sie hat Familie, Beruf und Geld, und sie steht immer wieder vor Gericht. Ein Richter warnt die Frau jetzt eindringlich.

Von Ulrich Riedel
erschienen am 12.05.2018

Reichenbach/Zwickau. Hat es eine womöglich unverbesserliche Seriendiebin verdient, hinter Gitter zu kommen? Würde sie nach Verbüßung der Haft ihr kriminelles Handeln einstellen? Oder braucht diese Frau, die in einer nordvogtländischen Kleinstadt ein zumindest nach außen hin ganz normales Leben lebt, die seit vielen Jahren als Bürokauffrau tätig ist, die mit ihrer Familie in gesicherten Verhältnissen lebt und ein Kind groß gezogen hat, anderweitig Hilfe? Mit solchen Fragen musste sich das Landgericht Zwickau am Mittwoch befassen.

Jene Nadine Meier (Name geändert) kam glimpflich davon. Sie muss nicht in Haft, steht aber drei Jahre unter Bewährung und muss 500 Euro Geldstrafe zahlen.

Zu Beginn saß die Unternehmer-Ehefrau ohne Rechtsanwalt, den sie sich sicher leisten könnte, und ohne sonstigen Beistand wie ein Häufchen Unglück in Saal 241 des Landgerichts Zwickau. Mehrfach rang sie nach Worten, weinte, zeigte sich reuig. Das Amtsgericht Auerbach hatte sie wegen Diebstahls und Verstoßes gegen Bewährungsauflagen zu zwei Monaten Haft verurteilt. Mit ihrer Berufung wollte sie nun der Schmach einer Haft entrinnen.

Am 21. Juli 2017 wurde Nadine Meier von einem Marktleiter angezeigt, in dessen SB-Markt sie drei Tüten Popcorn, zwei Fläschchen Duftöl und weiteren Kleinkram im Gesamtwert von 11,95 Euro gestohlen hatte. Eigentlich eine Bagatelle, doch es war so etwas wie ihr 20. Diebstahlsjubiläum. Nach Ansicht des Auerbacher Amtsgerichtes sollte die Diebin hinter Gitter.

Doch der Vorsitzende Richter am Landgericht Torsten Sommer und die ihm zur Seite stehenden Schöffinnen kamen zu einem anderen Urteil. Eine zweimonatige Haftstrafe sei angesichts der Vorgeschichte zwar gut zu rechtfertigen, sagte Torsten Sommer, aber um tatsächlich "in den Knast zu gehen", dafür gebe es zu wenig Gründe. Auch der Staatsanwalt gab sich freundlich und zurückhaltend, obwohl "kein Zweifel an der Straftat besteht".

Das Verlesen von Nadine Meiers Sündenregister dauerte minutenlang. Jede Menge Diebstahlshandlungen, auch Betrug und Beleidigung. Die Amtsgerichte Auerbach, Greiz, Zwickau und Chemnitz verhängten seit 1999 immer wieder Geld-, Bewährungs- und auch Haftstrafen. Doch die Frau wurde - trotz Pausen - immer wieder rückfällig.

Was das Gericht positiv anrechnete: Nadine Meier war geständig, der Wert der Beute minimal. Und sie ist inzwischen regelmäßig in psychologischer Behandlung.

Auf die Kernfrage konnte das Gericht indes keine erschöpfende Antwort geben. Was treibt diese Frau um? Nadine Meier deutete an, sie sei als Kind vom eigenen Vater zum Diebstahl angestiftet worden. "Eine Flasche Pfeffi" - so wurde Pfefferminzlikör umgangssprachlich genannt - und eine Schachtel Juwel (Zigaretten). Führte sie den Auftrag aus, gab's Lob. Den psychologisch sicher aufschlussreichen Ausflug in die Tiefen und möglichen Abgründe von Vater-Tochter-Beziehungen setzte das Gericht indes nicht weit genug fort, um Auslöser und Kern der zwanghaften Diebstahlsneigung herauszuarbeiten. Wie es hieß, wage sich noch nicht einmal die behandelnde Therapeutin unter die Wasseroberfläche der bis heute prägenden Kindheitserlebnisse.

Damit bleiben jedoch Zweifel und offene Fragen. Alles wäre ganz anders denkbar, die Bürokauffrau könnte ihre Verzweiflung vorgetäuscht haben. Doch ungeachtet dessen deutete Richter Sommer an, dass er im Falle eines weiteren Rückfalls in die Diebstahlsmuster auch andere Gangarten als die am Mittwoch gezeigte freundlich-verständnisvolle beherrscht. "Das Problem können wir nicht für Sie lösen", sagte der Richter. "Wir geben Ihnen eine Chance. Entweder Sie kriegen jetzt die Kurve ..." Im Falle einer weiteren Straftat werden die Bewährungsstrafen addiert. Nadine Meier erklärte ihren Rechtsmittelverzicht. Damit ist das Urteil in Kraft.

 
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