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Hinterm Haus in der Ernst-Schneller-Straße 73 in Kuhschnappel scheint der Weihnachtsmann zu wohnen. Die Dekoration hat ein 16-Jähriger aufgebaut und über Jahre hinweg perfektioniert.

Foto: Andreas KretschelBild 1 / 2

So strahlt die Weihnachtswelt gleich nebenan

In Kuhschnappel lebt ein 16-jähriger Weihnachtsfan sein leuchtendes Hobby voll aus.

Von Hans-Peter Kuppe
erschienen am 02.12.2017

Kuhschnappel. Die meisten Autofahrer, die in der Adventszeit im Dunkeln durch den St. Egidiener Ortsteil Kuhschnappel fahren, treten vorm Haus an der Ernst-Schneller-Straße 73 kräftig auf die Bremse. Der Garten ist illuminiert, als wäre hier der Weihnachtsmann persönlich zuhause. Manche steigen aus und marschieren neugierig aufs Grundstück, um sich das näher anzuschauen - und kriegen vor Staunen den Mund nicht wieder zu.

Beleuchtete Eisblumen, Bäume, Weihnachtsfiguren, Schneemänner und sogar eine Pinguinfamilie - überall flimmert und blinkt es. "Im vorigen Jahr waren es 13.280 Lämpchen und 189 Meter Lichtschlauch. Für die gesamte Beleuchtung habe ich 118 Steckdosen gebraucht. Da ist aber in diesem Jahr wieder einiges dazugekommen", sagt Piet Ahnert. Der 16-jährige Gymnasiast ist Weihnachtsfan durch und durch. Seit acht Jahren treibt sein ungewöhnliches Hobby bunt leuchtende Blüten. "Meine Mitschüler finden es total verrückt, aber irgendwie auch wieder gut", sagt er.

Angefangen hat alles mit einer Lichterkette, die ihm vor acht Jahren sein Opa zu Weihnachten geschenkt hat. Im Folgejahr wünschte Piet sich wieder eine und begann, den Garten zu elektrifizieren. Egal ob zu Weihnachten oder zum Geburtstag, seine Wünsche sind immer die gleichen: Geld, damit er die Weihnachtsbeleuchtung weiter aufrüsten kann.

Im Baumarkt in Lichtenstein begrüßt man den jungen Mann längst mit Handschlag. Dort ist der weihnachtsverrückte Junior bekannt. "Ich bekomme manchmal Sachen mit kleinen Mängeln zum Vorzugspreis angeboten", sagt er. Mutter Katja muss schmunzeln: "Er hat sogar sein Praktikum deswegen bei Obi gemacht", verrät sie. Inzwischen muss Piet Jahr für Jahr mit Mutter Katja um die Konditionen feilschen. "Es wird ja immer mehr, er breitet sich im Garten überall aus. Wir haben jetzt ganz genau das Terrain abgesteckt, auch seine knallhart ausgehandelte Fläche auf dem Garagenboden mit roter Farbe markiert, wo er im Sommer die Kartons mit Material lagern kann", sagt Katja Ahnert. Selbst die Zeiten, in denen die Weihnachtsbeleuchtung in Betrieb sein darf, wurde ausgehandelt." Seitdem leuchtet es von 6.30 bis 8 Uhr und 16.30 bis 21 Uhr. Stolz ist Katja Ahnert natürlich trotzdem auf ihren Sohn. "Er steckt so unglaublich viel Freizeit und Liebe hinein. Er hat sich für sein jährliches Weihnachtsprojekt die nötigen Grundkenntnisse der Elektrotechnik angeeignet und wegen der Stromkosten in diesem Jahr alles auf LEDs umgestellt", lobt sie ihren Nachwuchs.

Wo im Sommer ein Gartenteich vor sich hin plätschert, baute Piet eine Abdeckung aus Brettern, damit die Deko-Fläche für die Leuchtschlangen, Schlitten und beleuchteten Rentiere groß genug ist. Und der Baum, der zu seiner Geburt vor 16 Jahren gepflanzt wurde, darf schon lange nicht mehr beschnitten werden, damit er noch größer wird und weithin zu sehen ist. Der Baum ist so groß, dass Piet nur mit einer riesigen Leiter und Wäschestangen seine Leuchtschlangen im blattlosen Geäst platzieren kann.

Als Technik-Zentrale, in der alle Kabel zusammenlaufen, dient ein Gartenhäuschen. Nur dort nahm er die Hilfe eines Profi-Elektrikers in Anspruch. "Anfangs flogen nämlich immer mal die Sicherungen raus", erinnert er sich. Das lag zum einen an der Überlastung, zum anderen an der schlechten Isolierung der Produkte gegen Nässe. Da schaut Piet heute beim Kauf längst genau hin, und auch, wenn er mit anderen Weihnachtsfreaks Deko-Elemente tauscht. Sogar sein achtjähriger Bruder Iven darf manchmal mithelfen. "Er reicht mir die Kabelbinder." Auch Oma Christine wird gelegentlich mit eingespannt. Sie muss außerdem in der Weihnachtszeit über Wochen hinweg darauf verzichten, ihr Auto in die Garage zu fahren. Die Fläche hat Piet in Beschlag genommen. Für das glitzernde Hobby ihres Enkels übt sich seine Oma aber gerne in Verzicht.

"Die Leute im Dorf haben mich schon vor Wochen gefragt, wann es denn wieder losgeht", sagt Piet. Er kann es selbst kaum erwarten, sein Meisterwerk den Leuten zu präsentieren. "Wenn wir am Küchentisch sitzen, dann amüsieren wir uns wieder, wenn die Leute anhalten." Eine Spendenbox aufzustellen, um einen Teil der Stromkosten abzudecken, hat sich der junge Mann bisher noch nicht getraut.

 
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