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Rund 1000 Lehrer haben auf einer Kundgebung in Dresden Verbesserungen auch für ältere Pädagogen gefordert.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Verhärtete Fronten im Streit um das Lehrerpaket

Rund 1000 Demonstranten wollen die Regierung zu Zugeständnissen für ältere Lehrer zwingen. Der Kultusminister will zwar reden - aber verspricht nichts.

Von Kai Kollenberg und Tino Moritz
erschienen am 12.06.2018

Dresden. Die Schlange vor dem Eiswagen ist lang. Die Frühsommersonne knallt auf den Carolaplatz vor dem Kultusministerium in Dresden: Da suchen selbst die streitlustigen Lehrer Erfrischung. Denn die Demonstration, zu der die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Sächsische Lehrerverband aufgerufen haben, verzögert sich. Einige Busse voller Lehrkräfte, die von außerhalb anreisen, stecken im Feierabendverkehr fest.

Die Wartenden nutzen die Zeit optimal. Sie versichern sich allenthalben, wie ungerecht das Lehrerpaket ist, das die Landesregierung geschnürt hat. Wie schrecklich es ist, dass nur Lehrer unter 42 Jahren verbeamtet werden. Und dass für die älteren Kollegen - sie sind es, die zum Großteil die Teilnehmer der Kundgebung stellen - so wenig getan wird. Deswegen müsse man es der Regierung zeigen.

Rund 1000 Männer und Frauen haben sich versammelt. Weniger als ursprünglich vermutet. Die ersten gucken auf die Uhr, da entert endlich eine Reihe Lehrer die Bühne. Sie wollen Kultusminister Christian Piwarz (CDU) die Meinung sagen. Man wolle finanziell mit den bald verbeamteten Lehrern beim Netto-Gehalt gleichgestellt werden, schimpft eine Lehrerin ins Mikrofon. Stattdessen würde man mit "Brotkrumen" wie Leistungsprämien abgespeist, um die man nun buhlen solle. "Lassen Sie sich etwas einfallen, Herr Piwarz", sagt eine Lehrerin - und hat selbst eine Idee. Man könne künftig alle Tätigkeiten der Lehrer außerhalb des Unterrichts als Überstunde anrechnen und bezahlen.

Im Streit sind die Fronten verhärtet. Eine Einladung, auf der Demonstration zu sprechen, hat der Kultusminister nicht erhalten. Unter den Lehrern heißt es schließlich: Piwarz höre zwar zu, aber er verstehe nicht. "Wir sind unterbezahlt, aber nicht unterbelichtet", steht auf einem Plakat bei der Kundgebung.

Unbestritten ist: Seit Wochen sucht der Minister zwar den Austausch mit den Lehrern und ihren Vertretern - direkt nach der Haushaltsklausur des Kabinetts will er sich in der nächsten Woche mit den Gewerkschaftsspitzen treffen. Wie zuvor schon der Koalitionspartner SPD zeigt sich Piwarz dabei bereit, noch einmal über die für die angestellten Lehrer geplanten Maßnahmen zu sprechen. Allerdings nur innerhalb des vorgesehenen Budgets. "An diesen Rahmen werden wir uns halten", sagt er.

Von den 1,7 Milliarden Euro im Handlungsprogramm sind bis 2023 immerhin "420 Millionen Euro ausschließlich für die angestellten Lehrerinnen und Lehrer gedacht", rechnet Piwarz vor. Er habe "großen Respekt vor dem Protest der Lehrer" und nehme ihn auch "sehr, sehr ernst". Aber: "Wenn wir schon über Lehrergehälter sprechen, dann ist die Gesamteinordnung sowohl im Öffentlichen Dienst wie auch darüber hinaus aus meiner Sicht zwingend notwendig." Sachsens Lehrer würden auch im Vergleich zu anderen Bundesländern "ordentlich und angemessen" bezahlt.

Der Zustimmung seines Vorgängers Frank Haubitz (parteilos) kann sich Piwarz damit sicher sein. Haubitz, mittlerweile wieder Schulleiter eines Gymnasiums, hatte vehement für die Lehrerverbeamtung gestritten. Und sich damit wenig Freunde in den Lehrerzimmern gemacht. Nun legt er nach: In einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung" wirft er sowohl der GEW als auch der Regierungspartei SPD vor, mit "Thesen und Versprechungen, die reiner Populismus sind, massiv Öl ins Feuer gegossen" zu haben.

SPD-Bildungspolitikerin Sabine Friedel reagiert auf ihre Weise. Sie erinnert Haubitz in einem Offenen Brief an seine eigenen Worte. Als Kultusminister habe er noch selbst den Versuch angekündigt, "die Ungerechtigkeit im Lehrerzimmer zu bannen". Er sei es gewesen, der damals bei den Pädagogen Erwartungen geweckt habe, die er jetzt als "Nimmersatt-Mentalität" kritisiere. Friedel erklärt sich bereit, gern an Haubitz' Schule in Dresden-Klotzsche vorbeizukommen und mit den Lehrern zu sprechen. "Sie wissen ja, wie Sie mich erreichen können."

 
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Kommentare
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  • 13.06.2018
    12:45 Uhr

    Zeitungss: Noch ein Gedanke... . Die Schüler in Bussen nach Dresden karren um die Lehrerschaft zu unterstützen. Auf ein paar Ausfalltage kommt es nun wirklich nicht mehr an, was inzwischen vollkommen in Vergessenheit geraten ist. Es wäre schön, wenn dieser Zustand wieder einmal in den Vordergrund rücken würde. Ich hatte es schon einmal angeschnitten, sollte es zur Verbeamtung kommen, gibt es neue Fronten in den Lehrerzimmern, die Schlacht um die Besoldungsstufen beginnt und wiederholt sich jährlich wenn der neue Stellenkegel kommt.
    Es geht in den ganzen Beiträgen nur um die soziale Absicherung einer Berufsgruppe, mehr nicht, was hinten für die Kinder rauskommt ist dabei völlig bedeutungslos, wie den teils meterlangen Beiträgrn zu entnehmen ist.
    Man darf mich jetzt rot eindecken, es wird nicht lange dauern und wir reden (schreiben) genau über dieses Thema.

    1 1
     
  • 13.06.2018
    09:14 Uhr

    tbaukhage: Nur so ein Gedanke... 24.000 verprellte Restlehrer sind auch 24.000 verprellte Wählerstimmen. Vielleicht sollten sie sich beiden "Volksparteien" mal darüber Gedanken machen: tinyurl.com/ybnt7vth

    0 2
     
  • 13.06.2018
    05:45 Uhr

    vomdorf: Es wird garantiert nicht jeder grundständig ausgebildete Lehrer, der vor dem Stichtag geboren wurde, verbeamtet, denn einige (viele) wollen gar nicht, und einige werden nicht gesund genug dafür sein.
    Was die alten Lehrer aufregt ist, dass den Jungen,auch teilweise Seiteneinsteigern, Gehälter
    hinterhergeschmissen werden, die eigentlich nicht gerechtfertigt sind. Die Alten erinnern sich daran, wie lange es dauerte, bis sie in der sogenannten Erfahrungsstufe waren, die die Jungen heute bekommen.
    Die Fragen,die die Politik sich stellen sollten sind die:
    Warum wollen nur so wenige Lehrer werden?
    Was muss getan werden, um im Vorfeld zu prüfen, ob die enstprechenden Studienbewerber überhaupt für diesen Beruf geeignet sind? Wichtiger als gute Zensuren sind nämlich Einfühlungsvermögen, Geduld, Empathie und eben das richtige Händchen für diesen Beruf.

    Das Unterrichten selber macht doch auch nur einen Teil des Berufes aus. Heute können die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind bei Lernschwächen oder anderem Förderbedarf an der Regellschule belassen. Dort muss das Kind nach dem Lehrplan z.B. der Förderschule unterrichtet werden. Für den Lehrer bedeutet das, er stundenlang nach Material sucht, um diesem Kind wenigstens ein bisschen gerecht zu werden. Dazu sind in jeder Klasse noch verhaltensauffällige Kinder und welche mit Migrationshintergrund.....das alles managt der alte Lehrer für nass....dazulernt ernochndie Seiteneinstieger an, denn die haben oft weniger als keinen Plan.

    Es kann einem Angst und Bange werden..... und in paar Jahren heißt es wieder, dass man DAS hat ja nun nicht kommen sehen konnte.....

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