Ausgegrabener Bastler-Schatz schafft es vor die große Bühne

Die Premiere des Kurzfilms über das ADAC - Motorsportturnier 1932 im Radiumbad haben am Freitagabend etliche Zuschauer verfolgt. Ein Zweirad im Raum rollte damals vermutlich mit.

Bad Schlema/Neustädtel.

Wie alle Gäste reckt Matthias Bretschneider den Kopf in Richtung Leinwand, als es "Film ab" heißt. Schwarz-weiße Bilder, bewegt und deshalb historisch wertvoll, flimmern am Freitagabend über die Leinwand im Feuerwehrdepot in Bad Schlema. Fasziniert verfolgen zahlreiche Zuschauer den sechs Minuten langen Bericht über das ADAC-Motorsportturnier im Radiumbad Oberschlema. Nach 81 Jahren wurden die Aufnahmen im Schneeberger Stadtarchiv wiederentdeckt, restauriert und jetzt erstmals vorgeführt. Eine ähnlich bewegte Geschichte hat das Motorrad von Matthias Bretschneider, das zu der viel beachteten Filmpremiere direkt vor der Bühne stand.

"Es ist seinerzeit wahrscheinlich wirklich mitgefahren", sagt der Neustädtler über seinen rot lackierten Schatz. Bretschneider bekam die Ardie TM 500 - 500 steht für die Anzahl der Kubikzentimeter - in den 1990er-Jahren von einer Nachbarin. "Ein Scheunenfund", sagt der 61-Jährige, der der einstigen Besitzerin auf ihre alten Tage immer mal helfend zur Seite stand. "Sie erzählte mir, dass ihre Familie das Motorrad nach dem Krieg vor den russischen Besatzern versteckte." Unter einem Holzstapel rostete das Zweirad vor sich hin. "Weil sie wusste, dass ich mich für Oldtimer interessiere, hat sie mir die Maschine schließlich gegeben." Bedingung: Er musste sie ausbuddeln. Und das tat er. Der alte Schuppen fiel fast zusammen, als der Schatz unter Stoffsäcken und Holz tatsächlich zum Vorschein kam. "Als wir sie rausholten, war die Ardie fast Schrott", sagt Bretschneider.

Er entkernte das Motorrad, ölte es ein. Dann stand es eine Weile, ehe es im Jahr 2000 in altem Glanz erstrahlte. "Zwei Jahre dauerte es, das Motorrad zu restaurieren. Viele Bastler-Kollegen halfen mir", so der Kfz-Sachverständige. Er erklärt: "Bei dieser Aktion entflammte meine Begeisterung für Oldtimer vollends." Inzwischen nennt er noch eine Jawa und einen Skoda Felicia sein Eigen. Er ist Mitglied im Erzgebirgischen Oldtimerclub Neustädtel, der anlässlich der Filmpremiere neben der Ardie weitere rollende Schmuckstücke in Bad Schlema ausstellte.

Der Wiederaufbau der Ardie sei eine echte Herausforderung gewesen, erzählt Bretschneider. "Vermutlich wurde sie im Krieg umgebaut. Jetzt ist alles wieder im Originalzustand, einige Teile sind selbst gebaut." Anhand der Fahrgestellnummer ermittelte der 61-Jährige 1928 als Baujahr. Ardie war ein deutscher Motorradhersteller aus Nürnberg, der von 1919 bis 1958 produzierte. Der Name ist von Gründer Arno Dietrich abgeleitet.

Doch wie kommt Bretschneider darauf, dass seine Ardie bei dem ADAC-Turnier 1932 mitfuhr? "Meine Nachbarin gab mir zum Motorrad eine Plakette und einen Wimpel dazu." Beides stammt eindeutig von jenem Großereignis. "Es ist toll, wenn ich mir vorstelle, dass die Ardie dabei war", sagt Bretschneider und setzt sich auf sein Motorrad, das fahrbereit und zugelassen ist - auch 81 Jahre nach dem ADAC-Korso.

Den Film verfolgte am Freitag auch Ehrengast Carl Hahn, ehemaliger Vorstandschef von VW. Sein Vater gehörte 1932 zu den Mitbegründern der Auto-Union als Zusammenschluss von Audi, Wanderer, Horch und DKW. Hahn zeigte sich beeindruckt. "Dass ich hier sein darf, ist ein wertvolles Geschenk, wie es kein zweites gibt", sagte er und schwärmte auch über die zwei- und vierrädrigen Oldtimer im Feuerwehrdepot. "Mit diesen Modellen bin ich schließlich groß geworden."

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