Als Schneeberg in Schutt und Asche lag

Am heutigen Dienstag vor 300 Jahren ist die Stadt fast völlig niedergebrannt. Die Flammen zerstörten Kirche und Wohnhäuser. Umso prachtvoller aber war der Wiederaufbau.

Schneeberg.

Ein ohrenbetäubender Knall muss es gewesen sein, als der Schwefelschuppen unweit der Wolfgangskirche explodierte. Doch im lodernden Chaos geht der Krach unter. Schneeberg steht an diesem Tag - am heutigen Dienstag vor genau 300 Jahren - schon lichterloh in Flammen, als es noch schlimmer kommt: Das Feuer greift vom Schuppen auf den großen Bergmannsdom über, frisst Dach und Turm scheinbar mühelos auf. Auch Orgel und Gestühl verbrennen teilweise. Die Glocken werden zum Raub der Flammen. Der 13. August 1719 ist ein schwarzer Tag, der das Gesicht der Stadt für immer verändert.

Der Chronist Karl Lehmann hat das Inferno anhand von Erzählungen überliefert. Demnach hatte die Magd des Geistlichen Johann Friedrich Schindler in dessen Haus am Kirchplatz am Vorabend ein Bad vorbereitet - und dabei achtlos heiße Asche in einem Holzfass entsorgt. Der Schwelbrand blieb unbemerkt, breitete sich in Windeseile aus. Kurze Zeit später stand das Haus in Flammen. Das Feuer fraß sich durch benachbarte Häuser. Bald brannte der ganze Markt an diesem 13. August - und Löschversuche scheitern kläglich. Wie auch, bei diesem Ausmaß? Mit Ledereimern und Feuerpatschen war nicht viel zu machen.


"Es muss furchtbar gewesen sein", sagt Lothar Wetzel vom Erzgebirgszweigverein Schneeberg-Neu-städtel. Er hat viel über den verheerenden Brand gelesen. "Den Schilderungen nach brannte alles bis auf die Grundmauern nieder." Doch manche Decken und Gewölbe hielten dem Hitzeinferno scheinbar stand. "So soll es im Haus Markt 9 eine Decke geben, die von vor 1719 stammt." Auch ob die Magd einen Geliebten bei sich hatte und vielleicht deshalb unachtsam war - wie manche behaupten -, ist aus Sicht von Wetzel nicht sicher. "Da gibt es viele Ausführungen."

Die schlichte Bauweise vieler Gebäude nährte damals das Feuer. Maximal die Erdgeschosse waren aus Stein. Der Aufbau bestand aus hölzernen Fachwerken mit Lehm und Schindeldächern - es brannte wie Zunder, noch dazu nach einem heißen und trockenen Sommer. Die Panik war groß. Fassungslos und wie gelähmt mussten viele Schneeberger mit ansehen, wie Hab und Gut und das eigene Dach über dem Kopf ausgelöscht wurden. Neben Kulturgütern sollen auch etliche Bergbauunterlagen zerstört worden sein.

Dem widerspricht Volkmar Müller vom Schneeberger Bergbauverein. "Der größte Teil wurde durch Bergmeister Christian Friedrich Fischer während des Brands gerettet", sagt er. Das Bergamt befand sich damals im Rathaus. "Deshalb ist das Gebäude so groß, weil es beide Ämter beherbergte", so Müller. Gejammer gab es dennoch. "So nahm der Bergmeister neue Gruben, über die er informiert wurde, teils zuhause auf und trug diese Notizen später im Bergamt nach. Was er daheim hatte, wurde Opfer der Flammen." Doch das sei nur ein Bruchteil, sagt Müller.

"Von der Blüte des Silberbergbaus im 16. Jahrhundert existieren Bücher", erklärt er. Auch habe man zerstörte Unterlagen zügig ersetzt, indem man rekapitulierte, wem welche Grube und Anlage gehörte und wer wie viele Kuxe - also Anteile an Gruben - hielt. Ein Kux war immerhin 300 Taler wert. "Es drohte Streit um Eigentum", sagt Müller. Doch von Zwistigkeiten sei nichts überliefert, was letztlich für seine Theorie spricht.

Erläutert hat Müller seine Erkenntnisse jetzt auch zum Auftakt einer dreiteiligen Vortragsreihe im Museum für bergmännische Volks-kunst, das damit an den Stadtbrand von 1719 erinnert. Am heutigen Dienstag referiert ab 19 Uhr Mario Titze über "Das barocke Schneeberg" als neues Gesicht der Stadt.

Der Wiederaufbau schritt zügig voran. Wohlhabende Bergherren und Händler mit Häusern am Markt ließen die Ruinen zu Schönheiten mit reich verzierten Fassaden herrichten. Schneeberg erhielt so das Gesicht einer Barockstadt, die nach dem Unglück viel Hilfe erfuhr.

Menschen aus nah und fern spendeten Kleider, Lebensmittel und Geld. Zu den Gönnern zählten laut Überlieferung unter anderem der Herzog von Braunschweig und König Georg von England.

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