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Hermaná Ludovica Wagner, Gräfin von Hohenwaldeck, mit ihrer Frau Ursula Wagner in einem der Wohnräume ihrer Villa in Crimmitschau.

Foto: Thomas Michel

Exot(in) an der Pleiße

Mann - Frau? Bei Gräfin von Hohenwaldeck weiß man das nicht so genau. In Crimmitschau hat die Bayerin mit ihrer Frau ein neues Zuhause gefunden. Was andere über sie denken, ist ihr egal.

Von Uwe Mühlhausen
erschienen am 09.06.2018

Crimmitschau. Ihr Hobby, die Malerei, hat Hermana Maria Ludovica Wagner, Gräfin von Hohenwaldeck, vorerst an den Nagel gehängt. Und auch die kleine Galerie, die sie auf ihrem Anwesen eingerichtet hat, ist wieder verschwunden. Der Raum wird als Lager genutzt "Im Moment habe ich keine Zeit für die Kunst. Erst einmal muss das Haus auf Vordermann gebracht werden", sagt die 60-Jährige. Das Gebäude an der Zwickauer Straße in Crimmitschau wurde 1889 als Villa Wagner errichtet. "Die Namensgleichheit ist Zufall und hat nichts mit meiner Vergangenheit zu tun."

Geboren und aufgewachsen ist Hermana in Bayern. Sie stammt aus einem alten Adelsgeschlecht, dessen Geschichte bis in das 11. Jahrhundert zurückreicht. Mit der Familie, die noch immer in Bayern lebt, hat sie nicht mehr viel am Hut, die Kontakte sind abgebrochen. "Weil ich anders bin und mein Lebensstil nicht in die Vorstellungen der feinen Gesellschaft passt. Ich habe damit kein Problem, eher die anderen", sagt die Crimmitschauerin.

Ihr Geld verdiente Hermana etliche Jahre im Rotlichtmilieu. Dazu steht sie. "Warum auch nicht?" Dabei verband sie berufliche und private Interessen. "Ich habe in Bad Tölz eine Ausbildung zur Maklerin gemacht und nach der Wende die Gunst der Stunde genutzt", sagt sie. Sie mietete 1991 in diversen Wohnhäusern in Dresden, Leipzig und Chemnitz leer stehende Erdgeschosswohnungen an und vermietete diese an Prostituierte, die in den Räumlichkeiten ihrem Gewerbe nachgingen. "Ich hatte 42 Appartements. Das Geschäft lief topp", blickt Hermana Wagner zurück. Zehn Jahre betrieb sie das Gewerbe von Chemnitz aus. Dorthin verlagerte sie auch für ein paar Jahre ihren Wohnsitz und lebte auf dem Kaßberg. "Eine schöne Ecke. Mein Etablissement in Chemnitz hatte ich auf dem Sonnenberg", sagt sie. 2001, nachdem der Markt gesättigt war und die Eigentümer der Gebäude ihre Häuser nach und nach sanierten oder abrissen, zog sie zurück in ihre bayerische Heimatstadt München. Finanziell nicht zu den Ärmsten zählend, wurde der Geschäftsfrau die Stadt dennoch zu teuer. "Ich hatte eine 150 Quadratmeter große Wohnung. Dafür musste ich jeden Monat 2500 Euro Miete plus Nebenkosten zahlen. Ein Wahnsinn. Für das Geld kann ich hier leben wie im Paradies." Hier, damit meint sie den Osten, für den sie nicht nur aus beruflichen Gründen Interesse entwickelt hat. Die Landschaft und die sächsische Geschichte haben es ihr angetan. "Alles ein bisschen wie in Bayern."

Da kam ihr eine Grundstücksauktion, bei der auch diverse Gebäude aus dem Raum Zwickau angeboten wurden, gerade Recht. "Mit dabei war auch eine alte Villa an der Zwickauer Straße in Crimmitschau, die ich blind ersteigert habe und die nun mein Zuhause ist." Das Gebäude mit wechselvoller Geschichte wurde zuletzt als Wertstoffhof genutzt. Die Münchenerin hatte es zuvor nie gesehen. "Bei der Auktion war lediglich ein Foto veröffentlicht. Aber das war mir egal. Es war ein Schnäppchen", blickt die 60-Jährige zurück.

Inzwischen wird das mehrgeschossige Gebäude, das längst seinen Glanz der vergangenen Jahre verloren hat, zu einem Fass ohne Boden. "Wir leben hier seit Monaten auf einer Baustelle. Hier muss alles neu gemacht werden. Von der Elektrik bis zu den Sanitäreinrichtungen", sagt die 60-Jährige und nimmt es gelassen. Von den vorhandenen rund 500 Quadratmetern nutzt das Paar 350 für Wohnzwecke. Bei der Sanierung legt die Gräfin selbst Hand an. "Ein Wahnsinn. In einem Raum waren acht Schichten Tapeten übereinander geklebt. In einem anderen Zimmer war vierfacher Fußbodenbelag vorhanden. Wir haben bisher fast 100.000 Euro investiert", sagt die maskuline Frau. Bis die Villa wieder komplett saniert ist, werden noch Monate vergehen.

So lange muss auch das zweite Hobby der Gräfin warten. Im Hof steht ein alter Mazda, Baujahr 1988, mit Wankel-Motor. Der trägt noch immer Münchener Kennzeichen und ist der ganze Stolz der Crimmitschauerin. Wenn es die Zeit erlaubt, nimmt sie mit dem Oldtimer auch an diversen Veranstaltungen und Rennen teil. "Der Mazda hat 200 PS. Kommt er in Fahrt, dröhnt der Motor und ist wer weiß wie weit zu hören." Dann kommt in der Gräfin wieder ein bisschen der Mann durch. Doch Mann oder Frau, so genau weiß das keiner bei Hermana Wagner.

 
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