Azubi soll Mädchen im Wald genötigt haben

Ein 22-Jähriger steht wegen sexueller Nötigung vor dem Amtsgericht. Er stellt das Geschehen als einvernehmlich dar. Damit beginnt eine schwierige Suche nach der Wahrheit.

Aue.

Waren es einvernehmliche sexuelle Handlungen oder hat ein heute 22-Jähriger ein Mädchen dazu genötigt? Das versucht das Amtsgericht Aue zu klären, denn der Auszubildende ist von der Staatsanwaltschaft wegen sexueller Nötigung angeklagt worden.

Staatsanwältin Marita Recken: "Am 30. Mai 2017 kam es gegen 22.45 Uhr zu der Verabredung. Dabei fuhr der Angeklagte mit der später Geschädigten in den Wald bei einem Ausflugslokal in Schneeberg." Als das Auto stand, habe er sein Geschlechtsteil aus der Hose geholt und daran manipuliert. "Dann griff er das Mädchen am Nacken und versuchte sie über seinen Schoß zu drücken." Dies sei durch die massive Gegenwehr der damals 15-Jährigen misslungen. "Dann stieg er aus und ging zur Beifahrerseite. Dort zog er das Mädchen aus dem Auto und drückte sie danach auf die Rückbank." Wie die Staatsanwältin weiter erklärte, versuchte er, ihr den BH zu öffnen, fasste ihr an die bedeckte Brust und forderte sie trotz der Gegenwehr zum Geschlechtsverkehr auf. Erst als er zum Erguss kam, habe er schließlich von ihr abgelassen.

Diesen von der Staatsanwältin angeklagten Ablauf der Tat, bestätigte die Schülerin. "Ich hatte ihn durch eine Clique etwa ein halbes Jahr zuvor kennengelernt. Als Gruppe haben wir uns gemeinsam an der Tanke oder bei McDonalds getroffen", schilderte sie. Auch über den Nachrichtendienst Snapchat hätten sich die beiden geschrieben. Dabei sei es vor allem um Nebensächlichkeiten gegangen. Doch auch sexuelle Bilder von sich soll der Angeklagte ihr geschickt haben. "Das fand ich lächerlich. Darauf habe ich nicht reagiert", so die Schülerin.

Für sie war es damit erledigt, doch offenbar versprach sich der Erzgebirger mehr. "Wir wollten zu McDonalds fahren. Zuvor sollte noch ein Kollege abgeholt werden", sagte die Schülerin. Deshalb habe sie sich auch nicht gewundert, als sie in eine andere Richtung gefahren sind. Auf dem Parkplatz im Wald habe er sie aufgefordert, ihn oral zu befriedigen. "Das hatte ich nicht erwartet. Ich war völlig ahnungslos mitgefahren." Auch zu dem Gerangel auf der Rückbank äußerte sie sich: "Er versuchte immer wieder mir in die Leggins zu fassen. Ich habe um mich geschlagen und geschrien." Da sie mitten im Wald waren, hätte sie keine Hilfe holen können. Nach der Tat wurde sie nach Hause gefahren. Doch erst Wochen später erzählte sie zwei Freunden von ihrem Erlebnis, schließlich kam es zu einer Anzeige. Der Abend habe auch weitere Folgen für sie: "Ich bin in psychologischer Behandlung."

Ganz anders schilderte der Angeklagte das gemeinsame Treffen. "Sie wusste von Anfang an, dass nur wir uns treffen würden. Auf dem Parkplatz küsste ich sie und sie machte mit." Auf der Rückbank sei es bequemer gewesen. "Dort hat sie mich mit der Hand befriedigt." Warum es dann zu der Anzeige gekommen sei, wollte Richter Lutz Herrmann von ihm wissen. "Das kann ich auch nicht verstehen. Ich fahre ein dickes Auto, vielleicht gibt es Neider", meinte der Angeklagte.

Aufgrund der gegenteiligen Aussagen will das Gericht weitere Zeugen laden. Mit ihnen will es mehr über das Umfeld erfahren. Deshalb wurde für den 30. Januar ein weiterer Gerichtstermin vereinbart. An diesem Tag könnte auch ein Urteil fallen.

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