3000 Nutzer verfolgen Live-Konzert aus der "Goldnen Sonne" im Internet

Musiker Gernot Müller hat in der "Goldnen Sonne" in Schneeberg vor leeren Stühlen eine Aufführung gegeben. Trotzdem war die Resonanz riesig.

Schneeberg.

Gernot Müller sitzt im blauen Zimmer des Kulturzen-trums "Goldne Sonne" in Schneeberg am Klavier und singt Lieder für Kinder. Er fordert zum Mitsingen und Tanzen auf - nur kann er das Publikum nicht sehen. Denn das einstündige Konzert findet ohne Publikum vor Ort statt und wird am Freitag nur live über Facebook übertragen. Doch im Netz ist das Interesse von Eltern, die mit ihren Kindern derzeit zu Hause sind, offenbar groß. "Wir haben eine Reichweite von 3000 Nutzern", verkündet Katja Reichert, nachdem das letzte Lied verklungen ist. Reichert leitet das Schneeberger Kulturhaus und hatte die Idee für dieses besondere, erstmals gewählte Format.

Eine, die gemeinsam mit ihrem Kind die außergewöhnliche Veranstaltung via Facebook verfolgte, ist Heidi Jakobasch. Die Schneebergerin teilt sich mit ihrem Mann in die Betreuung des zweieinhalbjährigen Anton, dessen Kita wie alle anderen Kindertagesstätten geschlossen ist. "Eine schöne Abwechslung", sagte sie am Telefon nach der Vorstellung. Die Bankkauffrau wünscht sich mehr solche Angebote für die Kinder zu Hause.

Gernot Müller, freischaffender Musiker aus Schneeberg, hatte sofort zugesagt, als ihn am Mittwoch Katja Reichert fragte, ob er sich eine solche Veranstaltung vorstellen könnte. "24 Stunden hatte ich Zeit, um mich darauf vorzubereiten", sagte er. Er bediente sich bei bekannten Kinderliedermachern wie Rolf Zuckowsky, Gerhard Schöne und Detlef Jöcker. Er spannte dabei einen breiten Bogen vom jetzt beginnenden Frühling über lustige Lieder wie das vom Flummy und vom Rollmops bis hin zur Jule, die sich nie wäscht und "Alle Kinder lernen lesen". Zum Schluss seines Konzertes gab er seiner Hoffnung Ausdruck, mit den Liedern ein bisschen gute Laune in die guten Stuben gezaubert zu haben und versprach "eine große Kinderparty, wenn wir uns alle wieder richtig treffen können". Die neue Situation schafft aus seiner Sicht auch Raum für neue kreative Ideen. "Zum Glück gibt es die Wege der modernen Technik", sagte er. Er werde zum Beispiel Klavierunterricht via Skype anbieten und überlege, wenn das Wetter mitspielt, Konzerte für die alten Leute im Innenhof von Pflegeheimen zu geben.

Katja Reichert freute sich, dass die Idee so viel Anklang gefunden hat. Mit dem Konzert für Kinder soll es aber nicht getan sein. Schon am kommenden Samstag wird es eine Ü-30-Homeparty gaben. Dann bieten DJ Robert Bär und Engel B über Facebook zwei Stunden Musik.

Alle Entwicklungen zum Corona-Virus im Erzgebirge in unserm Spezial


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.