Abriss am Bahnhof Limbach - Eisenbahnverein übt Kritik

Einige Gebäude der Station werden demontiert, andere bleiben erhalten - Nutzung offen. Eisenbahnfreunde kritisieren indes den jahrelangen Verfall.

Limbach-Oberfrohna.

Wo einst Gepäck gelagert war und Bahnreisende auf ihren Zug gewartet haben, sind nun Bagger am Werk: Teile des Bahnhofes Limbach werden derzeit abgerissen. Der Bahnhof war 2000 stillgelegt worden, die Gebäude verfielen zusehends.

Demontiert werden laut Stadtverwaltung nun die Empfangs- einschließlich der Gepäckhalle sowie der Zwischenbau. Erhalten bleiben die beiden Hauptgebäude. Die Stadt hatte zuvor eine Studie in Auftrag gegeben, um den Sanierungsbedarf festzustellen. Ergebnis: Der bauliche Zustand lässt eine Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes nicht zu. In Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises sei deswegen der Teilabriss beschlossen worden, der rund 66.000 Euro kostet, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt erhält dafür Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost.

Der Bahnhof war 2014 in die Hände der Kommune übergegangen. Zuvor hatte er verschiedenen Privatleuten gehört. "Der ging herum wie ein Wanderpokal", sagt Michael Resch vom Eisenbahnverein Hartmannsdorf, ehemals Limbach-Oberfrohnaer Eisenbahnverein. Er und seine Mitstreiter kritisieren das aus ihrer Sicht späte Engagement der Stadtverwaltung. Ihr Vorwurf: Hätte sich die Verwaltung schon frühzeitig - das heißt direkt nach der Stilllegung zur Jahrtausendwende - um das Areal bemüht, wären die Gebäude zu retten gewesen.

Verein beklagt späten Kauf

Die Stadtspitze habe sich aber erst im vergangenen Jahr an den Eisenbahnverein gewandt, der aus dem Oberfrohnaer Bahnhof ausziehen musste und schon längere Zeit auf der Suche nach einem neuen Domizil gewesen war, berichtet Toni Naumann: "Da war es schon zu spät und wir sind schon zu sehr mit unserem neuen Standort in Hartmannsdorf befasst gewesen." Einige Jahre früher wäre der Bahnhof "eine Option" für den Verein gewesen, ergänzt er. Nun, da die Gebäude beispielsweise durch Wassereinbruch geschädigt seien, sei der Teil-Abriss des Bahnhofs unumgänglich: "So, wie er jetzt aussieht, ist er ein Schandfleck." Aus dem Rathaus heißt es, man habe sich nicht eher kümmern können. Erst als die Eigentümer das Gebäude versteigert haben, habe es die Möglichkeit gegeben, aktiv zu werden, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit.

An den beiden Turmbauten, die stehen bleiben, werden laut Stadtverwaltung Arbeiten an der Dachkonstruktion und der Dacheindeckung vorgenommen, um beispielsweise Öffnungen zu schließen. Über die weitere Nutzung dieser Gebäude sei noch nicht entschieden worden, teilt die Verwaltung mit. In der durchgeführten Studie seien verschiedene Varianten untersucht worden, wie die Nutzung als Vereinshaus, die Gewerbeansiedlung oder die Einrichtung einer Freizeitanlage. "Bevor eine Entscheidung möglich ist, sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich", so die Verwaltung.

Der Eisenbahnverein Hartmannsdorf könnte sich vorstellen, in den Gebäuden Ausstellungen oder andere Veranstaltungen durchzuführen. "Wir haben auch zahlreiche Exponate, die wir für die Gestaltung der Räume zur Verfügung stellen könnten", sagt Michael Resch. Eine Dauermiete komme für die Eisenbahn-Fans aber nicht infrage.

Bahnsteig-Dach bleibt erhalten

In einem anderen Punkt wird den Wünschen der Eisenbahnfreunde entsprochen. Das alte Dach über den Bahnsteig wird vorerst nicht abgerissen. Es ist im Eigentum der DB Netz AG. Ob die es allerdings dauerhaft erhalten wird, ist offen. Eine Anfrage dazu blieb gestern unbeantwortet. "Das ist ein besonderes Dach und wir würden uns freuen, wenn es erhalten bleibt", sagt Michael Resch.


Bahnanschluss vor 140 Jahren

Mit der Strecke Limbach-Wittgensdorf erhielt Limbach 1872 erstmals einen Eisenbahnanschluss, hält Hans-Ulrich Siebert vom Arbeitskreis Modellbahn Chemnitz fest. Ende des 19. Jahrhunderts kam die Strecke Limbach-Wüstenbrand dazu. Zudem wurde das Bahnhofsgebäude ausgebaut, das für Personen- und Güterverkehr genutzt wurde.

Nach der politischen Wende sank demnach das Personen- und Güteraufkommen, der Bahnhof wurde 2000 endgültig stillgelegt. Limbach-Oberfrohna ist seit zehn Jahren mit einer Buslinie an Chemnitz angeschlossen. (lumm)

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