Gegen neuen Sendemast regt sich Protest der Anwohner

Erneut beklagen Nachbarn, dass sie über das Vorhaben nicht informiert wurden. Doch im Gegensatz zu Jerisau ist in Glauchaus Oberstadt schon alles fertig.

Glauchau.

Dass sie einmal so geweckt werden würde, hat sich Barbara Birkner nicht vorstellen können. Doch es kam so. Es war an einem Samstagmorgen, als plötzlich Lärm die Straße erfüllte. Ein Kran wurde aufgestellt, zahlreiche Monteure wuselten durch die Gegend. Und es dauerte gar nicht lange, da sahen die erstaunten Anwohner der August-Bebel-Straße in Glauchau, dass auf dem Dach des Hauses mit der Nummer 34 ein Sendemast aufgestellt wird. Sofort schrillten die Alarmglocken. "In aller Heimlichkeit wurde der Bau des Mastes geplant und schließlich umgesetzt", sagt die promovierte Juristin, die im Nachbarhaus wohnt. Wieso wird ein solcher Mast in einem Wohngebiet aufgestellt?, fragt sie weiter. Und: Wieso wurden die Anwohner nicht informiert? "Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden", sagt Barbara Birkner.

In der Zwischenzeit haben die Anwohner eine Unterschriftensammlung initiiert. Bislang trägt sie etwa 60 Namenszüge von Leuten, die in der Nachbarschaft wohnen. Darin fordern sie, den Mast abzubauen und auf ein Gewerbe- oder Industriegebäude zu versetzen. Von der Stadt Glauchau fordern die Anwohner, der bisherigen Praxis ein Ende zu setzen, bevor es weitere derartige Fälle in Glauchau gebe. Die Wohnqualität leide, darüber hinaus böte der Sendemast einen hässlichen Anblick. Bei solchen Vorhaben müsse Rücksicht auf die Bewohner genommen werden, die möglicherweise Belastungen oder Gefahren ausgesetzt werden.

Ähnliche Proteste gab es auch im Ortsteil Jerisau, als dort ein Funkmast an der Waldenburger Straße aufgestellt werden sollte. Die Jerisauer erreichten mit ihren Aktionen zumindest, dass der Standort ins Gewerbegebiet versetzt wird, wenn auch nur wenige Meter vom Ursprungsort entfernt. Dem ging jedoch ein Gespräch zwischen dem Glauchauer Oberbürgermeister Peter Dresler (parteilos) und dem Investor in Jerisau voraus, um gemeinsam eine Standortalternative zu suchen. Doch im Unterschied zu Jerisau ist an der August-Bebel-Straße der Mast bereits aufgestellt. Und ob auf die Forderungen der Bewohner eingegangen wird, ist unklar. Ursula Keller, sie wohnt an der Lerchenstraße, hat ein Beschwerdeschreiben an die Landesdirektion Chemnitz geschickt. "Weil die Stadt Glauchau nicht reagiert, denn aus unserer Sicht ist das Dach marode", sagt sie. Bislang bekam sie die Auskunft, dass die Behörde sich das ansehen will und um Geduld bitte.

Dabei laufen die Planungen für den Mast an der August-Bebel-Straße bereits seit Ende 2014. Nach Angaben der Stadt handelt es sich um einen Ersatzstandort für eine an anderer Stelle in der Oberstadt betriebene Mobilfunkanlage im D-Netz. "Entsprechend der Vereinbarung zwischen kommunalen Spitzenverbänden und den Mobilfunkbetreibern wurde die Stadtverwaltung diesbezüglich angehört", teilt der Fachbereich Planen und Bauen im Glauchauer Rathaus mit. Damals habe die Stadt angeregt, einen schon vorhandenen Standort mit zu nutzen, um Neubauten zu verhindern. Seitdem habe die Stadt Glauchau aber keine weiteren Informationen zum Vorhaben bekommen - müsse sie laut oben genannter Vereinbarung auch nicht. Der Mobilfunkbetreiber habe sich schließlich für diesen neuen Standort entschieden. Eine öffentlich-rechtliche Pflicht der Stadt zur Unterrichtung der Anwohner, wie sie beispielsweise die Sächsische Bauordnung im Falle erteilter Baugenehmigungen ohne vorherige schriftliche Zustimmung der Nachbarn kennt, sei im konkreten Fall nicht gegeben.

Investor ist Vodafone. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, liegen alle behördlichen Genehmigungen vor. Anwohner bräuchten keine Bedenken oder gar Ängste haben. Mit der neuen Antenne, die sechs Meter über den Dachfirst ragt, wurde der alte Standort an der Rudolf-Breitscheid-Straße (ebenfalls ein Wohnhaus) stillgelegt. Die Qualität des Mobilfunks in Hinsicht Sprache und Datenkapazität habe sich leicht erhöht.


Kommentar: Dilemma sorgt für Ärger

Egal, wie die Sache am Ende ausgeht - der Ärger, den die Betroffenen mit der Stadt Glauchau haben, dürfte bleiben, bestenfalls nur langsam verhallen. Das Thema Funkmast ist spätestens seit der Diskussion in Jerisau ein für die Bewohner sehr sensibles.

Und im Grund gleichen sich deren Argumente mit denen der Anwohner an der August-Bebel-Straße: Über den Bau der Funkmasten werden die Leute nicht informiert, und darüber ärgern sie sich zu Recht.

Dabei stecken die Verantwortlichen im Rathaus offenbar in einem Dilemma: Sie müssen nicht informieren, aber wenn sie es doch tun, greifen sie dann in die Interessen der Privatinvestoren ein? Und wenn ja, wie reagieren die dann? Also bleiben sie lieber auf der sicheren Seite und machen nur das, was sie müssen. Doch im Sinne der oft propagierten Transparenz reicht das manchmal nicht aus.

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