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Foto: Armin Weigel/dpa

Lehrer warnen vor zu leichten Abi-Prüfungen

Teile der Aufgaben sind aus einem Pool, der von acht Bundesländern erstellt wurde. Leistungen sollen so besser vergleichbar werden. Werden sie dadurch auch besser?

Von Jens Eumann
erschienen am 16.04.2018

Dresden. Fünf Prüfungen, drei davon schriftlich sowie für 24 Fächer zentral bestimmte Fragen - zumindest sachsenweit sind die Anforderungen für die 10.639 Gymnasiasten, die am Dienstag im Freistaat ihre Prüfungen zur allgemeinen Hochschulreife beginnen, weitgehend gleich. Auch im Bundesvergleich soll die Chancengleichheit für Sachsens Hochschulanwärter steigen. Zum zweiten Mal setzt man in diesem Jahr zumindest teilweise auf Aufgaben aus dem Pool des Berliner Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

Der Pool gilt für Kernfächer wie Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch und wird von acht Bundesländern gespeist. Zur Premiere im Vorjahr lag ein Teil hiesiger Abiturienten bei einem gemittelten Abi-Notenschnitt von sachsenweit 2,24 ein Zehntel besser als zuvor. Der hohe Schwierigkeitsgrad des Sachsen-Abiturs im Bundesvergleich war vormals oft als Nachteil hiesiger Abiturienten bei der Studienplatzvergabe beklagt worden.

In diesem Jahr haben sich acht Bundesländer auch auf gemeinsame Prüfungstermine geeinigt, betont Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU). Zudem haben Sachsen, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Aufgabenpool entwickelt, aus dem nach Wunsch auch die restlichen Bundesländer schöpfen können. Die Noten werden nach einheitlichen Regeln berechnet, auf die sich die Kultusministerkonferenz verständigt hat. Im Juni 2016 war das Regelwerk konkreter und einheitlicher gefasst worden. So setze man "den Weg zu mehr Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit beim Abitur in Deutschland kontinuierlich fort", sagt Sachsens Kultusminister.

Ein Schritt in die richtige Richtung, urteilt der Vorsitzende des Sächsischen Philologenverbandes, Thomas Langer. Als Berufsverband der Gymnasiallehrer befürwortet der Verein bundesweit größere Vereinheitlichung, mahnt aber Augenmaß an. "Zum Wohl der Schüler wäre es gut, wenn die Vergleichbarkeit steigt. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht alles herunternivellieren", sagt Langer.

In den zurückliegenden Jahren habe der Anteil der Abiturienten mit einer Eins vor dem Komma ihres Schnitts stark zugenommen. "Das muss ja Ursachen haben. Es darf nicht alles immer leichter werden", urteilt Langer. Zugleich verweist er auf die Position seiner Bundesvorsitzenden Susanne Lin-Klitzing. Diese hatte betont, dass über Vergleichbarkeit von Abitur-Noten nicht nur Prüfungen entscheiden. Immerhin machen die nur ein Drittel der Gesamtnote aus.

Zum Prüfungsstart am Dienstag haben die Abiturienten ihre Vornote bereits sicher, also jene zwei Drittel der Wertung, die sich aus den in der Oberstufe erreichten Noten ergeben. Für mehr Vergleichbarkeit sei bundeseinheitlich zu regeln, wie viele Fächer in diese Wertung einzubringen sind und auch, ob Deutsch und Mathematik verbindlich dazugehören sollen. In Sachsen sind Prüfungen in Deutsch und Mathematik für alle Abiturienten obligatorisch. Außerdem muss sich unter den Prüfungsfächern eine Naturwissenschaft (Biologie, Chemie, Physik) oder eine Fremdsprache befinden.

 
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