Seiteneinsteiger stehen pünktlich zu Schulbeginn bereit

Wenn die Sommerferien vorbei waren, fehlten in Sachsen zuletzt besonders viele Lehrer. Das könnte sich in diesem Jahr ändern.

Dresden.

Im Herbst war der Wunsch der Landesregierung noch am Veto des Lehrer-Hauptpersonalrats gescheitert, nun aber steht der vorgezogenen Einstellung sogenannter Seiteneinsteiger zur Behebung des Lehrermangels nichts mehr im Weg. Wie Kultusminister Christian Piwarz (CDU) gestern auf Anfrage der "Freien Presse" mitteilte, können etwa 400 Interessenten ohne reguläre Lehrerausbildung, die ab dem neuen Schuljahr 2018/19 vor den Klassen stehen wollen, bereits zum 1. Mai eingestellt werden, "damit sie mit Schuljahresbeginn auch wirklich an der Schule sind". Bewerbungen dafür seien "ab sofort" möglich.

Von Mai bis Juli soll es die dreimonatige Qualifizierungsphase geben, die für den Einsatz von Seiteneinsteigern an Sachsens Schulen inzwischen vorgeschrieben ist. Bisher begann die Einstiegsfortbildung jedoch entweder kurz vor Beginn des neuen Schuljahres oder sogar erst danach. Deshalb hatten zu Beginn des Schuljahres 2017/18 viele der frisch eingestellten Lehrkräfte sogar bis November gefehlt.

Eine "termingerechte Einstiegsfortbildung" war auch in der Absichtserklärung der beiden Koalitionspartner CDU und SPD kurz vor der Wahl des neuen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) im Dezember angekündigt worden.

Piwarz nannte die Seiteneinsteiger "im Moment wichtig", um die Lehrerversorgung zu sichern. Einstellungsvoraussetzung bleibe ein Hochschulabschluss, damit man sie anschließend "sinnvoll fortbilden" könne. "Es ist unsere Pflicht, sie, so gut es geht, in das System Schule hineinzubringen, damit sie möglichst schnell gleichwertige Kollegen sind und auch im Lehrerzimmer keine Unterscheidung mehr vorgenommen wird", sagte Piwarz.

Dazu sollen auch die Weiterbildungsmöglichkeiten für sie parallel zum Unterricht verbessert werden. Anders als ausgebildete Lehrer werden Seiteneinsteiger in der Regel nicht in zwei, sondern zunächst nur in einem Fach eingesetzt, solange sie berufsbegleitend keinen zweiten Abschluss erworben haben. Diese Qualifizierungsangebote, in denen es um den Erwerb pädagogischer und fachlicher Kompetenzen geht, werden nach Ministeriumsangaben individuell abgestimmt.

Eine Dauerlösung sieht Piwarz im Einsatz der Seiteneinsteiger jedoch nicht: "Mein Ziel ist es, mittel- und langfristig wieder ausschließlich auf grundständig ausgebildete Lehrer zurückzugreifen." Dies deckt sich mit Vorbehalten gegenüber Seiteneinsteigern im Lehrer-Hauptpersonalrat. Aus diesem Grund hatte das Gremium im Herbst den damaligen Regierungswunsch abgelehnt, die ab Februar 2018 im Unterricht benötigten neuen Kräfte bereits im November 2017 einzustellen.

Piwarz äußerte sich erfreut, dass die Lehrer-Personalvertretung gestern seiner Bitte entsprach. Im neuen Schuljahr braucht Sachsen voraussichtlich etwa 1200 neue Lehrer. Piwarz ist erst seit dem 18. Dezember Kultusminister. Sein Vorgänger Frank Haubitz (parteilos) war nur acht Wochen im Amt.

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