Chemnitz soll Standort für internationale Schule werden

Mit Millionenförderung soll eine Schule in Chemnitz wiederbelebt werden. Der Träger: Die "Saxony International School" aus Glauchau.

Chemnitz.

Als "Erweiterte Oberschule Dr. Theodor Neubauer" zählte sie einst zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen der Stadt. Doch das sieht man dem seit Jahren leer stehenden, sanierungsbedürftigen Bau an der Vettersstraße schon lange nicht mehr an. Vor gut zehn Jahren wurde die Schule endgültig dichtgemacht, im vergangenen Jahr war sie kurze Zeit als Standort für eine neue staatliche Oberschule im Gespräch.

Dieser Neubau aber soll nun an zentralerer Stelle im Herzen der Stadt entstehen. Doch für die Vettersstraße gibt es bereits neue Pläne: Kommende Woche soll der Stadtrat einen Grundsatzbeschluss fassen, ob sich die "Saxony International School" (SIS), ein privater Schulträger aus Glauchau, dort niederlassen darf.

Falls der Rat zustimmt, könnte in drei bis vier Jahren in unmittelbarer Nähe zur Uni eine Schule ihren Betrieb aufnehmen, wie es sie in Chemnitz noch nicht gibt - wie sie aber nicht zuletzt aus Kreisen der Wirtschaft immer wieder gefordert wird. Mit besonderem Augenmerk auf fremdsprachliche, wirtschaftliche, mediale und interkulturelle Kompetenz sowie der Möglichkeit, ein "Internationales Abitur" abzulegen, das sogenannte "IB Diploma".

In Dresden und Leipzig gibt es solche Schulen längst. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig spricht daher von einer "sehr wertvollen Ergänzung" der Schullandschaft mit Strahlkraft über die Grenzen der Stadt hinaus. "Für Unternehmensansiedlungen ist das Vorhandensein von internationalen Schulen und Bildungsabschlüssen zunehmend ein wesentlicher ,weicher' Standortfaktor", sagte sie.

Für SIS wäre das Engagement in Chemnitz das erste in einer Großstadt. Die gemeinnützige Gesellschaft betreibt nach eigenen Angaben bislang vier Grund- und vier Oberschulen, drei Gymnasien und ein berufliches Gymnasium; allesamt in Kleinstädten und Gemeinden in Westsachsen und dem Leipziger Land angesiedelt. Zwei der Gymnasien sind laut SIS autorisierte "IBWorld Schools". Dort gebe es bereits speziellen Unterricht mit dem Ziel des Internationalen Abiturs.

Für Chemnitz ist das Thema allenfalls Zukunftsmusik. Stimmt der Stadtrat den Plänen zu, dann soll an der Vettersstraße zunächst eine Grundschule entstehen. Darüber hinausgehend, so heißt es bislang, habe der Träger die Vorstellung, den Standort über die Oberschule bis hin zum Gymnasium und der Möglichkeit des Internationalen Abiturs weiterzuentwickeln und damit verschiedene Bildungsangebote in einer Einrichtung zu vereinen."

Zunächst aber muss die alte, leer stehende Schule erst einmal fit gemacht werden. Allein für die Grundschule - die Sanierung des bestehenden Gebäudes und den Bau einer neuen Turnhalle - rechnet das Rathaus mit zwölf Millionen Euro Kosten. Aus dem städtischen Haushalt sollen aber nur etwa 1,2 Millionen Euro für das Vorhaben bereitgestellt werden. Den Rest will die Stadt mit Geld aus einem 800Millionen Euro umfassenden Förderprogramm "Soziale Integration im Quartier" finanzieren, das das Bundesbauministerium erst vor wenigen Wochen auf den Weg gebracht hat.

Die Sanierung und der Umbau von Schulen zählen zu den Kernanliegen des Programms, das nicht zuletzt als Reaktion auf den massiven Zuzug von Flüchtlingen aufgelegt wurde. OB Ludwig rechnet sich gute Chancen aus, mit dem Schulprojekt zum Zuge zu kommen. Voraussetzung dafür werde allerdings sein, dass die neue Schule nicht als "Eliteschule" konzipiert werde, sondern Kindern "sozial barrierefrei", das heißt unabhängig von der finanziellen Leistungskraft des Elternhauses, Zugang ermöglicht. Der Schulträger teilte auf Anfrage der "Freien Presse" mit, das Schulgeld werde zwischen 120 und 150 Euro liegen.


Spitzenbildung und Begegnungszentrum für alle

Das Internationale Abitur (International Baccalaureate Diploma, IB) wird als international anerkannter Schulabschluss von einer in der Schweiz ansässigen privatwirtschaftlichen Stiftung vergeben. Das einst für Diplomatenkinder konzipierte Programm gibt es seit fast 50 Jahren. Es wird auf Englisch, Spanisch oder Französisch von speziellen Schulen angeboten. In Deutschland gibt es rund 70 solcher Einrichtungen.

Neben dem Schulbetrieb soll die ehemalige Neubauerschule künftig als integratives Begegnungszentrum für Bernsdorf zur Verfügung stehen. Laut Rathaus ist vorgesehen, die Einrichtung von 16 bis 22 Uhr geöffnet zu halten und Veranstaltungen für alle Bevölkerungsgruppen und -schichten anzubieten. Dadurch sollen Bevölkerungsgruppen erreicht werden, die sonst derartige Angebote nicht nutzen können, heißt es.

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