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Der seltene Tintenfischpilz fühlt sich in der Region neuerdings heimisch. Durch seine knallrote Farbe ist er kaum zu übersehen.

Foto: Andreas Kretschel

Tintenfischpilz erobert Waldfriedhof

Ein australischer Pilz fühlt sich auch in Westsachsen heimisch. Bei dem Augenschmaus rümpft jedoch jeder die Nase.

Von Hans-Peter Kuppe
erschienen am 12.09.2017

Falken. Grellrote Tentakel sprießen aus dem Boden. Die knallige Farbe des mysteriösen Gewächses zog den Blick von Annike Günther förmlich an. "Zuerst habe ich damit nichts anfangen können", sagt sie. Inzwischen weiß sie: Es ist der Tintenfischpilz. Seine Heimat ist ursprünglich Australien gewesen.

Fast täglich arbeitet die 43-Jährige auf dem Waldfriedhof "Schönburger Land" am Goldforstweg in Falken. In den vergangenen Wochen hat sie immer wieder diese markanten Pilze entdeckt. Wie der farbenprächtige Vertreter aus der Gattung der Gitterlinge ausgerechnet auf den Waldfriedhof gelangt ist, dafür hat sie eine einfache Erklärung: "Wir haben für das Anlegen der Wege im Waldfriedhof tonnenweise Hackschnitzel rangekarrt. Damit sind die Sporen des Pilzes offenbar hierher gelangt", vermutet sie.Tatsächlich wachsen diese Pilze auf mehr oder weniger sauren Böden, auf sich zersetzenden organischen Substanzen, meist auf morschem Holz oder Rindenmulch.

Eingeschleppt wurden sie einst von den Seeleuten. Durch Militärtransporte und Wollimporte aus Australien kamen die Sporen der Tintenfischpilze nach Europa. Im Jahr 1913 wurde der Clathrus archeri, so sein lateinischer Name, erstmals in den Vogesen entdeckt, 1934 auch in Deutschland, bei Karlsruhe. Der Hohenstein-Ernstthaler Pilzberater Werner Stolpe kennt den Tintenfischpilz schon lange. "So selten ist er gar nicht. Ich habe ihn schon in den 1980er-Jahren zum ersten Mal registriert", sagt Stolpe. Seit dem taucht mal hier und da wieder einer auf", sagt er. Experten vermuten, dass die Sporen durch Vögel verbreitet worden sind. Vögel fressen Beeren, denen die Sporen anhaften. Wenn Vögel im Flug ihren Kot abscheiden, geraten auch die Sporen mit auf den Boden. Bei günstigen Bedingungen entwickelt sich dann der Pilz, der zwar nicht giftig ist, aber auch kein Genuss. Annike Günther ist vor allem am Aussehen der Pilzart begeistert: "Es sind richtige Hingucker, wunderschöne Farbtupfer im Waldboden." Weniger angetan ist sie aber von dem üblen Geruch, den er verströmt. Der Pilz schützt sich vor Fressfeinden durch extremen Aasgeruch. "Nacktschnecken scheint der aber nicht zu stören", hat sie festgestellt. Werner Stolpe hat in diesem Jahr zwar noch keinen Tintenfischpilz gefunden, aber einen seltenen Erlen-Grübling. "Der ist vom Aussterben bedroht", weiß er.

 
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