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Stephan Hösl (CDU) (2. v. li.) hatte die Stolperstein-Tour initiiert, bei der Heimatforscher Wolfgang Richter (4. v. li.) über die früheren jüdischen Reichenbacher berichtete.

Foto: Franko MartinBild 1 / 2

Auf den Spuren jüdischer Reichenbacher

Das Interesse an den Schicksalen der einstigen Mitbürger war groß zur Stolperstein-Tour. Stadtführer Wolfgang Richter konnte helfen.

Von Petra Steps
erschienen am 14.09.2017

Reichenbach. Es sei zu wenig bekannt über das jüdische Leben in Reichenbach, so Teilnehmer der vom Landtagsabgeordneten und Stadtrat Stephan Hösl (CDU) initiierten Stolperstein-Tour. Heimatforscher Wolfgang Richter schuf Abhilfe. Er berichtete an der Gedenktafel am Rathaus: "Reichenbach war kein Zentrum jüdischen Lebens. 1933 lebten hier vermutlich um die 25 jüdische Mitbürger, zumeist bekannte Geschäftsleute. Unmittelbare nach der Machtergreifung durch Hitler folgten erste Schikanen."

Juden wurden in die Polizeiwache bestellt. Es gab Hausdurchsuchungen und erste Verhaftungen. Am 20. März 1933, lange vor der Reichspogromnacht 1938, wurden Stände jüdischer Händler auf dem Markt zerstört. Da Reichenbach keine Synagoge und keinen jüdischen Friedhof hatte, wurden zur Pogromnacht "nur" Scheiben von Geschäften eingeworfen. Richter erinnerte auch an den Stadtarchitekten Rudolf Ladewig (Wasserturm, Trauerhalle, Sternsiedlung) und dessen Frau Elisabeth, die jüdischer Abstammung war. Sie lebten nach der Reichenbacher Zeit in Hamburg und wurden im Konzentrationslager Neuengamme (KZ) ermordet. Vor ihrem früheren Wohnhaus in Hamburg liegen zwei Stolpersteine.

Erste Station war dann der Gedenkstein für Johannes (Hans) Jacob Frank. Der Familie Frank gehörte ein Bekleidungs- und Posamentengeschäft, später Weißwarengeschäft (Unterwäsche) am Markt 20/Ecke Lange Gasse. Zuerst nach Buchenwald verschleppt, dann wieder freigelassen, wurde er genötigt, seinen Laden zwecks Arisierung zu verkaufen. Er wurde in Auschwitz ermordet. Dabei war er einer der assimilierten Juden und freiwillig für Deutschland in den Ersten Weltkrieg gezogen. Seine Eltern Arnold und Minna Frank, geborene Mendelsohn, sind auf dem jüdischen Friedhof in Plauen begraben. Einen Teil der Familiengeschichte und auch die Geschichte der Familie Beutler hat Waltraud Schmidt in der Publikation "Der Jüdische Friedhof in Plauen" festgehalten. Vor dem Kinderhaus liegt der Stolperstein für Arthur Bohm. Er leitete das jüdische Kaufhaus Krell & Co., das zwangsverkauft wurde. Deshalb flüchtete er in den Freitod. Martin Frey wurde zur Zwangsarbeit im Straßen- und Gleisbau verpflichtet und kam dabei um. Zu Sofie Frey ist nur der Sterbeort bekannt.

In einem Haus an der Zwickauer Straße, wo heute ein Dönerladen ist, lebte Leo Beutler, Prokurist der Tuchfabrik an der Greizer Straße 5. Der Name Beutler war in Reichenbach verbreitet. Drei Steine liegen vor dem Haus Weststraße 24. Leos Bruder Isidor Beutler hatte eine Spinnerei und Weberei an der Dr.-Külz-Straße. Das Kontor und die Wohnung befanden sich an der Weststraße. Er ertrug nicht, dass seine Firma zwangsarisiert wurde und wählte den Freitod. Werner Hartstock von den Sächsischen Israelfreunden hat den Stein 2012 als letzten in Reichenbach gemeinsam mit Heimatforscher Werner Nitzschke und dem 1936 mit seiner Familie nach Israel emigrierten Herbert Samter verlegt. Für Isidors Witwe Flora Beutler steht Margrit Heidel Pate. Sie versteht bis heute nicht, wie eine fast 70-jährige Frau ins KZ deportiert und umgebracht werden konnte. Elisabeth Beutler, wohl Isidors Schwägerin, wurde in Berlin verhaftet. An ihren Sterbeort Plötzensee war ein Gefängnis mit Hinrichtungsstätte.

Die letzte Station des Rundganges war der Stein für den Unternehmer Dr. Albert Beutler, Sohn von Isidor und Flora Beutler. Er floh nach seiner Freilassung aus Buchenwald 1939 über Kuba nach Chile, wo er den Krieg überlebte. 1920 schrieb er in Greifswald eine Dissertation zum Thema: "Die soziale und wirtschaftliche Lage der Weber im sächsischen Vogtland". Inwiefern die genannten Beutlers mit Dr. Ernst Beutler verwandt waren, müsse noch erforscht werden, so wie andere Dinge in Zusammenhang mit Reichenbacher Juden. Ernst Beutler (1885, Reichenbach - 1960, Frankfurt/Main) ist eine Gedenktafel an der Bahnhofstraße 69 gewidmet. Er war Goetheforscher und Retter des Inventars vom Goethehaus Frankfurt, das nach der Zerstörung 1944 wieder aufgebaut wurde. Bekannt ist, dass er einen Lehrauftrag wegen seiner jüdischen Frau verlor.

 
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Auf den Spuren jüdischer Reichenbacher
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