China setzt bei Umwelt und Autobau auf Sachsens Know-how

Mit moderner Technik wollen Unternehmen aus dem Freistaat in Asien überzeugen. Doch die Angst, kopiert zu werden, schwingt immer mit.

Wuhan. Die Zukunft der Wasseraufbereitung ist nur wenige Meter groß, ohne Hilfe würden sie die Gäste auf dem Gelände der Hubei Xinye Tabakfabrik gar nicht finden. Es geht um einige Gebäude herum, an vielen Arbeitern vorbei - Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) mit den chinesischen Verantwortlichen vorneweg, die Delegation aus dem Freistaat hinter ihm her. Dann endlich kommt der Trupp zum Container, in dem sich sächsisches Know-how verbirgt und von dem sich die Fabrikbetreiber vor allem eines versprechen: saubereres Abwasser als aktuell.

Lars Bergmann ist verantwortlich für das Projekt, das Tillich am Freitagmorgen offiziell eingeweiht hat. Der Vorstandsvorsitzende der Bergmann AG, einem Hersteller für Aufbereitungsanlagen, hat vor einem Jahr die Weichen dafür gestellt. Damals hatten chinesische Unternehmer ihn in Penig besucht und gefragt, ob er sich vorstellen könne, auch Industrieabwasser zu reinigen. Bis dahin hatten die Peniger kommunale Kläranlagen in China gebaut. Aber Lars Bergmann sah die Chance: Nun soll seine Pilotanlage, die sich in dem Container verbirgt, beweisen, dass er die Anforderungen erfüllen kann: Wasser besser aufzubereiten und gleichzeitig durch die biochemischen Prozesse auch noch Energie zu erzeugen, die im Werk genutzt werden kann.

Die örtliche Universität aus Wuhan überwacht den Prozess. Auch von Deutschland aus können Bergmanns Mitarbeiter alles im Auge behalten. "Die Anlage ist komplett ferngesteuert", sagt er. In den nächsten Wochen muss die Technik den Test bestehen. Sind die Chinesen zufrieden, soll nicht nur ein Teil des Abwassers nach dem deutschem Modell gereinigt werden, sondern die Pilotanlage durch eine richtige ersetzt werden. Das würde eine Investition von 3,5 bis 4,5 Millionen Euro bedeuten. Bergmann ist mehr als optimistisch, dass ihm das gelingt. Er plant schon für die kommenden Monate.

"Wir wollen vier weitere Container bauen, die in Asien von Betrieb zu Betrieb rotieren", sagt Bergmann. Das sei die einzige Chance: "Wenn man in den Markt will, muss man mit Technologie kommen." Und man brauche einen langen Atem: "Die Kriegskasse sollte gefüllt sein", sagt Bergmann. "Man sollte nicht meinen, dass es gleich beim ersten Besuch das erste Geschäft gibt." Die Unterstützung des Ministerpräsidenten für das Pilotprojekt hat Bergmann aber schon einmal: "Ich drücke die Daumen", sagt Tillich. Er muss zum nächsten Termin. Ein weiteres sächsisches Unternehmen setzt auf seine Strahlkraft.

Eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt hat der Autozulieferer Koki Technik, der in Niederwürschnitz sitzt, vor knapp einem Jahr mit dem Aufbau einer neuen Produktion begonnen. Mittlerweile steht die Halle samt Maschinen, in der beispielsweise Schaltsysteme für den chinesischen Autohersteller Jeely gebaut werden sollen: eine Investition von knapp 17 Millionen Euro. 30 bis 40 Mitarbeiter hat das Werk derzeit, über 300 sollen es in den nächsten vier Jahren sein, wenn die Produktion läuft.

Ingolf Grüßner, der technische Direktor von Koki Technik, führt durch die Anlage, in der noch alles stillsteht. 100.000 bis 200.000 Auto-Teile jährlich will Koki erst einmal in Wuhan produzieren, aber 500.000 Stück pro Jahr sind geplant. Fehler kann sich das Unternehmen dabei nicht erlauben. Die Qualitätsansprüche der Chinesen sind hoch: "Sie wollen besser als die Deutschen sein, um ihren Fortschrittlichkeit zu zeigen", sagt der Vorstandsvorsitzende Ralph Rumberg.

Auch Martin Hiersemann weiß um die speziellen Wünsche seiner asiatischen Kunden. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Maschinenbau-Unternehmens aus Chemnitz hat Koki mehrere Maschinen für die Produktion geliefert. Er war 2014 zum ersten Mal in China. Trotz der großen Entfernung zu Deutschland und der Zeitverschiebung verlangten chinesische Partner mehr als rasche Hilfe: "E-Mails sollten spätestens am nächsten Tag beantwortet sein", sagt Hiersemann. Besser sei eine Rückmeldung binnen Stunden, weiß Koki-Vorstandschef Rumberg, und ein Nein werde nicht akzeptiert. Es gebe aber verschiedene Schattierungen eines Ja. "Dieses Spiel muss man lernen."

Die Angst, dass ihre Produkte kopiert werden, ist für sächsische Firmen bei der Zusammenarbeit mit China immer im Spiel. Aller Begeisterung bei offiziellen Terminen mit dem Ministerpräsidenten und chinesischen Vertretern zum Trotz. "Wir werden mit Sicherheit kopiert", sagt Maschinenbauer Hiersemann. "Die einzige Möglichkeit ist, dass wir innovativ bleiben und uns weiterentwickeln." Kläranlagenbauer Lars Bergmann ist sogar noch klarer in seinem Urteil: "Man hat drei Jahre Zeit, um das Geschäft in China zu machen", sagt er. "Danach wirst Du kopiert."

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