Anstehen für den Umtausch in D-Mark

30 Jahre Danach: Es ist spannend, alte Bilder zu betrachten. Erst da fällt auf, was sich im Laufe der Jahre alles verändert hat. "Freie Presse" lädt ihre Leser zum Vergleichen ein und mit Fotos von damals und heute beizutragen.

Schwarzenberg.

Es gibt gleich zwei gute Gründe, einen Blick auf das Schwarz-Weiß-Foto zu werfen: Zum einen zeigt es eine geduldig ausharrende "sozialistische Wartegemeinschaft" - wie man zu DDR-Zeiten das Anstellen auch genannt hat. An diesem 20. Juni 1990 warteten die Leute, um die Anträge für den Umtausch der Konten abzugeben. Denn für die Wirtschaft- und Währungsunion, die zum 1. Juli 1990 in Kraft trat, musste jeder DDR-Bürger alle Konten auflisten und deren Umtausch beantragen. So durften Bürger ab 60 Jahren bis zu 6000, Erwachsene bis zu 4000 und Kinder bis 14 Jahren bis zu 2000 DDR-Mark zum Wechselkurs von 1:1 umtauschen. Darüber hinausgehende Sparguthaben wurden zum Kurs 2:1 gewechselt, Schulden wurden halbiert. Löhne, Gehälter, Stipendien, Renten, Mieten und Pachten wurden zum Kurs von 1:1 umgestellt. Bizarr mutet an: Heute gibt es unter diesem Dach tatsächlich Bananen.

Des Weiteren lohnt ein Blick auf das Foto wegen des Gebäudes, in dem sich schon damals eine Zweigstelle (heute heißt es Filiale) der Sparkasse befand. Der Flachbau war als Dienstleistungskomplex im ehemaligen "Wilhelm-Pieck-Wohngebiet" errichtet worden und beherbergte mehrere Geschäfte, wie einen Schreib- und Spielwarenladen, die Post, die Sparkasse, einen Friseur, eine Reparaturannahmestelle für Elektrogeräte sowie eine Textilreinigungsannahme.

Eines hat die 30 Jahre überdauert: Die Tatsache, dass die Geschäfte stets vermietet waren, wenngleich die Mieter und Anbieter des Öfteren wechselten. Das Gebäude gehört zur Wohnungsgesellschaft Schwarzenberg, und diese plant ab August den Flachbau zu sanieren. "Es wurde zwar nach der Wende schon etwas am Haus gemacht, doch nun wird beispielsweise der Wärmeschutz großflächig ergänzt", sagt Geschäftsführer Uwe Matthe. Für rund eine halbe Million Euro sind ein neues Dach, eine neue Fassade sowie neue Markisen geplant. "Zudem wollen wir die Eingänge barrierearm gestalten oder zumindest kleine Rampen bauen." Gefördert werde das Vorhaben mit 100.000 Euro. Auch das graue Blech am Dach soll verschwinden. "Das Gebäude wird danach farblich überraschen", sagt er.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.