Bagger machen geschichtsträchtiges Gebäude platt

Ein unansehnlicher Koloss verschwindet derzeit in Carlsfeld. Das ehemalige NVA-Ferienheim konnte nicht gerettet werden.

Carlsfeld.

Das ehemalige Ferienheim "Bergblick" der Nationalen Volksarmee (NVA) in Carlsfeld verschwindet. Der Abrissbagger macht den unansehnlichen vierstöckigen Koloss direkt am Ortseingang Weitersglashütte bis Mitte Oktober dem Erdboden gleich. Damit geht für das zuletzt kommunale Gebäude, das 60 Meter lang und jeweils 15 Meter hoch und breit ist, eine langjährige Geschichte zu Ende.

Erbaut wurde es 1959 für die Grenztruppen der DDR, die es aber nur kurze Zeit als Kaserne nutzten. Schon 1960 beanspruchte es das ostdeutsche Innenministerium und nur zwei Jahre später die Armee als Erholungsstätte für sich.

Zum Personal gehörten auch 20 Carlsfelder. "Es gab einen rustikalen Speisesaal und sogar ein Kino", erinnert sich Uwe Peter, der mit seiner Familie in der Heimleiterwohnung lebte. Zudem hatte das Gebäude damals noch ein für das schneereiche Erzgebirge typisches und sinnvolles Spitzdach. Das wurde 1977 trotz der Höhenlage von 900 Metern über dem Meeresspiegel für zwei zusätzliche Stockwerken und ein gefährliches Flachdach geopfert. Immerhin konnten somit aber 120 Betten vorgehalten werden. Der Zeitzeuge: "Und die waren auch meistens alle belegt."

Zu den Stammgästen habe mit Artur Kunath der NVA-Stadtkommandant von Ost-Berlin gehört. "Der Generalleutnant ist gern Ski gefahren", weiß Peter noch genau. Außerhalb des Winters hätten oftmals besonders eifrige Offiziere eine Auszeichnungsreise nach Carlsfeld-Weitersglashütte bekommen.

Räumen mussten die Militärs ihr Feriendomizil nach Weihnachten 1989. Peter: "Bis Silvester waren die letzten Gäste raus, und damit war auch Schluss." Die Immobile fiel an die bundeseigene Treuhandanstalt. So konnte das Haus zwischen 1991 und 2001 als Durchgangsheim für deutschstämmige Spätaussiedler aus Russland genutzt werden. 2005 ersteigerte es eine in England eingetragene Immobilien-Firma, um ein Fünf-Sterne-Hotel daraus zu machen. Drei Jahre später kam von der Insel aber die Absage für die 40-Millionen-Euro-Investition.

Seit 2011 gehören Gebäude und Anwesen der Stadt Eibenstock. Ein danach gefundener möglicher Investor aus Baden-Württemberg verabschiedete sich vor zwei Jahren wieder. "Damit blieb nun tatsächlich nur noch der Abriss", erklärt Bürgermeister Uwe Staab (CDU).

Etwa 100.000 Euro kostet das Vorhaben, das zu fast zwei Dritteln über das sogenannte Leader-Programm vom Freistaat gefördert wird. Für die Zukunft wünscht sich Bürgermeister Staab eine Wiederbebauung mit Pension oder Hotel.

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