Bäume statt Sonnenschirme

Eine Stadt diskutiert: Mit welchen konkreten Schritten kann Zwickau dem Klimawandel begegnen?

Zwickau.

Mehr Hecken an die Felder, weiße Farbe an Fassaden, Kaltluftschneisen erhalten oder neu schaffen - das sind Vorschläge, die Vertreter des Thüringer Instituts für Nachhaltigkeit und Klimaschutz am Dienstagabend im Rathaus als Ergebnis ihrer Klimastudie für Zwickau nannten. "Freie Presse" fasst zusammen, was die Besucher der Bürgerversammlung bewegte.

Was tut die Stadt schon jetzt, um das Klima zu verbessern?

Die Diskussion im Stadtrat um die Zukunft des Flugplatzgeländes - Erhalt als Kaltluftschneise oder neuer Gewerbestandort - habe gezeigt, wie schwer es ist, mehr Akzeptanz für den Klimaschutz zu gewinnen, sagt Baubürgermeisterin Kathrin Köhler. Letztlich sei es gelungen. "Zudem ist uns die Begrünung am Schwanenteich lieb und teuer." 2017 stehen Investitionen in den Schlobigpark an. Es gibt Auflagen, Garagen zu begrünen. Laut Stadtplanungsamtsleiter Jens Raußer kann die Verwaltung bei Bebauungsplänen vorschreiben, welche Bäume gepflanzt werden, und Regenrückhaltebecken fordern. Privatleuten kann sie Empfehlungen geben. Vielleicht werde manch einer erst aufwachen, wenn Tiger- und Anophelesmücke Einzug halten, fürchtet Raußer. Noch ist es denen zu kalt in Zwickau.

Was tut die Zwickauer Energieversorgung (ZEV), um die Umwelt zu schonen?

Laut ZEV-Unternehmensentwickler Sven Fischer hat der Energieversorger ein Naturprodukt im Angebot: Strom aus Wasserkraft. Der Kundenkreis sei jedoch überschaubar. Zudem betreibt er Biomasse- und Biomethan-Kraftwerke.

Wie steht Zwickau im Vergleich zu anderen Städten da?

Mehr Grün pflanzen, mehr Flächen entsiegeln, die Bevölkerung informieren, wie sie mit der zunehmenden Hitze umgehen sollte - das ist bei vielen Städten ähnlich. Aber jede Stadt habe ihre schwer vergleichbaren Besonderheiten, sagt Biologe Daniel Knopf vom Thüringer Institut.

Was bringt es, wenn Zwickau das allein macht?

"Viel", sagt Knopf. Zwickau hat es in der Hand. Freilich kostet manches viel Geld, anderes weniger. Aber wenn der Kohlendioxid-Ausstoß gesenkt wird, kommt das allen zugute.

Zu viele Bäume werden gefällt. Geht die Verwaltung mit gutem Beispiel voran und pflanzt neue, wenn sie welche beseitigt hat?

Zwickau hat als eine der wenigen Städte überhaupt noch eine Gehölzschutzsatzung, für Umweltbüroleiterin Birgit Weidner ein Gewinn. Laut Gartenamtsleiter Jörg Voigtsberger ersetzt die Stadt jeden gefällten Baum, nicht immer freilich an derselben Stelle. In der Nordvorstadt etwa, wo vorher keine Bäume waren, sind so neue gepflanzt worden. Die Stadt setzt dabei auf Artenreichtum. Zudem können Bäume gespendet werden. Fast die halbe Bahnhofstraße wurde dank Spenden bepflanzt. "Die Möglichkeiten der Stadtverwaltung, mehr Grün in die Fläche zu bringen, sind begrenzt. Viel wichtiger ist es, dass Private sorgsam mit ihren Pflanzen umgehen. Lieber einen Baum als einen Sonnenschirm", sagt Voigtsberger.

Wie wird die Industrie in die Pflicht genommen, den Kohlendioxidausstoß zu senken?

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit haben sich schon viele Unternehmen umorientiert, VW etwa sei da gut aufgestellt, sagt Lukas Gregori, Klimaschutzmanager der Stadt.

Was kann man zum Schutz der Gesundheit tun?

Gesundheitsamt, Betreiber von Seniorenheimen und Pflegedienste sollten eng zusammenarbeiten. Mitarbeiter sollten geschult werden, wie sie sich um Ältere und Alleinstehende kümmern. Der Grundsatz "Viel trinken in der Hitze" muss klar kommuniziert, der nötige Schatten in Kindergärten und Schulen geschaffen werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Ziel ist es laut Köhler, den Stadträten Anfang 2017 einen Maßnahmekatalog vorzulegen.


Weitreichende Auswirkungen: Ernteausfälle und neue Allergie-Auslöser

Das Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz hat in einer Klimastudie Veränderungen in Zwickaus Vergangenheit analysiert, Prognosen erstellt und daraus 77 Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Die Jahrestemperatur könnte danach zum Ende des Jahrhunderts um bis zu vier Grad Celsius steigen. An bis zu 30 Tagen dürften mehr als 30Grad herrschen, bisher sind es acht Tage. Heftige Sommerschauer sind vor allem im Süden zu erwarten, in Summe fällt weniger Regen, die Winter werden milder.

Die Herausforderungen: Zu rechnen ist mit neuen allergenen Pflanzen, Ernteausfällen, Niedrigwasser im Sommer in der Mulde, Bodenerosion, Waldbrandgefahr, höherem Energiebedarf zur Kühlung von Gebäuden. Feuerwehr, Wasserwerke und Bauwesen müssen sich auf Hitzeperioden, Stürme und Starkregen einrichten. (upa)www.zwickau.de/umweltbuero

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