Bahnfans zieht es nach Schwarzenberg

Der Verein Sächsische Eisenbahnfreunde hat nun auch eine Prinzessin. Statt Rouge trägt sie Kohlenstaub auf den Wangen.

Schwarzenberg.

Nele Haas strahlt übers ganze Gesicht und läuft stolz über das Gelände des Eisenbahnmuseums Schwarzenberg. In ihrer Hand hält sie ein kleines Körbchen mit Flyern und Überraschungsgeschenken. Nele trägt ein schwarzes Kleidchen und auf ihrem Kopf ein Diadem. Ihre Schärpe verrät, dass die Siebenjährige die erste VSE-Prinzessin in Schwarzenberg ist. "Wir haben das noch gar nicht öffentlich und offiziell gemacht", sagt VSE-Vereinsvorsitzender Thomas Strömsdorfer. Und Neles Mama Jette, selbst Mitglied im VSE und begeisterte Eisenbahnfreundin, bringt Licht ins Dunkel: "Das war eine Idee von meiner Mutter Martina und von mir."

Inspirieren lassen habe man sich bei der Kohlenhofprinzessin, die seit ein paar Jahren immer mit in Schwarzenberg bei den Eisenbahntagen zu Gast und ein beliebtes Fotomotiv ist. "Schwer war es, ein passendes Kleidchen zu finden", sagt Jette Haas. "Das musste ja schwarz sein. Wir haben dann nach langem Suchen ein Ballettkleidchen gefunden." Und in diesem fühlte sich das Mädchen pudelwohl. "Überreden musste ich Nele nicht. Ausschlaggebend war das Diadem", lacht Mama Jette. Schließlich träume jedes Mädchen davon, einmal Prinzessin zu sein. "Es macht Spaß", kommentiert die Siebenjährige kokett und schmiert sich etwas Rouge auf die Wange. Allerdings ist dieser Rouge nicht zart rosé, sondern schwarz. Der Rest des Kohlenstaubs, der sich an Neles Händen befindet, wird über die Arme geschmiert. "Jetzt siehst du perfekt aus", freut sich Jette Haas und nimmt ihre Tochter zur nächsten Runde übers Bahngelände mit.

"Wir haben viele engagierte Mitglieder, sonst wären wir nicht soweit gekommen", sagt Thomas Strömsdörfer. "Das mit der Prinzessin war eine echte Überraschung. Damit haben wir nicht gerechnet." Doch er hofft, dass sich dieser kleine Spaß zu einem weiteren Alleinstellungsmerkmal des Schwarzenberger Eisenbahnmuseums entwickelt.

Allein am Samstag kamen mehr als 1600 Besucher zum Schwarzenberger Eisenbahnmuseum. Ein wahrer Besuchermagnet war an beiden Wochenendtagen die Lokparade. Bei dieser wurden nicht nur vereinseigene Lokomotiven präsentiert, sondern rollten auch Gastfahrzeuge über die Schienen. André Hansch wollte beispielsweise die sogenannte Taiga-Trommel unbedingt vors Objektiv bekommen. "Ich betreibe eine Internetseite, ein Foto von ihr fehlt mir noch", sagt der 31-Jährige aus Chemnitz. "Dass sie hier fährt, ist der Grund, warum ich hier bin." Obwohl Thomas Weigel aus Breitenbrunn kein passionierter Fotograf und auch kein ausgesprochener Eisenbahnfan ist, war er mit seiner Familie schon zum zweiten Mal bei den Eisenbahntagen. "Es hat uns letztes Jahr so sehr gefallen, dass wir diesmal wieder hergekommen sind. Die Kinder haben sich gewünscht, mit der Dampflok zu fahren."

Im Lokschuppen herrschte emsiges Handeln. Besonders interessant war ein Präsentationsstand mit verschiedenen Schienenprofilen. "Das ist eine Dauerleihgabe eines Eisenbahnfreundes", erklärt VSE-Mitglied Uwe Petzold. "Alles Originalschienen mit den entsprechenden Befestigungen." Zudem boten verschiedene Sammler und Händler alles rund ums Thema Eisenbahn an. Der Stand von Ingrid Pohl aus dem thüringischen Themar war vor allem bei Freunden der Spur S beliebt: "Es gibt einige Leute, die sie noch zuhause haben." Dabei wurde die Produktion in Stadtilm bereits Mitte der 1960er- Jahre eingestellt. "Heute sind wir die einzigen, die noch Spur S produzieren."

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