Auer Unternehmen arbeitet mit coolen Tricks gegen Keime

Rund zwei Jahre hat die Multi Kühlanlagen GmbH an einem neuen Kühlturm geforscht, der das berüchtigte Legionellen-Problem bekämpft. Am Mittwoch wird er vor Fachpublikum gezeigt.

Aue-Bad Schlema.

Kühltürme, die die Legionärskrankheit über Wohngebieten versprühen: Die Auer Multi Kühlanlagen GmbH hat ein Gegenmittel. Das mittelständische Unternehmen präsentiert am Mittwoch auf seinem Werksgelände einen Turm, der so konstruiert ist, dass er den gefährlichen Keimen wenig Angriffsfläche bietet. Die Firma erhofft sich von ihrer Neuentwicklung gute Geschäfte.

"Wir standen vor der Frage, ob wir es uns als Firma mit 30 Mitarbeitern zutrauen, so etwas in Angriff zu nehmen", sagt Kathleen Schremmer-Torresi (41), die Geschäftsführende Gesellschafterin. "Jetzt steht er hier. Da hat man schon so etwas wie ein Baby-Gefühl. Wir sind stolz."

Der Turm ist komplett aus Edelstahl gefertigt, dessen glatte Oberfläche es Bakterien schwermacht, sich festzusetzen. Er ist so gebaut, dass sich im Innern kein Wasser staut, in dem sich Legionellen vermehren können. Das Kühlwasser fließt auch vollständig ab, wenn die Anlage stillsteht. Spezielle Lüftungsschlitze sorgen dafür, dass es niemals direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Biofilter sollen verhindern, dass sich Schleimfilme bilden.

Herkömmliche Kühltürme sind Brutstätten für Legionellen. Das mussten im Winter 2010 die Bürger der Stadt Ulm sowie im Sommer 2013 die Bewohner von Warstein schmerzlich erfahren. Nachdem Kühltürme dort über ihre Lüftungsschlitze Bakterien in die Umgebungsluft entließen, erkrankten insgesamt 230 Menschen an schweren Lungenentzündungen, acht starben.

Das sind keine lokalen Probleme, weiß Thomas Spaller (35), der Geschäftsführer von Multi Kühlanlagen: "Wir untersuchen bei 40 Kunden die Kühlsysteme - viermal im Jahr. Bei 20 Prozent haben wir Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt." Solche Kontrollen sind seit zwei Jahren gesetzlich vorgeschrieben. Die Auer Kühlanlagenbauer haben fünf eigens geschulte Mitarbeiter, die bei Kunden in ganz Deutschland unterwegs sind, Proben nehmen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen empfehlen.

Der neue Kühlturm ist gewissermaßen die Vorbeugung vor dem Heilen. "Die Türme, die wir bisher vertrieben haben, wurden alle am Ende der DDR-Zeit oder in den 1990er-Jahren konstruiert", sagt Kathleen Schremmer-Torresi. "Das Legionellen-Gesetz gab den Anstoß für unsere Neuentwicklung."

Dafür hat die Firma nach eigenen Angaben eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich investiert. Der Freistaat Sachsen half mit 50 Prozent Innovationsprämie. Das Fraunhofer Institut für Werkstofftechnik Chemnitz unterstützte die Entwicklung. Im August wurde der neue Kühlturm auf dem Gelände des Forschungsvereins Deutsche Montan Technologie Essen einem Test auf Herz und Nieren unterzogen. "In einer Klimakammer haben wir dort verschiedene Wetterbedingungen simuliert", sagt Projektleiter Stefan Mannstadt (40). Der Turm habe bestanden, auch in Sachen Umweltfreundlichkeit: "Im Vergleich zur alten Baureihe ist er leiser und spart 20 Prozent Elektroenergie ein."

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