Dieser Wartburg fährt nur vorwärts

Ein Ex-Reichenbacher hat in seiner Wahlheimat Ungarn ein Kultauto aus der einstigen "NDK" entdeckt, das auch medial für Aufsehen sorgt. Das will Gerd Frenzel den Oldtimer-Freunden in der alten Heimat nicht vorenthalten.

Reichenbach/Szentes.

Dieser Wartburg wäre auf jedem Oldtimer-Treff der Hit. Da ist sich Gerd Frenzel ganz sicher. "Dieses Schmuckstück der ungarischen Mobilbauindustrie möchte ich doch meiner alten Heimat nicht vorenthalten", scherzt der Ex-Vogtländer, der Reichenbach 1986 der Liebe wegen in Richtung Puszta verlassen hat. Seitdem lebt der einstige Verkaufs-Ingenieur, Dolmetscher und Hundezüchter im südostungarischen Szentes - im einen Steinwurf entfernten Csongrád entdeckte der 76-Jährige jetzt den außergewöhnlichen Wartburg. Gebaut von Karosserieschlosser Zsolt Molnár, ein Fan der Oldtimer aus der NDK. NDK - das war in Ungarn die Abkürzung für DDR.

Zsolt Molnár ist mit seiner schnittigen Hommage an den Autobau des Ostens sicher auch ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde. Für seinen Wartburg hat der Betreiber eines Autofriedhofs in Csongrád zwei der Oldies aus Eisenach zusammengeschraubt, das Mittelteil wurde im Unterboden verstärkt. Das bei Auto-Shows Aufsehen erregende Gefährt bringt es immerhin auf acht Sitze und die Eigenart, immer nur vorwärts fahren zu können. Das ermöglichen zwei Lenkräder, zwei Zweitaktmotoren mit dazugehörigen Boden- und Lenkradschaltungen (bekannt auch als Krückstockschaltung). Gefahren wird allerdings nur auf Shows. Da der Wagen keine Zulassung besitzt, ist damit auch eine Fahrt an die Wiege des Wartburg-Autobaus eher ausgeschlossen.

Aber Zsolt Molnár, so hat Gerd Frenzel gehört, tüftelt bereits an der nächsten kleinen Sensation, die die in ihrer Größe mit Reichenbach vergleichbare Stadt weiter ins Rampenlicht bringen könnte. Bereits der doppelte Wartburg hat Csongrád in der öffentlichen Wahrnehmung einen Satz nach vorn beschert. So berichtete unter anderem Emese Kralik für die Regionalzeitung "Délmagyarország" (Südungarn) über den "Wartburg, der kommt und geht".

Auch Gerd Frenzel sieht den Wartburg nach wie vor als ein respektables Gefährt seiner Zeit an - gemessen natürlich an den von politisch-ökonomischen Fesseln eingeschränkten Möglichkeiten der DDR-Autobauer, ob nun in Eisenach oder Zwickau. "Ich hatte VW in Wolfsburg vor 18 Jahren vorgeschlagen, dass, wenn sie einen ordentlichen VW Golf/Passat Kombi bauen wollen, sie den Konstrukteur des Wartburg Kombi ausfindig machen sollen. Da gab es einige grundlegende Dinge, die man sich hätte abgucken können. Aber das ist natürlich schwer für Wessis aufgrund fehlender Ost-Erfinder-Logik, die aus Mangel doch tolle Sachen zustandegebracht hatte", sagt Gerd Frenzel.

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