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Er ist lieber Kirchenmusiker als Kantor: Pascal Kaufmann vor der Stadtkirche in Augustusburg.

Foto: Hendrik Jattke

Ein Kleinstadtmensch sucht die Harmonie

Der neuer Kirchenmusiker in Augustusburg ist jung, aber als Musiker ein alter Hase und genau die Hälfte einer Erfolgsgeschichte.

Von Matthias Behrend
erschienen am 14.02.2018

Augustusburg. Da ist er nun also in Augustusburg gelandet. Pascal Kaufmann (25) ist der neue Kantor der Kirchgemeinde St. Petri in Augustusburg. Er mag das Wort Kantor nicht so sehr, er sagt lieber: Kirchenmusiker. Pascal Kaufmann verantwortet damit die Kirchenmusik in Augustusburg sowie in Erdmannsdorf und in Hohenfichte. Es war eine zufällige Begegnung, die ihn nach Augustusburg führte. Während eines Spazierganges mit seiner Freundin kam er vergangenes Jahr an der Stadtkirche vorbei, ging hinein und traf dort auf Renate Golde-Haase. Das Gespräch der beiden leidenschaftlichen Musikfreunde landete bald auch bei der freien Kantoren-Stelle. Pascal Kaufmann bewarb sich und wurde genommen.

Es ist eine halbe Stelle, die zu 30Prozent von der evangelisch-lutherischen Landeskirche finanziert wird, sowie zu 20 Prozent aus privaten Spenden. Eine halbe Stelle, die aber ganzen Einsatz erfordert. Immerhin gilt es, das Orgelspiel zu den sonntäglichen Gottesdiensten in drei Kirchen sowie ab und an auch in der Schlosskirche zu organisieren. Dazu kommt die Verantwortung für zwei Posaunenchöre und Kirchenchöre. Aber der junge Mann ist stresserprobt. Seit seinem sechsten Lebensjahr spielt er Klavier. Genauso wie sein zwei Jahre älterer Bruder Markus. Die Kaufmann-Brüder haben mit ihrem Klavierspiel beim Wettbewerb "Jugend musiziert" Preise wie Briefmarken gesammelt. In ihrer Heimatstadt Lichtenstein haben sie mit dem "Tastenfeuerwerk" eine Musikreihe initiiert. 2005 gab es die Premiere im alten Rathaus, es sei gleichsam das erste eigene Konzert vor Publikum gewesen, sagt Pascal Kaufmann. In den vergangenen Jahren spielten die beiden Brüder vierhändige Bearbeitungen kompletter Sinfonien, zum Beispiel von Liszt, Bruckner oder Dvoak. In diesem Jahr gibt es vom 23. bis 25. Februar gleich drei "Tastenfeuerwerk"-Konzerte, und weil das alte Rathaus längst zu eng geworden ist, wird auch in der benachbarten Kirche musiziert. "Diesmal wird Peter Tschaikowski im Mittelpunkt stehen", sagt Pascal Kaufmann.

In Augustusburg fühlt er sich angekommen und sehr gut aufgenommen. Er hat bereits viele Gesprächsrunden absolviert, sich vorgestellt und bekannt gemacht. Und er hat Pläne im Kopf, um das musikalische Leben in der Stadt und in Erdmannsdorf sowie in Hohenfichte zu bereichern. Auftakt soll ein Frühlingskonzert vor dem Maibaumsetzen am 5. Mai sein, bei dem passenderweise Vivaldis Frühlings-Concerto erklingen wird. Für den Juni und Juli plant Pascal Kaufmann eine Sommermusikreihe. Immer am Samstagnachmittag soll es jeweils um 13 und 15 Uhr zwei 30-minütige Kurzkonzerte geben. Kaufmann will selbst und mit seinem Bruder musizieren, aber er will auch junge Musiker einladen. Kontakte dafür hat er ausreichend. Gradmesser sei für ihn immer das musikalische Niveau. Denn: "Das ist mein Anspruch."

Neben der halben Kantoren-Stelle in Augustusburg hat Pascal Kaufmann für ein Jahr noch eine Assistenz des Organisten der Frauenkirche. "Ich wurde für diese Stelle angefragt", sagt er stolz. Während die Assistenz in Dresden vor allem bedeutet zu tun, was aufgetragen wird, ist Pascal Kaufmann in Augustusburg selbst der Chef. "Die Möglichkeit, gestalten zu können, etwas aufzubauen und wachsen zu sehen, reizt mich ungemein", sagt er. Augustusburg sei eine besondere Stadt. Der junge Musiker kennt das Städt'l von Ausflügen. Und er habe sich für seine ersten Anstellung nach dem Abschluss des Studiums der Kirchenmusik bewusst für eine Kleinstadt entschieden, sagt Kaufmann. Wenngleich der Lebensmittelpunkt zunächst Dresden bleibt, wo die Freundin das Staatsexamen im Lehramt ablegt. Warum die Kleinstadt? "Alles ist überschaubar, man kennt sich schnell", sagt Pascal Kaufmann. Es gebe eine Verlässlichkeit und Herzlichkeit, die man in großen Metropolen oft mühsam suchen müsse.

Pascal Kaufmann wurde 1993 in Chemnitz geboren und ist mit seinem Bruder Markus in Lichtenstein aufgewachsen. Die musikalische Ausbildung der beiden Brüder wurde mit Förderstipendien des Freistaates Sachsen oder der Sächsischen Mozartgesellschaft unterstützt. Beide studierten Kirchenmusik und schlossen das sechsjährige Studium mit dem A-Diplom ab. Pascal Kaufmann hat zudem einen Masterabschluss Schulmusik. Markus Kaufmann ist seit vorigem Sommer Domorganist in Quedlinburg und Intendant des dortigen Musiksommers, eines Festivals für klassische Musik. Für beide Brüder spielt die Musik die Hauptrolle im Leben.

Ist die Musik irgendwann auch mal eine Belastung? "Nein, überhaupt nicht", sagt Pascal Kaufmann. "Aber wenn die Musik der Beruf wird, braucht man andere Hobbys." Seine sind die Meteorologie und die Mykologie - also die Pilzkunde. Gut möglich also, dass man den Augustusburger Kantor im Herbst in den Wäldern rings um Augustusburg trifft, wo er nach seltenen Pilzen sucht. Vielleicht sogar mit einem Liedchen auf den Lippen.

 
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