Umweltminister fordert Sondereinheit für Problemwölfe

Im Kreis Bautzen werden ständig Schafe gerissen, während sich in Berlin Minister über Zuständigkeiten streiten. Sachsen will nicht länger zusehen.

Dresden.

In Sachsens Landeshauptstadt ist der Wolf stark unter Druck geraten - sowohl durch Bürger als auch durch den Umweltminister. Nicht etwa, weil Isegrim nun durch das Regierungsviertel streift, sondern weil es an verschiedenen Fronten viel Unzufriedenheit im Umgang mit dem Tier gibt.

Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) hat die Schaffung einer zentralen Sondereinheit gefordert, die bei Vergrämung und Abschuss verhaltensauffälliger Wölfe zum Einsatz kommen soll. Diese sollte beim Bund angesiedelt und von ihm finanziert werden. Sie könnte sowohl für Maßnahmen zuständig sein, die vor dem Töten von verhaltensauffälligen Tieren ergriffen werden sollten, als auch für den Abschuss selbst. Die bisherige Praxis habe sich in Sachsen als problematisch erwiesen, sagte Ministeriumssprecher Frank Meyer. Zwar habe es zweimal eine Abschusserlaubnis für Problemtiere gegeben. "Aber jedes Mal stand das Landratsamt vor der Frage: Wie soll das ablaufen und wer macht es?" Zur Umsetzung kam es nie. Schweden arbeitet bereits mit so einer Sondereinheit. Mit immer gleichen Experten könne sichergestellt werden, dass die Akteure dieser Einheit praktische Erfahrungen sammeln und Maßnahmen effektiv umsetzen. Jedes Bundesland sollte sie bei Bedarf anfordern können.

Der Umweltminister fordert zugleich endlich bundesweite Regelungen zum Abschuss von Problemwölfen. Bund und Länder stünden beim Artenschutz gemeinsam in der Verantwortung. "Die Akzeptanz des Artenschutzes hängt auch vom schnellen und effizienten Handeln bei Konflikten ab." Es sei daher nicht zielführend, wenn jedes Bundesland eigene Regelungen erarbeite und diese untereinander abgestimmt werden müssten. Vielmehr müsse der Bund mit einer Bundesverordnung zur "Entnahme von Wölfen" einheitliche Standards schaffen.

Ein Verweis des Bundesumweltministeriums auf starre EU-Regelungen und die Zuständigkeit der Länder für den Herdenschutz sei da keine Hilfe, meint der CDU-Politiker. Statt eines Streits zwischen dem Bundeslandwirtschaftsminister und der -umweltministerin auf Kosten der Betroffenen erwarte er eine engere Zusammenarbeit der Ressorts. Nur so könne auch die Weidehaltung langfristig erhalten bleiben.

Fast zeitgleich zur Offensive von Minister Schmidt übergaben Bürger aus Ralbitz-Rosenthal im Kreis Bautzen in sieben dicken Aktenordnern eine Petition mit 18.590 Unterschriften an den sächsischen Landtag. Auch Einwohner umliegender Dörfer hatten sie unterschrieben. Die Unterzeichner fordern eine Begrenzung des Wolfsbestands in der Lausitz und eine Gesetzesänderung, die das ermöglicht. Bisher lässt der strenge Artenschutz es nur im Ausnahmefall zu, einen Wolf zu töten. Das ist den Petenten zu wenig. Die Lausitz habe die höchste Wolfsdichte in ganz Europa. Naturnahe Weide- und Nutztierhaltung sei nicht mehr möglich, die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt, heißt es. Das europäische Artenschutzgesetz könne für die Lausitz nicht mehr undifferenziert angewendet werden.

Durch die vom Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" geführte Statistik und die aktuellsten Zahlen fühlen sich die Initiatoren bestätigt. In Sachsen ist die Anzahl der Rudel auf 16 gestiegen. Zu einem Rudel gehören fünf bis zehn Tiere. Die Schadensbilanz für 2017 listet 181 getötete, 19 verletzte und 17 verwundete Nutztiere auf - fast alle in der Lausitz. Im neuen Jahr kamen bereits wieder drei Schafe hinzu, obwohl die Herde vorschriftsmäßig geschützt war.

Auch die Grünen im Landtag haben sich nicht gegen eine Entnahme problematischer Wölfe ausgesprochen. Aber eine Begrenzung der Population allgemein löse die Sorgen nicht, denn auch dann werden weiter Wölfe unterwegs sein, sagte der umweltpolitische Sprecher Wolfram Günther. Nur durch eine gelungene Vergrämung könne man die lernfähigen Wölfe dazu bringen, sich von Herden fern zu halten. Die Grünen plädierten zugleich für eine noch stärkere Unterstützung der Weidetierhaltung als eine aus vielerlei Gründen "enorm wichtige Tierhaltungsform".

Der erhöhte Aufwand der Nutztierhalter bleibe auch bei einer Bejagung des Wolfes bestehen, meint Kathrin Kagelmann, Lausitzer Abgeordnete der Fraktion Die Linke. Wolfsbefürworter und -gegner sollten sich daher lieber auf eine höhere Förderung der gewerblichen Weidetierhaltung verständigen "und vielleicht eine gemeinsame Petition einreichen - am besten beim Bund."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
4Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    GrauerWolf
    11.01.2018

    Was nun?
    Das einige wenige Schafhalter im Revier des Rosenthaler Rudels, den Schutz der unter ihrer Obhut stehenden Schafe sträflichste vernachlässigt haben, ist aktenkundig vermerkt. Fast gebetsmühlenartig haben die zuständigen Mitarbeiter der Landratsämter die zum Teil sträflichste vernachlässigten Herdenschutzmaßnahmen bemängelt. Die Antwort einiger dieser Unbelehrbaren, war ein Konglomerat von Besserwisserei, Beleidigungen und Hasstiraden. Die Konsequenzen ihres Handelns müssen sie jetzt selbst ausbaden. Wölfe sind eben nicht mit einem Strafzettel zu vergleichen, der unter der Zuhilfenahme eines kostenpflichtigen Anwalts milder werden kann. Wer seine Schafe nicht ordentlich schützt, muss früher oder später mit Verlusten rechnen. In festen Rudelterritorien auf jeden Fall.
    Und genau hier schließt sich der Kreis. Politiker reagieren mir Aktionismus auf eine Petition von 18.500 Bürgern, statt die vorhanden Strukturen des Wolfsmanagements ruhig und sachlich im eigenen Haus zu überarbeiten und die schon vorhandenen Regelungen konsequent umzusetzen. Und noch mehr, 18.500 Unterschriften dieser Unbelehrbaren reichten, um im SMUL vorgelassen zu werden, eine gegen den Abschuss eines Wolfes gerichtete Petition einer Initiative, wurde bei einem Stand von 30.000 Unterschriften (Später erreichte diese Petition 100.000 Unterschriften) mit der Begründung der Verhältnismäßigkeit nicht einmal vorgelassen.
    Zum Vergleich, im Zeitraum von 1991 bis 2018 wurden in deutschen Wäldern 32 Wölfe illegal gewildert. Die bis dato vorliegenden Ermittlungsergebnisse sind mehr als dürftig, ja man kann fast sagen, es gibt keine. Eigentlich ist diese Tatsache schon einen Untersuchungsausschuss der Bundesregierung wert.
    Souveränität sieht anders aus, oder wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann bilde ich eine Sondereinheit...
    Meint ihr Grauer Wolf

  • 1
    4
    Nixnuzz
    11.01.2018

    Vielleicht sollte man das wie in Afrika machen: Abschuss gegen Bares. Inklusive Übernachtung und Verpflegung... Auf Wunsch wird das arme Vieh auch präpariert als Trophäe für das häusliche Wohnzimmer...

  • 6
    2
    cn3boj00
    11.01.2018

    Die Petition geht auf eine Initiative "Wolfsgeschädigter und besorgter Bürger" hervor. Man ist also besorgt. Nachdem nun kaum noch Muslime nach Sachsen kommen, sondern vorwiegend Ukrainer, Moldawier und andere Osteuropäer sind, hat man ein neues Objekt gefunden, dem man seine "Sorgen" angedeihen lassen kann. Und wie glaubt man das Problem zu lösen? Na klar: Obergrenze! Dumm nur, dass auch bei einer Begrenzung von Flüchtlingszahlen Kriminelle dabei sein werden (wobei die wohl eher aus Osteuropa kommen), und auch wenn es nur 50 Wölfe gibt können Schafe gerissen werden. Etwa 200 Nutztiere wurden Opfer - in Sachsen gibt es allein 120000 Schafe, das sind also nicht mal 0,2%. Wieviele Menschen kamen zu Schaden?
    Natürlich sollte man ein Tier, welches Probleme bereitet, abschießen dürfen. Aber wenn es daran scheitert, dass man keinen findet der das tut ist das Problem hausgemacht.
    Also einfach den Ball flach halten, ein paar Jäger von mir aus speziell ausbilden und gut. Wozu da endloses Politik-Geschwafel?

  • 5
    3
    Tauchsieder
    11.01.2018

    Stoiber hatte seinen Problembär "Bruno". Schmidt hat jetzt seinen Problemwolf, nennen wir ihn "Tumbak". Bedeutet in Politikerlogik den sofortigen Einsatz eines SEK-Wölf.
    Solange Schaftierhalter ihre Nutztiere nicht entsprechend schützen (so letztlich erst geschehen), solange sollte man den Ball ziemlich flach halten.
    In anderen Industriestaaten wie den USA, Canada, Schweden, Russland, aber auch hier in Italien, Slowenien, Bulgarien, Rumänien usw. leben Menschen sogar mit Braunbären in ihrem Umfeld. Man stelle sich mal das Geschrei in Deutschland vor, wenn sich auch bei uns Meister Petz wieder niederlassen würde.
    Vorschlag, zahlt der Handvoll Schaftierhalter eine Entschädigung und sie sollen es lassen.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...