Am Ende kommt es vor allem aufs Einfühlungsvermögen an

Der Auer Hospizdienst "Zion" besteht seit zehn Jahren. Bisher haben mehr als 100 Frauen und Männer ausgelotet, ob sie als Sterbebegleiter geeignet sind - und das Thema aus der Tabuzone holen können.

Aue.

Zuhören, wahrnehmen und sich selbst zurücknehmen: Das kann man lernen. Die Bitte nach Sterbehilfe, der Umgang mit familiären Konflikten, das Ausloten von Nähe und Distanz: Das kann anstrengen. Spürbares Vertrauen, spontaner Humor, ein herzliches und ehrliches Miteinander: Das kann dankbar machen. "Hospizarbeit hat viele Facetten", sagen Angela Breitfeld und Sylvia Korb. Die beiden müssen es wissen. Gehören sie doch zu den Urgesteinen des Palliativ- und Hospizdienstes "Zion" im Diakonissenhaus Aue - und der besteht 2019 seit zehn Jahren.

Melanie Schmidt hat für sich verinnerlicht, dass der Tod - genauso wie die Geburt - zum Leben gehört. Für andere Menschen bleibt er ein Tabu. "Ich suchte nach einem Ehrenamt, das zu mir passt", berichtet die Krankenschwester, die sich dem sensiblen Thema schon aus rein beruflichen Gründen mitunter stellen muss. Während ihrer Elternzeit nutzte sie die Gelegenheit, einen Hospizhelfer-Kurs bei "Zion" zu belegen. "Das hat mir viel gebracht und mich bestärkt." Es sei eine Bereicherung. "Und kann losgehen." Allerdings, sagt Schmidt, funktioniert das nur, weil sie mit sich im Reinen ist. Das sei wichtig, um sich auf Menschen einzulassen, die im Sterben liegen.


Dem Tod seine furchterregende Maske entreißen - das ist Ziel der Hospizarbeiter um Angela Breitfeld und Sylvia Korb. Seit Gründung des Vereins unter dem Dach des Diakonissenhauses durchliefen 108 Frauen und Männer neun Kurse zu jeweils 100 Stunden, um auszuloten, ob sie die Kraft und die Nerven für die Sterbebegleitung haben. Noch dazu von anfangs wildfremden Menschen. "Allen, die unsere Kurse besuchten, brachte es einen Mehrwert für ihr eigenes Leben - egal, ob sie am Ende Begleiter wurden oder nicht", sagt Breitfeld. Nur wer die zweite Stufe des Seminars in Angriff nimmt, zieht eine aktive Hospizarbeit in Betracht. 40 Frauen und drei Männer leisten sie derzeit. Zusätzlich neun Kursteilnehmer von 2019 steigen voraussichtlich ein. "Damit sind wir gut aufgestellt, wie schon über all die Jahre", sagt Korb.

Der Hospizdienst übernahm vor zehn Jahren die Aufgabe der Diakonissen, die aufgrund von Überalterung die Sterbebegleitung im hauseigenen Pflegeheim nicht mehr abdecken konnten. So wuchs das Pflänzchen heran, brachte viele Blüten hervor. Genannt sei das Konzert "Lebenslieder", das 2018 vor rappelvoller Nikolai-Kirche tief berührte, indem es in Text und Musik einfühlsam aus dem Leben Verstorbener erzählte. "Einmalig", schwärmen Breitfeld und Korb noch immer. Vielen ist das Konzert in Erinnerung geblieben. "Es ist wichtig, offen mit dem Thema umzugehen."

Bei einem aktiven Helfer kann das Telefon jederzeit klingeln. "Immer kann eine Anfrage kommen. Das ist eine Herausforderung." Wie das Erspüren der Gefühlslage des Sterbenden. Brauchen sie oder er Mitgefühl oder ein befreites Lachen? Welche Wünsche lassen sich erfüllen? Wo sind den Hospizhelfern Grenzen gesetzt, zum Beispiel bei Konflikten im familiären Bereich der Betroffenen. Breitfeld: "Es ist - wie gesagt - vielschichtig." Allein aber bleibt keiner. "Wir arbeiten alles intensiv auf." Auch das sei eine Kunst - wie die Vernetzung. Im Erzgebirge gebe es ein gut aufgestelltes Team an Hospizdiensten. "Nur die Verbindung zu Ärzten und anderen Schnittstellen, um unser Angebot zu vermitteln, müsste weiter ausgebaut werden." Für die Hospizhelfer gibt es als noch viel zu tun - mindestens für die nächsten zehn Jahre.

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