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Dirk Hilbert steckt ein Holzkreuz in die Erde einer Gedenkstele.

Foto: Monika Skolimowska

Zwiespältiges Gedenken am Jahrestag der Zerstörung Dresdens

Im Gedenken an die Zerstörung der eigenen Stadt im Zweiten Weltkrieg erinnert Dresdens Bürgermeister auch an das Leid der Menschen in aktuellen Konflikten. Auch 73 Jahre nach den verheerenden Luftangriffe alliierter Bomber ist das Erinnern zwiespältig.

erschienen am 13.02.2018

Dresden (dpa/sn) - Tausende Dresdner haben am 73. Jahrestag der Zerstörung ihrer Stadt im Zweiten Weltkrieg mit einer Menschenkette ein Zeichen für Frieden und Versöhnung gesetzt. Hand in Hand verbanden sie über zwei Brücken hinweg am Dienstagabend beide Teile der Elbestadt. Neben Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) reihten sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Mitglieder seines Kabinetts mit ein.

Zum Auftakt der Menschenkette hatte Hilbert auch an die weltweit 31 Kriege erinnert, die aktuell Leid über Menschen brächten. «Der 13. Februar 1945 war nicht einzigartig - weder im Kontext der Zerstörung europäischer Großstädte während des Zweiten Weltkriegs noch in Bezug zur Gegenwart.»

Das Wachhalten der Erinnerung an die Bombardierung der Stadt sei dennoch wichtig. «Jahr für Jahr schrumpft die Generation, die selbst miterlebt hat, wie Dresden erst im braunen Sumpf versunken und dann im Feuersturm untergegangen ist», sagte Hilbert mit Blick auf die Vergangenheit der Stadt als Hochburg der Nationalsozialisten. Aus dem 13. Februar erwachse eine Verantwortung, «nicht für die Vergangenheit, aber sehr wohl für das, was heute, morgen und übermorgen geschieht».

Der Jahrestag der Bombardierung hatte am Vormittag mit acht dezentralen Gedenkfeiern begonnen. Zusammen mit Landtagspräsident Matthias Rößler hatte Hilbert an einer Gedenkstätte auf dem Alten Annenfriedhof im Süden der Altstadt Kränze niedergelegt. Holzkreuze wurden in den Rasen gesteckt, um den Opfern symbolisch Namen zu geben.

Zum einen gehe es am 13. Februar darum, die «Opfer unserer Stadt in den Mittelpunkt zu stellen», sagte Hilbert am Rande des stillen Gedenkens. «Zum Zweiten aber auch (darum), zu ermahnen, aufzupassen und achtsam zu sein. Sich zu engagieren für Frieden und unsere Gesellschaft.»

Jahrelang hatten Neonazis das historische Datum immer wieder zur Verbreitung ihrer Ideologie missbraucht und versucht, mit einem Opferkult die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren. Am vergangenen Samstag waren rund 500 Neonazis der lokalen Dresdner Szene aufmarschiert. Am kommenden Wochenende ist eine weitere Kundgebung von Rechtsextremisten und Holocaust-Leugnern angekündigt.

Weder seien alle Dresdner Täter gewesen, «noch waren es alles Unschuldige, die in unserer Stadt gelebt haben», sagte Hilbert. Deshalb müsse die Stadt auch diesen «Zwiespalt» im Gedenken thematisieren.

Das bis zu jenem Tag nahezu unzerstörte Dresden war am 13. Februar 1945 und in den Tagen danach von britischen und amerikanischen Bombern zu weiten Teilen in Schutt und Asche gelegt worden. Bis zu 25 000 Menschen starben nach Erkenntnissen einer Historikerkommission im Bombenhagel und einem daraus folgenden Feuersturm.

Um 21.45 Uhr, dem Zeitpunkt des ersten Luftalarms, sollten auch am Dienstagabend alle Kirchenglocken der Stadt läuten. Die im Krieg zerstörte und erst 2005 als Friedensmahnmal wiederaufgebaute Frauenkirche wollte ihre Türen für eine «Nacht der Stille» offenhalten. Auf dem Neumarkt vor dem Gotteshaus brannten bereits am Abend hunderte Kerzen.

 
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